So., 12.02.12

Kunstmarktkrise Christie's streicht Jobs

Artikel vom 13.01.2009

Nach dem Einbruch des Kunstmarktes streicht das führende Auktionshaus Christie's weltweit Stellen. Wie das britische Unternehmen bestätigte, gebe es im Zuge von Sparmaßnahmen «einen bedeutenden Stellenabbau», ohne Zahlen zu nennen. Die Konkurrenz gibt sich bisher noch optimistisch.

Christie's-Chef Ed Dolman hatte die Mitarbeiter nach Angaben des Wall Street Journals per Email über die Stellenstreichungen in allen 85 internationalen Büros informiert. Zudem sollten Verträge mit freien Mitarbeitern und Kunstspezialisten nicht verlängert werden. Christie's beschäftigt etwa 2100 Menschen und hat in Deutschland Büros unter anderem in Berlin, Hamburg und Düsseldorf. Wie viele Stellen wegfallen, wurde nicht bekannt gegeben.

«Wir müssen unser Geschäft neu aufstellen, um aus diesen schwierigen Zeiten als eine stärkere Firma hervorzugehen», schrieb Dolman. Der Stellenabbau soll bis April abgeschlossen sein. Die Finanzkrise hat Christie's genauso wie andere Auktionshäuser nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers hart getroffen. Das Unternehmen hatte nach Angaben der Zeitung mit seinen Auktionen im ersten Halbjahr 2008 noch 3,1 Milliarden Dollar verdient, im zweiten Halbjahr nur noch etwa halb so viel.

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hinterlässt ihre Spuren auch in den von Rekordpreisen verwöhnten Kunst-Auktionshäusern. Bei den Herbstauktionen blieben Objekte liegen, bei den Preisen stellte sich nach spektakulären Verkäufen der vergangenen Jahre neue Bescheidenheit ein.

Einige Auktionshäuser sehen ihr Geschäft jedoch durchaus optimistisch. Und auch der künstlerische Wert eines Gemäldes oder einer Skulptur wird in Zeiten der Krise wieder mehr geschätzt als nur das Preisschild. So sieht es jedenfalls Heinrich Graf von Spreti, der seit 30 Jahren Präsident von Sotheby's Deutschland ist.

Kunstkäufer und das nötige Geld sind nach Ansicht Spretis trotz der Krise noch da. «Mein persönliches Gefühl ist: Nicht alle Leute, die ich treffe, haben bei Lehman Brothers oder der Kaupthing-Bank ihr Geld angelegt.» Allerdings würden die Sammler wählerischer. «Wenn etwas nicht einmalig ist, dann ist vielleicht auch das Geld dafür nicht da.» So sei bei manchen Bildern die Ölfarbe noch nicht trocken gewesen, «da waren sie schon in der Auktion gelandet». Bei der zeitgenössischen Kunst sei der Einbruch größer gewesen, denn sie habe nicht den «langen Stammbaum». In diesem Segment ist der Markt nach Einschätzung Spretis derzeit auf dem Niveau von 2004 angelangt.

Der Sotheby's-Präsident sieht das Geschäft mit der Kunst dennoch durchaus optimistisch. «Wir verkaufen sehr viel, was gar nicht bis zur Überschrift in einem Artikel kommt», sagt er. Bei einer Fabergé-Auktion im November in London seien insgesamt fast 100 Objekte verkauft worden - zum doppelten Schätzpreis. Anfang Dezember erzielte eine in einem deutschen Schloss gefundene niederländische Bronze-Figur aus dem 16. Jahrhundert 1,1 Millionen Pfund (1,2 Millionen Euro) - geschätzt worden war sie auf 400.000 Pfund. «Es geht um die Einmaligkeit eines Objekts», betont Spreti. Und die spiegele sich eben in einem hohen Preis wider. So wurden für Alte Meister wie Frans Mieris der Ältere (1635-1681) oder den Renaissance-Maler Girolamo Da Carpi (ca. 1501-1556) bei Sotheby's trotz Krise Rekordpreise in Millionen-Höhe erzielt.

Auch beim Inhaber des Münchner Auktionshauses Ketterer Kunst, Robert Ketterer, ist von Pessimismus nichts zu spüren. Zwar gehe ganz aktuelle zeitgenössische Kunst derzeit schwierig, «denn Künstler von 30 bis 40 Jahren produzieren auch noch nächstes Jahr». Doch auch bei Ketterer erzielten besonders seltene Objekte hohe Preise. So wurde ein auf 300.000 Euro geschätztes Aquarell von August Macke für 816.000 Euro versteigert. «Das Geld ist noch da», meint auch Ketterer. «Aber man kauft das, was nicht wiederbringbar ist.»

