Mo., 13.02.12
Wir fasten uns ran

9 Tage ohne EC-Karte 250 Meter zwischen Kinderwagen und Omas

Von news.de-Redakteur Sebastian Haak

Artikel vom 05.03.2009

Blick nach links, Blick nach rechts und immer wieder der Blick über die Schulter. Wer ohne EC-Karte größere Anschaffungen macht, muss viel Bargeld mit sich herumtragen. Dabei kommen schon mal Gefühle hoch wie in einem Agentenfilm.

Okay, okay, vielleicht bin ich ein wenig paranoid. Aber wohl habe ich mich trotzdem nicht gefühlt, als ich zu Beginn der Woche einen fast vierstelligen Betrag vom Bankschalter 50 Meter bis zum Parkplatz getragen habe, dann zur Post und da dann wieder von einem Parkplatz 200 Meter bis zum Schalter.

Dort wartete ein Paket auf mich, das per Nachnahme bezahlt werden wollte. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so viel Geld mit mir herum getragen habe wie für diesen Gang. Doch, jetzt fällt es mir ein: Als ich ein Auto nach Osteuropa verkauft hatte. Da ging das Geld unmittelbar auf die Bank. Bloß weg mit dem Bargeld...

Die 250 Meter auf offener Straße waren Meter voller Adrenalin und Anspannung. Da wurde jede Oma zu einem potentiellen Straftäter. Jede Mutter mit Kinderwagen zu einem vermeintlichen Späher des organisierten Verbrechens. Das Schlimmste war aber das Warten am Schalter. Fast 25 Minuten stand ich da, während sich eine Frau vor mir zwischen Druckpapier und Abziehbildchen für eine neue Anlageform für ihre Rente überzeugen ließ. Und wenn ich schon vorher nervös war, so steigerte sich meine innere Unruhe jetzt fast zu einer ohnmächtigen Wut... Kann die das nicht in einem seriösen Hinterzimmer tun?

Aber so hatte ich wieder die Möglichkeit darüber nachzudenken, was EC-Karten eigentlich so nützlich macht. Eine verlorene oder gestohlene Plastikkarte lässt sich sperren, verlorene oder gestohlene Scheine sind nur genau das – verloren oder gestohlen. So einfach ist das. Da war sie dann plötzlich wieder die Frage: Warum verzichte ich eigentlich?

Während diese Fragen so in meinem Kopf kreisten, verhalf mir plötzlich ein Anblick zur inneren Gelassenheit: Am Nebenschalter packte die Kassiererin vom Fleischstand des Einkaufszentrums die Tagesannahmen auf den Tisch. Dem Berg 50-Euro-Scheine nach zu urteilen, waren das mehrere Tausend Euro. Da wirkte der Betrag, den ich in der Tasche hatte, geradezu lächerlich. Die hatte sie in ihren Wursttüten quer durch den Konsumtempel getragen – vorbei an Frauen mit Kinderwagen und an Omas. Und sie sah völlig relaxt aus. Vielleicht bin ich wirklich paranoid.

san
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