Milliardendeal RWE will niederländischen Energieriesen schlucken

Essent (Foto)
RWE gewinnt durch den Kauf des niederländischen Essen-Konzerns rund 5,3 Millionen Kunden hinzu. Bild: dpa

Von Erich Reimann
Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE steht vor der Übernahme des niederländischen Konkurrenten Essent. Das Transaktionsvolumen bezifferte RWE auf bis zu 9,3 Milliarden Euro.

Essent ist einer der größten Energieversorger der Niederlande. RWE gewinnt durch die Transaktion nach eigenen Angaben rund 5,3 Millionen Kunden hinzu. Dabei übernimmt RWE nicht einmal den gesamten Konzern. Die Strom- und Gasverteilnetze sowie das Entsorgungsgeschäft sollen anderweitig verkauft werden. Beide Unternehmen verständigten sich auf ein verbindliches Barangebot an die Anteilseigner von Essent. Auch die Eigentümer signalisierten laut RWE ihrer geschlossene Unterstützung.

Essent beliefert Privat- und Geschäftskunden mit Gas, Elektrizität und Wärme. Weiteres Geschäftsfeld ist die Umweltsparte, die Abfall zu Energie und Strom verarbeitet. Eigentümer des 1999 gegründeten Konzerns sind zur Zeit 136 Gesellschaften, darunter vor allem Kommunen und Gemeinden. Ohne das Netz- und Entsorgungsgeschäft erzielte Essent 2008 nach vorläufigen Berechnungen einen Umsatz von 6,55 Milliarden Euro und ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 882 Millionen Euro. Das Unternehmen ist auch in Belgien und Deutschland aktiv.

RWE betonte, die Marke Essent werde künftig zur RWE-Führungsgesellschaft in den Niederlanden und Belgien ausgebaut werden. RWE schließe damit eine Lücke zwischen seinen britischen Aktivitäten und dem deutschen Heimatmarkt.

Der niederländische Konzern hat etwa 250.000 Kunden auf dem belgischen und eine Million auf den deutschen Markt. Nach der Übernahme werde RWE in Europa mehr als 22,5 Millionen Strom- und etwa 12,5 Millionen Gaskunden beliefern. Europaweit steige die Kraftwerksleistung des Konzerns dadurch auf etwa 52 Gigawatt, so der Essener Konzern.

RWE rechnet durch die Übernahme mit Synergieeffekten, die ab 2014 eine dreistellige Millionenhöhe erreichen sollen. Zur Finanzierung sicherte sich der Konzern einen Kreditrahmen in Höhe von 9 Milliarden Euro. Der Rest werde über Barguthaben finanziert.

Voraussetzung für einen Abschluss ist allerdings noch die Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden. Hier könnten vor allem die deutschen Aktivitäten von Essent zu Problemen führen. Außerdem müssen mindestens 80 Prozent des Grundkapitals von Essent auf Basis des Angebots angedient werden. Auch die Abtrennung der Netze und der Verkauf der Entsorgungssparte müsse erfolgreich abgeschlossen sein, berichtete RWE.

Die Transaktion soll im dritten Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein. Essent sei es untersagt, Gespräche über ein Angebot mit Dritten zu führen. Vorstand und Aufsichtsrat hätten sich verpflichtet, kein Alternativangebot vorzuschlagen oder zu befürworten. RWE stehe im Falle eines Alternativabschlusses eine erhebliche Strafzahlung zu.

Der neue vierköpfige Vorstand von Essent soll aus zwei Mitgliedern der derzeitigen Geschäftsführung und zwei RWE-Managern bestehen. Im neuen Aufsichtsrat werde RWE drei von fünf Mitgliedern stellen.

RWE-Chef Jürgen Großmann betonte in einer Erklärung: «Ich freue mich außerordentlich über unseren Einstieg in diese neue Kooperation mit Essent.» Das niederländische Unternehmen sei ein perfekter Partner für RWE. Gemeinsam werde man die Versorgungssicherheit in Nordwest-Europa weiter ausbauen.

Essent-Chef Michiel Boersma betonte, sein Konzern verbünde sich mit einem erfolgreichen und starken Partner. Das eröffne zahlreiche Chancen für Mitarbeiter und Kunden.

Vor dem formellen Abschluss der Angebotsvereinbarung ist nach niederländischem Recht noch eine Stellungnahme des sogenannten Works Councils von Essent notwendig.

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