Zwar seien bei den Auktionen mehr Werke liegen geblieben, aber die wenigeren Objekte seien zu höheren Preisen verkauft worden. «Das Außergewöhnliche wird immer teurer», sagt Ketterer. Günstiger werde die «Mittelware». Ketterer machte bei den Herbstauktionen seines Hauses eine interessante Beobachtung: Es wurde kaum noch auf Französisch, Englisch oder Italienisch geboten. «Wir haben nun einen deutschen Markt», sagt er.

Die Privatbank Reuschel + Co. beobachtet, dass Kunst als Anlage bei ihren Kunden weiterhin eine Rolle spielt. «Kunst wird bei unseren vermögenden Kunden immer mehr zu einer eigenen Wert-Klasse», sagt der Sprecher Patrick Tessmann. Wichtige Voraussetzung für die Analyse der Chancen und Risiken sei eine Kunstmarktexpertise. Allerdings ist nicht jede Bank mehr so großzügig, Kunstkäufe von Kunden zu finanzieren. Manches Geldhaus hat hier den Hahn zugedreht.

Für Sotheby's-Chef Spreti kann Kunst niemals eine Wert-Anlage wie ein Aktienfonds sein. Wenn man ungünstig investiere, könne es sein, dass das Investment nur noch die Hälfte wert ist oder gar gegen Null geht. «Wenn sie ein sehr schönes Kunstwerk haben, haben Sie zumindest noch etwas in der Hand und können sich daran erfreuen, auch wenn der Kunstmarkt gegenwärtig den Einkaufspreis vielleicht nicht hergibt», sagt Spreti. «Deswegen muss man Kunst aus Liebe und Leidenschaft kaufen.»

bla
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Diamant «Blauer Wittelsbacher» bricht Rekorde (Foto)
Diamanten-Auktion «Blauer Wittelsbacher» bricht alle Rekorde

Diamanten sind zeitlos - ihr Wert steigt. Jetzt hat ein edler Stein aus dem Hause Wittelsbach selbst mehr ...

Picasso-Ente und Mikro-Mini (Foto)
Auto-Auktion Irre Legenden unterm Hammer

Andy Saunders Kreationen sehen aus, als hätten Spielzeughersteller sie im LSD-Rausch entworfen. Jetzt kommen die Kreationen mehr ...

Pfandleihhaus (Foto)
500 Millionen Euro Pfandleiher machen Rekordgeschäfte

Eine halbe Milliarde Euro. So viel tragen die Deutschen in diesem Jahr aus den Pfandleihhäusern. Und lassen mehr ...

Hitlerlesezeichen (Foto)
USA Hitler-Lesezeichen bringt Mann ins Gefängnis

US-Fahnder haben einen 37-jährigen Amerikaner festgenommen, der auf der Straße ein wertvolles goldenes Lesezeichen von Adolf mehr ...

