Unberechenbar
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 06.02.20092008 war ein besonderes Jahr für Wirtschaftspropheten. Selten lagen sie mit ihren Prognosen derart daneben. Spätestens, seit DIW-Chef Klaus Zimmermann einen Stopp aller Vorhersagen forderte, wird darüber debattiert, wie genau diese sein können. Und ob sie gefährlich sind.
Es war Mai. Gerhard Schröder war noch Kanzler und die damals noch sechs großen Wirtschaftsinstitute hatten gerade ihr Frühjahrsgutachten 2005 vorgelegt. Schröder war überhaupt nicht glücklich in diesen Tagen, denn die Experten aus Hamburg, Berlin, München, Kiel, Halle und Essen hatten ihm seine schönen Wachstumsprognosen auf die Hälfte zusammengestrichen. Seine prompte Reaktion war eine Schelte der ganzen Branche: Solche Prognosen erinnerten ihn eher an Meteorologie denn an seriöse Wissenschaft, so Schröder.
Keine Regierung findet es schön, sich korrigieren zu müssen, schon gar nicht, wenn es um so heikle Dinge geht, wie das Wirtschaftswachstum. Denn jeder Prozentpunkt mehr oder weniger entscheidet über Milliarden an Steuereinnahmen. Doch Schröders Unmut hatte damals wohl noch einen anderen Grund. Denn in den vier Jahren vor 2005 hatten die Forschungsinstitute dreimal deutlich daneben gelegen. «Wir haben massive Fehlprognosen gemacht», gestand Joachim Scheide, Leiter der Konjunkturabteiltung am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), damals in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein. Ganz unberechtigt war die Kritik aus dem Kanzleramt also nicht.
Das Problem an Prognosen für die Wirtschaft: Die Ökonomie ist eine recht ungenaue Wissenschaft. Auch Scheide spricht davon, dass punktgenaue Aussagen in diesem Bereich unmöglich seien. Wie weit die fünf heute führende Institute mit ihren Vorhersagen auseinanderliegen, zeigt ein kurzer Vergleich: Während die Analysten der Deutschen Bank für 2009 einen Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von vier Prozent für möglich halten, sagt das Kieler Institut einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,7 Prozent voraus. Das Münchner Ifo-Institut erwartet ein Minus von 2,2 und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen von 2,0 Prozent. Laut Bundesbank und Internationalem Währungsfonds schrumpft die Wirtschaft um 0,8 Prozent, die Bundesregierung erwartet jetzt offiziell ein Minus von 2,25 Prozent.
Der Erste, der Ende des vergangenen Jahres laut über die Unsicherheit von Konjunkturprognosen nachdachte, war der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Klaus Zimmermann. Nicht nur, dass er in der Financial Times Deutschland vor einem «Wettlauf um die schlechtesten Zahlen» gewarnt hatte, in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung wies er auch auf die, durch die weltwirtschaftliche Krise bedingte, extreme Unsicherheit von Konjunkturprognosen hin. «In dieser Situation muss die Frage erlaubt sein, ob es nicht besser wäre, auf die Veröffentlichung neuer Prognosen für eine Weile zu verzichten», schrieb er damals und löste damit eine breite Debatte aus.
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