So., 12.02.12
Wir fasten uns ran

Sieben Wochen ohne Geldkarten Gefühle wie in Krisenzeiten

Von news.de-Redakteur Sebastian Haak

Artikel vom 26.02.2009

Es hat nicht mal 24 Stunden gedauert und schon hat der Verzicht auf meine EC-Karte die erste schwerwiegende Folge: Ich bin mit 4,50 Euro bei jemandem in die roten Zahlen gerutscht. Gut, dass wenigstens der Verzicht auf Tiefkühlpizza nicht so schwer war - erstmal.

Ich beginne zu erahnen, wie sich die Chefs von Hypo Real Estate und Commerzbank fühlen müssen, denen der deutsche Staat mit Milliarden aus der Klemme hilft. Eigentlich wollte ich gestern Abend nur Klettern gehen, aber wie gewohnt hatte ich kaum Bargeld einstecken. Wozu auch. Dafür gibt es ja die Karten. Tja, seit gestern früh nicht mehr. Das hatte ich vergessen. Wenn mir da nicht eine edle Seele beigesprungen wäre, hätte ich meine Abendgestaltung abschreiben können. Das können ja heitere sieben Wochen werden. Ich freue mich schon drauf, wenn ich das erste Mal seit Jahren am Schalter der Bank Geld vom Konto abheben muss...

Momente wie der am gestrigen Abend lassen mich zweifeln, ob der Verzicht auf EC- und Kreditkarte wirklich sinnvoll ist. Ich meine, was ist so schlecht daran, immer und überall bargeldlos zahlen zu können? Ich weiß schon, da ist der Verdacht, man kaufe dann Dinge, die man nicht braucht, nur weil man es kann. Mag stimmen. Und da ist der Vorwurf, man bezahle auch Kaugummis an der Supermarktkasse bargeldlos, weil man es kann – zum Ärger der hinter einem anstehenden Mitmenschen. Bei mir war das so. Aber was ist denn bitte so schlimm daran? So haben die Leute in dieser hektischen Welt ein paar Sekunden länger Zeit, inne zuhalten. Hoffentlich wird mir der Sinn meines Verzichts in den nächsten Wochen wenigstens klar.

Ein Trost blieb mir gestern: Der erste Tag des zweiten Teils meines Experiments, meine Abstinenz von Tiefkühlpizza, verlief ohne Entzugserscheinungen. Es gab Bockwurst zum Abendessen.

ruk
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