Kunstmarktkrise: Christie's streicht Jobs » Wirtschaft » Nachrichten

URL : http://www.news.de/wirtschaft/754602957/christie-s-streicht-jobs/1/
Schlagworte:
Aber, Abgeschlossen, Aktienfonds, Aktuelle, Alain Robert, Alexander Hahn, Alte, Analyse, Anfang, Angaben, Angelegt, Anlage, Ansicht, April, Aquarell, Artikel, AU, Aufstellen, August Aber, August Anfang, August Contador-Coach, August Einspruch, August Frisch, August Hodenkrebs, August Infos, August Macke, August Mariä, August Nachmeldungen, August Risse, August Schwarz, August Scooter, August Sobiech, August Sprecher, August Spuren, August Volkswirte, Auktion, Auktionen, Auktionshaus, Auktionshauses, Außergewöhnliche, Bank, Bank-Chef, Beobachtet, Beobachtung, Berlin Anfang, Berlin Düsseldorf, Berlin Genauso, Berlin Hamburg, Berlin Insgesamt, Berlin Preis, Berlin Skulptur, Bescheidenheit, Betont, Bildern, Bille August, Britische, Brothers, Chancen, Christie, CO, Cornelius Meister, Daniel Graf, Deutschen, Deutschland, Dezember, Dollar, Einbruch, Einkaufspreis, Email, Englisch, Ernst August, Euro Aktuelle, Euro Anfang, Euro Angaben, Euro Ansicht, Euro April, Euro Dollar, Euro Einschätzung, Euro Englisch, Euro Geld, Euro Hamburg, Euro Inhaber, Euro Insgesamt, Euro Markt, Euro November, Euro Preis, Euro Trotz, Euro Zahlen, Fabergé, Finanz-Imperium, Finanzieren, Finanzkrise, Firma, Freien, Friedrich August, FT, Führende, Garçons, GE, Gebe, Geboten, Gefundene, Gegenwärtig, Gehe, Gelandet, Geld, Geldhaus, Gemäldes, Genauso, Gerd Meister, Getroffen, Globale, Gr, Graf, Günstiger, Hahn, Halbjahr, Hamburg, Hamburg-Mannheimer, Hand Conny, Hand Interviews, Hand Pluschenko, Hand Ronny, Hand Tatort, Hart, Hauses, Heather Christie, Heide Sprecher, Heinrich Brüssow, Heinrich Graf, Heinrich Lohse, Heinrich Worth, Ines Hahn, Inhaber, Insgesamt, Interessante, Internationalen, Investment, Italienisch, Jahr, Jahre, Jahren, Jahrhundert, Jason Christie, Jobs, Joe Hart, John Patrick, Journals, Karin Graf, Kaufen, Kauft, Kaupthing-Bank, Ketterer, Konkurrenz, Krise, Kunden, Kunst, Kunstkäufer, Künstlerische, Kunstmarkt, Kunstwerk, Langen, Lehman, Leidenschaft, León Robert, Leute, Liebe, Liegen, London, Marées, Marinos Meister, Mark Christie, Markt, Meister, Menschen, Michele Präsident, Milliarden, Millionen, Mitarbeiter, Mitarbeitern, Nächstes, Neil Patrick, Nennen, Niveau, Noch-Ehefrau, November, November-Grau, Null, Objekte, Objekts, Patrick Bauer, Patrick Davis, Patrick Döring, Patrick Ebert, Patrick Engel, Patrick Gaisbauer, Patrick Galbraith, Patrick Grabsch, Patrick Heuscher, Patrick Ilbag, Patrick Kennedy, Patrick Kirsch, Patrick Kraemer, Patrick Lefevere, Patrick MillerOne, Patrick Most, Patrick Moster, Patrick Rahmen, Patrick Rakovsky, Patrick Thomas, Patrick Wilson, Patrick Wojcicki, Patrick Ziegler, Per, Pers, Pessimismus, Pfund, PR, Preis, Preis-Kaleidoskop, Preise, Preisen, Privatbank, Rekordpreise, Rekordpreisen, Ren, Reuschel, Richter August, Risiken, Robert Anthony, Robert Behling, Robert Bentley, Robert Bobby, Robert Dietrich, Robert Dippl, Robert Enke, Robert Fico, Robert Green, Robert Harsch-Niemeyer, Robert Holl, Robert Johnson, Robert Juckel, Robert Kasza, Robert Kiprono, Robert Lindstedt, Robert Lottermoser, Robert Mak, Robert Marx, Robert Mugabe, Robert Nouzaret, Robert Plant, Robert PlantAnkündigung, Robert Pulcini, Robert Ryczko, Robert Saalfeld, Robert Siodmak, Robert TescheHamburger, Robert Wagner, Robert Wilson, Robert Wintermantel, Rolle, Ros, Sammler, Sch, Schloss, Schönes, Segment, Seien, Seltene, Skulptur, Sotheby, Sparmaßnahmen, Spielt, Sprecher, Spreti, Spuren, Stammbaum, Stärkere, Stellen, Stellenabbau, Stellenstreichungen, Stephane Robert, Street, Susanne Hahn, Sydney August, Teurer, Thilo Graf, Trocken, Trotz, Ufer, Ulla Hahn, Unternehmen, US-Investmentbank, User, Usern, Verdient, Vergangenen, Verkaufen, Verkauft, Verlängert, Versteigert, Voraussetzung, Wall, Warren Christie, Wegfallen, Weltweit, Werke, Wert Ausschlaggebend, Wert Händler, Wert Jobs, Wichtige, Wider, William Street, Wirtschaftskrise, Zahlen, Zeiten, Zeitgenössische, Zeitung, Zumindest, Zusammenbruch, Zweiten,
Leserkommentare (0)
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren