40 Jahre Bundesschatzbriefe Langsam, aber geschützt

Schildkroete2 (Foto)
Das Maskottchen der Bundeswertpapiere: Günther Schild. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Sebastian Haak
Er wirkt alt. Nein, nicht alt, sondern erfahren und weise. Und er hat Ähnlichkeiten mit Yoda. Günther Schild, Schildkröte und Maskottchen von Bundeswertpapieren wie den Bundesschatzbriefen. Letztere feiern in diesen Tagen ihren 40. Geburtstag.

Ausgerechnet eine Schidlkröte, wird sich jetzt mancher Investmentbanker denken. In der Finanzwelt von heute hat ein so langsames Tier doch gar keinen Platz mehr. Doch Günther Schild und die PR-Kampagne dahinter zielen gerade darauf ab: auf Langsamkeit, aber eben auch auf Verlässlichkeit. Schild erinnere, so hat das Magazin ef-online mit spitzer Feder bemerkt, an den legendären Jedi-Meister Yoda aus den Star-Wars-Filmen. Und der, das hat er immer wieder gezeigt, war ziemilch agil für sein geschätzes Alter von 1364 Jahren.

Anfänglich nur zögernd angenommen, hat sich der Bundesschatzbrief längst zum Wertpapierklassiker entwickelt. Seit 40 Jahren gibt es jetzt das Papier, das ursprünglich für Anleger mit geringem Einkommen die Lücke zwischen Sparbuch und börsengehandelten Zinspapieren schließen sollte.

Und gerade jetzt, in den Zeiten einer weltweiten Finanzkrise, flüchten Anleger noch mehr als üblich in Formen der Bundeswertpapiere, hinter denen die Bundesrepublik Deutschland steht. Denn eine scheinbar einfache Lektion hat die Welt in der Krise, nach den zahllosen Rettungsschirmen und Konjunkturpakten gelernt: Die Privatwirtschaft kann bankrott gehen. Staaten wie Deutschland nicht.

«Wertpapiere des Bundes sind immer starkt nachgefragt, aber die aktuelle Finanzmarktsituation hat wie ein Katalysator gewirkt", kann sich deshalb der Sprecher der bundeseigenen Finanzagentur, Boris Knapp, freuen. Über diese Tochter des Bundes werden die Bundesschatzbriefe wie die anderen Bundesanleihen ausgegeben. Vor allem im vierten Quartal des vergangenen Jahres, in den Monaten, als in der Finanzkrise ein Negativrekord den nächsten jagte, sei die Nachfrage nach Bundeswertpapieren enorm gestiegen.

Mit aktuellen Renditen zwischen vier und fünf Prozent können Bundesschatzbriefe zwar nicht mit den Versprechungen privater Finanzdienstleister mithalten, die oft das Doppelte oder Dreifache versprechen. Aber das ist der Deal: verhältnismäßig geringe Rendite gegen hohe Sicherheit.

Im Jahr 1969 erstmals aufgelegt wurde der Bundesschatzbrief Typ A. Ein Jahr später folgte der Bundesschatzbrief Typ B. Sie unterscheiden sich durch die Restlaufzeit und die Form der Zinszahlung: Typ A läuft insgesamt sechs Jahre und schüttet die Zinsen jedes Jahr aus. Typ B hat eine Laufzeit von sieben Jahren, wobei die Zinsen in einer Summe erst am Ende der Laufzeit ausgezahlt werden.

Lesen Sie auf Seite 2, welchen Rückschlag der Bundesschatz einstecken muss

Zu seinem 40. Geburtstag müssen der Bundesschatzbrief und sein gepanzertes Maskottchen allerdings eine Kröte, keine Schildkröte, schlucken: Tagesanleihen des Bundes haben den Bundesschatzbriefen inzwischen vom ersten Platz der beliebtesten Wertpapiere der Bundesrepublik verdrängt. Innerhalb eines halben Jahres, so Sprecher Boris Knapp, seien durch etwa 80.000 Konten 3,2 Milliarden Euro eingegangen.

Trotzdem kann sich die Bilanz des Bundesschatzbriefes sehen lassen: Über die 40 Jahre seit dem ersten Erscheinen sind fast 140 Milliarden Euro in solche Briefe investiert worden. Rechnet man theoretisch den möglichen Gewinn einer Geldanlage über diese Zeit aus, wird auch klar, warum.

Die Finanzagentur rechnet vor: Wer im Januar 1969 einmalig umgerechnet 10.000 Euro in Bundesschatzbriefe investierte und sämtliche Zinserträge und Tilgungszahlungen immer wieder in die relevante Schatzbrief-Ausgabe reinvestiert hätte, würde heute über ein Anlagevermögen von 133.615 Euro verfügen können. Das bedeutet auf die letzten 40 Jahre eine Durchschnittsrendite von 6,7 Prozent - jedenfalls theoretisch.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig