US-Wirtschaft Die Innovationskraft der Tellerwäscher

Obama (Foto)
Gerade auch Barack Obama verkörpert den amerikanischen Traum. Bild: ap

Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Die USA sind eine Kreativschmiede. Jedes Jahr kommen von dort Hunderte innovativer Produkte. Diese Innovationskraft könnten der US-Wirtschaft den Weg aus der tiefen Wirtschaftskrise weisen.

Die USA sind ein internationales Zentrum der Technologie- und Produktentwicklung. McDonalds, Google, Personalcomputer, Windows und das iPhone. Egal, wie man zu diesen Produkten und Unternehmen steht, eines ist unumstritten: Sie sind innovativ und haben die Welt verändert.

Nach Einschätzung des World Economic Forum (WEF) verfügen die Vereinigten Staaten über strukturelle Besonderheiten, die ihre Wirtschaft so produktiv und innovativ machen und sie auf ein solides Fundament stellen: Laut dem WEF-Wirtschaftswissenschaftler Thierry Geiger übertreffen die USA in Bezug auf die Innovationenkraft, die Effizienz der Regierung bei der Verwendung von Staatsgeldern, bei der niedrigen Korruptionsrate und der Flexibilität des Güter- und des Arbeitsmarkts alle andere Staaten.

Thomas Amling, Professor für Internationale Unternehmensführung an der Leipziger Hochschule für Technik und Wirtschaft, sieht die Erklärung für diese Innovationskraft in einer stärkeren Risikokultur. Seiner Meinung nach ist der Erfolg nicht damit zu begründen, dass grundlegende Technologien in den USA erforscht werden. Die Erklärung liege eher an der schnellen Umsetzung bestimmter Ideen zu einem marktfähigen Produkt. «Die Technologie für den MP3-Player ist beispielsweise in Deutschland erfunden worden, doch hier hat sie keine Firma zu einem Abspielgerät weiterentwickelt.»

Für die Entwicklung innovativer Produkte seien amerikanische Unternehmen in der Vergangenheit schnell an Risikokapital gekommen. Außerdem hätten sie nicht befürchten müssen, nach einem Fehlschlag auf lange Zeit abgeschrieben zu sein. «Sie bekommen wieder eine neue Chance, da sie aus der ersten Pleite Erfahrung gesammelt haben», so Amling.

Lesen Sie auf Seite 2, wie die Produktideen finanziert werden und wo sie entstehen

Einerseits kommt die Innovationskraft aus kleinen Start-Up-Unternehmen, die oft von Studenten gegründet werden. Die Kreditversorgung dieser kleinen Garagenfirmen sei in den USA wenig von der Bankenkrise betroffen, da die Finanzierung zum großen Teil über so genannte Private Equity Fonds funktioniere, erklärt Volbert Alexander, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Gießen. Diese Finanzierungsgesellschaften bekommen ihr Kapital zu einem großen Teil von Privatpersonen und investieren es in die junge Unternehmen.

Kritischer scheint die Kreditversorgung gegenwärtig bei großen Konzerne wie Microsoft, IBM, Apple und Pfizer. Und die sind für die amerikanische Wirtschaft noch bedeutender. Und damit deren Kreditversorgung in Zukunft gesichert wird, hält Mark Hallenberg, Professor für Politische Ökonomie an der Hertie School of Governance in Berlin, die Gründung einer «Bad Bank» in den USA für sinnvoll. Denn erst wenn die Banken von ihren faulen Krediten entlastet sind, werden sie nach Einschätzung Hallenbergs wieder Kredite an Konzerne ausgeben.

Wichtig auch die Forschung, die in den USA geleistet wird: Die 1000 größten amerikanischen Firmen gaben nach Angaben der EU-Kommission bisher weit mehr für Forschung und Entwicklung aus als Konzerne in Europa. Und auch die amerikanischen Universitäten sind wichtige Forschungs- und Entwicklungszentren. Zwar ist bei einem Großteil der Hochschulen das Niveau mit deutschen Universitäten vergleichbar, so Thomas Amling. Jedoch gebe es dort außerdem zehn bis 15 Prozent Spitzeneinrichtungen. «Diese haben eine grandiose Ausstattung, dort arbeiten die besten Wissenschaftler der Welt.»

Lesen Sie auf Seite 3, wann es mit der US-Wirtschaft deshalb wieder aufwärts gehen könnte

Wie lange es dauern wird, ehe die US-Wirtschaft wieder Tritt fassen wird, ist trotz dieser Faktoren unter den Experten umstritten.

Dass sich die USA wirtschaftlich schon sehr bald wieder erholen wird, darüber sind sich zumindest die Wissenschaftler des World Economic Forums einig. Ende des vergangenen Jahres wählte das WEF die amerikanische Wirtschaft in seinem Jahresranking zum Spitzenreiter, obwohl sie durch Pleitewellen im Bankensektor stark gebeutelt wurde.

Professor Mark Hallenberg schaut ebenso wie die WEF-Experten optimistisch in die Zukunft. «Im Sommer wird der Aufschwung in den USA wieder beginnen. Das wird noch früher sein als in Deutschland», sagt er. Zum einen glaubt Hallenberg an die Wirkung des Konjunkturpaketes. Aber auch schon allein die Präsenz von Barack Obama werde sich positiv auf die Wirtschaft auswirken. «80 Prozent der Amerikaner stehen jetzt hinter ihm. Sie haben Hoffnung und sind optimistisch. Und dieser psychologische Aspekt ist enorm wichtig.»

Auch Dr. Stormy Mildner, Wissenschaftlerin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und Weltpolitik, glaubt an das Wiedererstarken der USA: «Die US-Wirtschaft hat sich in der Vergangenheit als sehr wandlungsfähig, innovativ und robust gezeigt. Macht die Obama-Administration ihre Hausaufgaben, wird die US-Wirtschaft wieder langfristig stabil wachsen», so Mildner.

Anderer Meinung ist Volbert Alexander von der Universität Gießen. Er hält ein Andauern der Rezession bis zum Jahr 2010 für realistisch. «Die Amerikaner werden im Jahr 2009 negative Wachstumsraten haben und im Jahr 2010 ein Nullwachstum», prognostiziert er.

Eine genaue Prognose will Thomas Amling nicht wagen, doch glaubt er an die Stärke Amerikas, die auch durch den Amtsantritt Barack Obamas wieder erweckt wurde: Nach seiner Einschätzung haben die Amerikaner noch einen weiteren kulturellen Vorteil, mit dem sie den Weg aus der Krise schaffen könnten: «Die Amerikaner sind Steh-Auf-Männchen. Wenn sie alles verloren haben, verkaufen sie ihren Porsche, fangen als Tellerwäscher wieder von vorne an und sind immer noch angesehen.»

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Günther Schmidt
  • Kommentar 1
  • 14.12.2010 14:16

Man kann nicht ununterbrochen milliardenteure Kriege führen, ohne dass die Wirtschaft eines Tages zusammenbricht siehe Deutschland 1945. Die beiden Bush hätten lieber die Finger davon lassen sollen.Jetzt kommt die Rechnung.

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