Wenn die Notenpressen angeworfen werden
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Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Artikel vom 04.04.2009Leitzinsen sinken, Staaten schnüren Rettungspakete und Notenbanken pumpen Milliarden in den Markt. Zuletzt wurde in London beschlossen, Billionen zu investieren. Das könnte inflationäre Folgen haben - auch für den Verbraucher.
Max Otte, Professor an der Fachhochschule Worms, malte neulich ein neues Horrorszenario an die Wand. Während einer Podiumsdiskussion an der Berliner Humboldt-Universität sagte Otte, dass er am Ende der Wirtschaftskrise mit einer Inflationsrate von mehr als 30 Prozent rechne. Obwohl das stark übertrieben klingt, sollte man wissen, dass dieser Mann schon einmal mit einer Prognose genau ins Schwarze getroffen hatte – nämlich als er im Jahr 2006 die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise vorhersagte.
Wenig überraschend ängstigen derartige Inflationsszenarien die Menschen in den Industriestaaten. Viele flüchteten bereits mit ihren Guthaben in Gold. Der Preis des Edelmetalls hat sich dadurch in den vergangenen drei Jahren verdoppelt. Gegenwärtig kostet die Feinunze mehr als 900 US-Dollar. Auch das Interesse an Immobilien ist groß. «Wir erleben einen großen Andrang», sagte eine Sprecherin des größten deutschen Immobilienvermittlers Interhyp der Berliner Morgenpost. «Unsere Mitarbeiter müssen Überstunden machen, um die Nachfrage zu bewältigen.»
Doch ist die Angst vor einer Mega-Inflation berechtigt? Professor Udo Ludwig vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle kann sie zwar nachvollziehen. Aber eine derart starke Inflation, wie Max Otte sie für möglich hält, sei übertrieben, glaubt er. «Es gibt keine Projektion, mit der ein so starker Anstieg nachvollziehbar wäre. Eine übertriebene Angst ist unnötig», so der Hallenser Wissenschaftler.
Die Inflationsängste werden trotzdem durch die gigantischen Konjunkturprogramme der Regierungen und die expansive Geldpolitik der Notenbanken geschürt. So haben die amerikanische Federal Reserve (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) in den vergangenen Monaten den Leitzins auf Rekordniveaus gesenktDie EZB senkte den Leitzins am Donnerstag auf 1,25 Prozent. Der Leitzins in den USA liegt derweil nahezu bei 0 Prozent. . Ziel: Das Geld möglichst billig machen. Der erhoffte Effekt: Die Geschäftsbanken sollten sich möglichst viel Geld bei den Notenbanken ausleihen und es in Form von Krediten an die Unternehmen weiter geben.
Doch so richtig wollte die Wirtschaft durch diese indirekte Konjunkturspritze nicht anspringen. Deshalb sind einige Zentralbanken wie die Fed und die Bank auf England bereits einen Schritt weiter gegangen und haben «die Notenpresse angeworfen», wie es so schön heißt. Sie stützen ihre Staaten, indem sie Staatsanleihen kauften. Die Staaten konnten sich für ihre Konjunkturpakete dadurch billigeres Geld verschaffen als wenn sie Geld von Geschäftsbanken hätten leihen müssen. Zusätzlich will die Fed jetzt faule Wertpapiere der privaten Kreditinstitute gegen frisches Notenbankgeld eintauschen.
Die Zentralbanken können diese expansive Geldpolitik bis ins Unendliche betreiben, denn sie sind quasi der alleinige Entscheider darüber, wieviel Geld sie in den Markt geben - sei es durch den Aufkauf von Anleihen, den Verleih oder den Tausch gegen faule Wertpapiere. Seit die Goldbindung in den 1950er-Jahren weggefallen ist, sind die Notenbanken bei der Festlegung der umlaufenden Geldmenge an keinen Gegenwert mehr gebunden. Doch genau daraus entsteht die Angst vor einer schnellen Geldentwertung, einer Inflation.
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Die NOten fressen sind schon lange angeworfen
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