Opels Image Der lange Schatten der Vergangenheit

Opel (Foto)
Der lange Schatten der Vergangenheit: Opel kämpft immer noch mit seinem schlechten Image aus den 1990ern. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Sebastian Haak
Was braucht Opel, um zukunftsfähig zu sein? Eine neue Struktur ohne GM? Hilfen und Garantien vom deutschen Staat? Mehr als alles andere braucht Opel ein neues Image – ich weiß, wovon ich spreche. Ich hatte selbst mal einen.

Am Anfang war alles so schön. Unendlich viel Platz, gute Straßenlage, Ausstattung satt – mein Opel Omega B MV6 hatte alles, was sich ein Autofreund wünschen konnte. Mit mehr als 200 PS ließ der Wagen so manchen Mercedes und Porsche hinter sich. Mit seinem Baujahr 1997 war er nicht wie viele neueren Autos abgeregelt. Irgendwann 2005 muss es gewesen sein, als ich den MV6 kaufte.

Am Anfang, da war mir auch das Image des Wagens völlig egal. Opel, so musste ich mir immer wieder anhören, das sei ein Auto für ältere Herren mit Hut oder Klorolle auf der Hutablage. Und überhaupt: Die Anfälligkeit für Rost und die technische Zuverlässigkeit... Ich wusste, auf was für Spöttereien ich mich einließ. Aber es war mir gleichgültig.

Damit gehörte ich damals – wie heute wahrscheinlich auch – zu einer Minderheit in Deutschland. Über Opels wird hergezogen, wie sonst nur über Autos aus Fernost. Was das Image angeht, können die Rüsselsheimer seit langem nicht mehr mithalten mit BMW, Mercedes und Audi. Der Opel Manta war das letzte Auto der Marke mit dem Blitz, das in den 1970ern und 1980ern ein Lebensgefühl beschrieb. Opel war vor allem danach für viele immer nur ein Verlegenheits- oder Vernunftkauf, weil die Autos zwar Made in Germany, aber dafür recht günstig waren.

Aus dieser Konstellation heraus ergeben sich bis heute Probleme von Opel. Der Hersteller ist zwar eine deutsche Traditionsmarke. Aber was seine Bedeutung für den Automobilstandort Deutschland angeht, ist Opel nicht zu vergleichen mit den Fahrzeugen, die Sterne, vier Ringe oder auch bloß ein VW-Emblem im Kühlergrill tragen – vor allem nicht in Sachen Image und Prestige.

Das Tragische daran ist, dass der schlechte Ruf Opels auf einer empirisch soliden Grundlage steht. Auch bei mir: Nach wenigen Kilometern stand mein MV6 häufiger in der Werkstatt als auf einem Parkplatz. Ein kaputter Ölkühler, ein defektes Automatikgetriebe, Kabelbrüche, ein defekter Luftmengenmesser und dazu das ständige Ausbessern von Roststellen plus die üblichen Kleinigkeiten, die bei einem Auto unter Verschleiß fallen. Mein Opel entsprach völlig dem schlechten Image der Marke. Die anderen hatten es gewusst. Ich hatte es riskiert. Und verloren.

Dass ich trotzdem an Opel glaubte und sogar den Motorblock tauschen ließ, als ein Haarriss im vierten der sechs Zylinder das Schicksal des Rüsselheimers eigentlich schon besiegelt hatte, war die letzte Dummheit in dieser Beziehung. Nur ein paar tausend Kilometer später zerflog auf der Autobahn eine Ventildeckeldichtung. Das war es dann.

Mitsamt seinem ganzen Raumgefühl, seiner guten Straßenlage, seiner Sitz- und Standheizung, seinem Navigationssystem, dem Sechsfach-CD-Wechsler und seinem Heckrollo ging der Wagen im Herbst 2006 nach Osteuropa. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke: Das Rollo hatte man wegen der getönten Scheiben ohnehin nie gesehen.

Wenn jetzt Opel-Fanclubs überall in Deutschland laut aufschreien und meine Leidensgeschichte als bedauerlichen Einzelfall abtun wollen, dann hilft ein Blick in die ADAC-Pannenstatistik. Nur Stichproben: In punkto Zuverlässigkeit lag der Opel Omega 1997, 2001 und 2004 in der oberen Mittelklasse/Oberklasse auf dem letzten Platz. Und auch der wesentlich kleinere Familienspross Astra und das Mittelklassemodell Vectra landeten in diesen Jahren stets bestenfalls im Mittelfeld, oft auch weit hinten. So viel zum Thema Einzelfall.

Wie viel Geld ich insgesamt in meinen MV6 gesteckt habe, weiß ich bis heute nicht. Das auszurechnen, fehlt mir der Mut. Mein Bild von dem deutschen Autobauer jedenfalls hat dadurch nachhaltigen Schaden genommen, auch wenn ich weiß, dass Opels in den letzten Jahren deutlich an Qualität gewonnen haben. Die vorderen Plätze der Pannenstatistik sind aber noch immer eine Opel-freie Zone.

Für die Zukunft von Opel wird es entscheidend sein, das Image der 1990er loszuwerden. Denn auch wenn kurzfristig Rettungspläne den Autobauer vor dem Zusammenbruch bewahren können: Langfristig kann sich der Konzern nur halten, wenn die Deutschen seine Autos kaufen. Am besten auch Deutsche mit einer Opel-Erfahrung wie der meinen.

ruk

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