Auch die Bahn bespitzelte eigene Mitarbeiter
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 21.01.2009
Nach den Skandalen bei Lidl und der Deutschen Telekom muss sich auch die Bahn massiven Vorwürfen von Datenschützern stellen. Der Konzern soll mehr als 1000 Mitarbeiter ausgespäht haben, darunter einen Großteil des oberen Managements.
Das berichtet das Magazin Stern. Die Bahn habe detektivische Ermittlungen und mögliche Probleme beim Datenschutz eingeräumt. In allen Fällen, in denen dem Stern interne Auftrags-Unterlagen vorliegen, soll die Firma Network Deutschland GmbH aktiv gewesen sein, dieselbe Detektei, die auch bei der Telekom für Spitzeldienste eingesetzt wurde. Die Konzernrevision der Bahn habe Network zuletzt 2007 beauftragt, so das Magazin.
Ziel der Aktionen, die Decknamen wie «Eichhörnchen» oder «Babylon» getragen haben sollen, sei es gewesen, herauszufinden, ob Mitglieder des Top-Managements oder Ehepartner außerhalb des Unternehmens wirtschaftlich engagiert seien. In einem anderen Fall sei es darum gegangen, mögliche Verbindungen zwischen Mitarbeitern der Bahn und Lieferanten zu ermitteln.
Auch bei der Telekom hatte es im vergangenen Jahr einen großen Spitzelskandal gegeben, über dessen Ausmaß der Vorstand nach Informationen des TV-Magazins Report Mainz früher als bislang bekannt informiert gewesen ist. Das Unternehmen sei bereits im September 2007 und nicht erst, wie von Telekom-Chef René Obermann behauptet, Ende April 2008 über die Vorwürfe in Kenntnis gesetzt worden, berichtet das ARD-Politikmagazin unter Berufung auf streng vertrauliche Unterlagen. Der Konzern wies die Anschuldigungen entschieden zurück.
Laut Report Mainz hatte Obermann im Mai vergangenen Jahres unter anderem in der Tagesschau erklärt, das Unternehmen sei erst Ende April mit den «Vorwürfen umfänglich konfrontiert» worden. Angesichts einer vertraulichen konzerninternen Aufarbeitung des Skandals bezeichnet Verdi-Chef Frank Bsirske die damalige Aussage des Telekom-Chefs dem Bericht zufolge als Lüge: «Nach allem, was wir wissen, entspricht das nicht der Wahrheit.» Ein halbes Jahr später zu behaupten, man habe erst seit einem Monat von dem Vorgang Kenntnis, sei gelogen.
Von Einzelsachverhalt ausgegangen
Inzwischen ist bekannt, dass 2005 und 2006 unter anderem Journalisten und Aufsichtsräte von der Konzernsicherheit bespitzelt wurden, um eine undichte Stelle innerhalb des Konzerns zu finden. Der seit Mai ermittelnden Staatsanwaltschaft Bonn sind mindestens 60 Personen bekannt, deren Verbindungsdaten erhoben und ausgewertet worden sein sollen. Unter ihnen waren Aufsichtsräte von Telekom und T-Mobile, ein Telekom-Vorstandsmitglied, Angehörige des Betriebsrats und weitere Mitarbeiter der Telekom sowie sieben Journalisten und «dem Konzernbereich nicht zuzuordnende Dritte» wie etwa Verdi-Chef Bsirske.
Mit der Bespitzelung von Mitarbeitern hatte auch der Lebensmitteldiscounter Lidl eine Welle der Empörung ausgelöst und die Branche in Aufruhr versetzt. Datenschützer gehen davon aus, dass Lidl nicht die einzige Supermarktkette ist, die sich zu sehr für Details aus dem Privatleben ihrer Mitarbeiter interessierte. Datenschützer wollen daher bereits seit längerem auch andere Unternehmen ins Visier nehmen. Die von Lidl beauftragten Detektive wühlten hemmungslos im Privatleben der Mitarbeiter. Sie hörten Gespräche mit, lauschten privaten Telefonaten und verwickelten Mitarbeiter in Gespräche über Kollegen.
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