«zoomer.de»

«Es ist vorbei»

Von news.de-Redakteur Christian Vock

Beim Nachrichtenportal «zoomer.de» gehen die Lichter aus. Vor einem Jahr gestartet, wollte die Seite mit einem neuen Konzept und neuer Optik vor allem junge Leser ansprechen. Die Zeit, sich zu beweisen, bekommen die Macher von «zoomer.de» nicht mehr. Ende Februar ist Schluss.

Die Folgen der Finanzkrise werden immer deutlicher sichtbar. Nun hat es die Nachrichtenwebsite zoomer.de erwischt. Wie das Nachrichtenportal auf seiner eigenen Seite berichtet, stellt die Verlagsgruppe Holtzbrinck (Die Zeit, Der Tagesspiegel) ihre Nachrichtenseite Ende Februar ein. Damit endet das Projekt, Nachrichten für ein jüngeres Publikum aufzubereiten, nach nur knapp einem Jahr.

Mit den Worten «Es ist vorbei: zoomer.de geht bald offline!» titelt der Abschiedsartikel, in dem Chefredakteur Frank Syré seinen Lesern das Ende von zoomer.de mitteilt.

Im Februar 2008 war das Portal an den Start gegangen, noch im Dezember hatte man den Seiten ganz optimistisch ein neues Aussehen verpasst. Das schlug sich bei den Nutzerzahlen jedoch nicht nieder: Noch im selben Monat brachen die Besuche der Seite von 2,9 Millionen auf 1,73 Millionen ein. Eine Trendwende war auch im Januar nicht zu erkennen. «Der Druck auf die Anzeigenmärkte stelle auf absehbare Zeit die ökonomische Erfolgsaussichten des Projekts in Frage», heißt es.

Wie es mit den Mitarbeitern weitergeht, ist noch unklar. Derzeit ist ein Sozialplan in Vorbereitung. Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass der Chefredakteur von zoomer.de, Frank Syré, Ende Februar als neuer stellvertretender Chefredakteur zu bild.de wechseln wird. Holtzbrinck wollte die Seiten tagesspiegel.de, Zeit Online und zoomer.de unter dem Dach von Zeit Digital zusammenfassen.

News.de sprach mit zoomer.de-Geschäftsführer Peter Neumann über die Gründe für das Aus:

news.de: Was sind die Gründe für das Einstellen von zoomer.de? Nur die
Finanzkrise oder auch die Akzeptanz der Seite?

Peter Neumann: Beides. Die Nutzungszahlen von zoomer.de sind ohne Marketing-Maßnahmen sehr stark zurückgegangen. Den Aufwand, das Portal mit hohen Marketing-Ausgaben dauerhaft im Markt zu positionieren, kann man aber angesichts der Medienkrise, die sich 2009 eher noch verschärfen wird, so nicht treiben. In guten oder auch nur normalen Zeiten hätte das Portal länger Zeit bekommen, sich zu bewähren. So war es ja auch geplant. Aber es sind eben keine normalen Zeiten. Und dann muss man auch eine Unternehmenspolitik verstehen, die sich auf Kernmarken und absolut Unverzichtbares konzentriert und Experimente, mögen sie auch noch so interessant und gut gelungen sein, nicht weiter führen kann.

news.de: Im Dezember gab es erst die Layout-Umstellung, jetzt kommt das Aus. Warum gab es seitens der Holtzbrinck-Gruppe keinen Willen zum Durchhalten mehr?

Peter Neumann: Als wir im Sommer mit dem Relaunch angefangen haben, hatte noch keiner einen blassen Schimmer von dem, was kommen würde. Als wir im Dezember damit live gegangen sind, war die Krise mit voller Wucht da und alle Planungen Makulatur. Schade, denn die Idee ist und bleibt gut. Wir haben nicht umsonst den Innovationspreis der Initiative "Deutschland - Land der Ideen" gewonnen. Und selbst viele immer kritische Blogger finden das Konzept inzwischen gar nicht so schlecht. Trotzdem ist es ungleich schwerer, ein Portal zu etablieren, das keine renommierte Wochenzeitung, kein weltweit bekanntes Nachrichtenmagazin oder großes Boulevardblatt im Rücken hat und schon allein daraus einen beständigen Traffic generieren kann. Das werden sich andere jetzt gut überlegen. Auch deshalb war zoomer.de so ein mutiges Projekt. Ich glaube nicht, dass ein anderer Verlag als Holtzbrinck so etwas versuchen würde

news.de: Wann haben die Zoomer-Mitarbeiter von dem Aus erfahren und wie waren die Reaktionen?

Peter Neumann: Die Kollegen von zoomer.de haben heute von dem endgültigen Aus erfahren. Sie können sich vorstellen, dass dabei keine überschäumende Freude geherrscht hat. Trotzdem war die Stimmung sehr gefasst.

news.de: Ende Februar ist nahe. Bis wann soll der Sozialplan stehen?

Peter Neumann: Wir sind in sehr guten und konstruktiven Verhandlungen und hoffen, den Sozialplan so schnell wie möglich abschließen zu können. Vor allem weil wir wollen, dass die betroffenen Kollegen schnell wissen, wie es für sie weiter geht.

news.de: Hatte der Weggang von Frank Syré mit dem Ende von zoomer.de zu tun?

Peter Neumann: Nein. Der Plan war eigentlich, mit kleinerer Mannschaft und geringeren Kosten, dafür aber mit einer starken Zeit-Online-Redaktion im Rücken über die schwierige Phase hinweg zu kommen. Die Entwicklungen, die wir aber jetzt für 2009 sehen, machen selbst das unmöglich. Da muss ein Verlag einfach reagieren.

«zoomer.de»: «Es ist vorbei» » Wirtschaft » Nachrichten
URL : http://www.news.de/wirtschaft/770021921/es-ist-vorbei/1/
Schlagworte:
Leserkommentare (1)
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  • Kommentar: 1
  • 10.02.2009 08:29
von

In letzter Zeit sah und hörte man auch nicht mehr soviel von dieser Seite. Nun, bleibt zu hoffen dass News.de einen längeren Atem hat. Es ist dem Projekt auf jedenfall zu wünschen!

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