Versicherungskonzern AIG US-Staatshilfe geht indirekt an Deutsche Bank

AIG-Rettungs-Milliarden fließen in alle Welt (Foto)
Die US-Regierung hat AIG im September mit einer Finanzspritze von 85 Milliarden Dollar gerettet. Bild: dpa

Der nur noch durch Staatshilfen am Leben erhaltene Versicherungskonzern AIG hat Milliardenbeträge an die Deutsche Bank überwiesen. Das Beispiel zeigt: In der globalen Wirtschaft ist es schwer, die Steuergelder im eigenen Land zu behalten.

Insgesamt verwendete AIG mehr als 90 Milliarden Dollar aus staatlichen Hilfsmitteln für Zahlungen an aus- und inländische Banken, die teilweise auch selbst Staatshilfen beziehen. AIG zahlte vor allem Schulden aus Kreditversicherungen und kam damit seinen Verpflichtungen nach.

Zu den größten Empfängern gehörten Goldman Sachs mit 12,9 Milliarden Dollar, die französische Societe Generale erhielt 11,9 Milliarden Dollar, die Deutsche Bank 11,8 Milliarden Dollar, die britische Barclays-Bank bekam 8,5 Milliarden Dollar. Die Investmentbank Merrill Lynch, wegen ihrer Bonuszahlungen ebenso im Visier der Regierung wie AIG selbst, erhielt 6,8 Milliarden Dollar vor dem einst weltgrößten Versicherer.

Die US-Regierung hat AIG mit bisher ungefähr 170 Milliarden Dollar vor einem Zusammenbruch bewahrt, der wegen der engen Verflechtungen des Konzerns in der internationalen Finanzindustrie zu weitreichenden Folgen führen könnte. AIG ist deshalb inzwischen zu 80 Prozent in Staatsbesitz.

Die Angaben zu Zahlungen an anderen Banken im In- und Ausland veröffentlichte AIG erst auf politischen Druck aus Washington. «Die Fähigkeit von AIG, seine Verpflichtungen zu erfüllen, ist wichtig für die Stabilität des Finanzsystems und dafür, Kredite an Haushalte und Firmen wieder ins Fließen zu bringen», sagte eine Sprecherin der US-Notenbank Fed.

Zu den Empfängern gehörten mit Beträgen zwischen 1 Milliarde und 3 Milliarden Dollar auch die US-Großbank Citigroup, die Schweizer UBS und Morgan Stanley. Insgesamt 12,1 Milliarden Dollar gingen an Gemeinden in mehreren US-Staaten, darunter Kalifornien, Virginia und Hawaii.

Wie die US-Staatsgelder um die Welt flossen, ist ein Zeichen für die enge Verflochtenheit der Weltwirtschaft - und vor allem der Banken untereinander. Was das Beispiel AIG für den angeschlagenen deutschen Autobauer Opel bedeutet, darüber kann nur spekuliert werden. Die deutsche Bundesregierung hatte immer wieder darauf gedrängt, dass Hilfen aus deutschen Steuermitteln auch in Deutschland bleiben müssen. Ob sich das überhaupt wird realisieren lassen? Die Kapitalströme von AIG lassen zumindest vorsichtige Zweifel zu.

Lesen Sie auf Seite 2, warum sich AIG jüngst erneut in der Kritik sah

Unterdessen gab es aus der US-Regierung und aus dem Parlament scharfe Kritik an Bonuszahlungen von 165 Millionen Dollar für das vergangene Jahr an AIG-Mitarbeiter. Konzernchef Edward Liddy hatte Finanzminister Timothy Geithner in einem Schreiben über die anstehenden Bonuszahlungen informiert. Das Unternehmen habe sich bereits Anfang 2008 vertraglich zur Gewährung der Treueprämien verpflichtet und müsse mit Klagen rechnen, falls es die Zusagen nicht einhalte. Liddy räumte zugleich ein, dass er die Boni angesichts der derzeitigen Finanzlage des Konzerns als «geschmacklos und schwierig» empfinde.

Aus dem Finanzministerium hieß es, die Regierung habe nicht die Befugnis, die Zahlungen zu blockieren. Libby kündigte an, die Manager-Zulagen für 2009 deutlich zu reduzieren, voraussichtlich um mindestens 30 Prozent. Liddy und sechs weitere Spitzenmanager haben sich bereiterklärt, bereits für 2008 auf Boni zu verzichten. AIG hatte Anfang des Monats den horrenden Verlust von 99,3 Milliarden Dollar für das Jahr 2008 bekanntgegeben.

seh/ruk

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