Madsack übernimmt Zeitungen von Springer
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 04.02.2009
Springer mistet aus und Madsack greift zu. Für 310 Millionen Euro übernimmt die Gruppe aus Hannover die meisten Springer-Regionalzeitungsbeteiligungen und steigt damit in die Riege der größten Medienkonzerne auf. Die Neuordnung der Zeitungslandschaft geht weiter.
Dem Verkauf muss zwar noch die Kartellbehörde zustimmen, die beiden Unternehmen sind sich jedoch bereits einig über die Transaktion. Im Einzelnen verkauft Springer seine Beteiligungen an der Leipziger Volkszeitung (50 Prozent), den Lübecker Nachrichten (49 Prozent), den Kieler Nachrichten (24,5 Prozent) sowie ihren Anteil an der norddeutschen Verlagsholding Hanseatische Verlags-Beteiligung (23 Prozent) an Madsack. Gleichzeitig übernehmen die Lübecker Nachrichten den Springer-Anteil an der Ostsee-Zeitung in Rostock (50 Prozent).
Über den Ausstieg der Springer AG bei ihren Regionaltiteln war schon länger spekuliert worden. Mit der jetzigen Entscheidung aber hat das Rätselraten noch lange kein Ende. Denn die nächste Frage lautet: Was macht Springer nun mit seinen Millionen? Braucht der Konzern schlicht frisches Kapital für schwierige Zeiten? Oder will er, wie der Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner erklärte, sich noch konsequenter auf Investitionen in die verbliebenen Zeitungen (unter anderem Bild, Welt und Hamburger Abendblatt) und den Online-Bereich konzentrieren?
Die Variante, dass Döpfner insgeheim immer noch von einer Übernahme von ProSiebenSat1 träumt, dürfte kaum realistisch sein. Das Kartellamt hatte diesem Deal schon im Dezember einen Riegel vorgeschoben und dürfte seine Meinung kaum so schnell ändern. Dafür, dass Springer verstärkt online investieren will, spricht, dass sich der Konzern Ende 2008 eine Beteiligung von rund 15 Prozent an der internationalen Online-Jobbörse StepStone mit Sitz in Oslo gesichert hat und beabsichtigt, weitere Aktien bis maximal 33 Prozent zu einem Preis von bis zu umgerechnet 0,80 Euro je Aktie zu kaufen.
Zudem will das Unternehmen im Zeitungsbereich schon länger verstärkt im Ausland investieren, wo es unter anderem in Ungarn, Spanien und der Türkei bereits Anteile an Medienkonzernen hält. Im vergangenen Jahr hatte Springer zudem angekündigt, bei der polnischen Tageszeitung Presspublica einsteigen zu wollen, an der der polnische Staat über die Firma PW Rzeczpospolita 49 Prozent hält. Die restlichen Anteile gehören der europäischen Zeitungsgruppe Mecom des angeschlagenen Finanzinvestors David Montgomery. Springer bringt in Polen bereits erfolgreich das Tabloid-Format Fakt heraus. Die andere polnische Tageszeitung des Konzerns, Dziennik, hat es dagegen schwer gegen die Konkurrenz.
Für Madsack dürfte der Deal jedoch weit größere Folgen haben, stärkt der Medienkonzern doch seine ohnehin schon starke Position im Norden. Mit der Hannoverschen Allgemeinen und der Neuen Presse ist Madsack in Niedersachsen ohnehin schon eine Macht, mit den Aufkäufen ist nun auch national ein Medienriese entstanden, der neben der WAZ-Gruppe aus Essen (Westdeutsche Allgemeine, Neue Rhein/Neue Ruhr-Zeitung), Dumont aus Köln (Kölner Stadtanzeiger, Express, Frankfurter Rundschau), der Südwestdeutschen Medienholding aus Stuttgart (Stuttgarter Nachrichten, Süddeutsche Zeitung) und eben Springer zu den Top Fünf in Deutschland gehört.
Die Umwälzungen in der deutschen Zeitungslandschaft gehen damit weiter. Erst kürzlich hatte das Medienhaus Dumont die Berliner Zeitung und die Hamburger Morgenpost für 152 Millionen Euro von David Montgomery übernommen. Er hatte den Berliner Verlag, zu dem auch der Berliner Kurier und das Stadtmagazin Tip gehören, vor gut drei Jahren übernommen. Das Geschäft war umstritten, weil damit erstmals Finanzinvestoren in einen deutschen Zeitungsverlag einstiegen. Später kaufte der Brite die Hamburger Morgenpost und das Nachrichtenportal Netzeitung dazu und plante den Aufbau einer starken Zeitungsgruppe in der Bundesrepublik.
news.de/dpa