Hintergrund Die Commerzbank ist in guter Gesellschaft

Die Teilverstaatlichung der Commerzbank ist spektakulär, aber nicht ohne Vorbilder. Deutschland ist an fast 400 Unternehmen beteiligt, darunter Bahn, Post, Telekom und KfW. Aber auch Forschungszentren, Häfen, Flughäfen und sogar Hotels stehen auf der langen Liste.

DEU Telekom Daten (Foto)
Auch an der Telekom ist der Staat beteiligt. Bild: ap

Der größte Brocken, zumindest zahlenmäßig, ist die Bahn AG. Das geht aus dem Beteiligungsbericht 2007 des Bundesfinanzministeriums hervor, in dem nur die Firmen aufgeführt sind, an denen der Bund mindestens 25 Prozent hält. Bei der Bahn sind es noch 100 Prozent. Zu dem Konzern gehören neben zahlreichen Betriebsgesellschaften, Regionalbahnen, S-Bahnen und Busunternehmen auch die Logistikkonzerne Schenker und Stinnes mit einer ganzen Schar von Töchtern und Beteiligungen im In- und vor allem im Ausland.

Post und Telekom sind inzwischen teilprivatisiert. An der Post hält der Bund noch knapp 31 Prozent über das Finanzinstitut KfW. Die Telekom gehört zu fast 15 Prozent dem Bund direkt. Weitere 17 Prozent der Aktien sind bei der KfW geparkt, zusammen besitzt der Bund also fast 32 Prozent an dem Telekommunikationsriesen.

Die KfW, früher Kreditanstalt für Wiederaufbau, ist zu 80 Prozent im Bundesbesitz, 20 Prozent gehören den Ländern. Die Bankengruppe mit dem programmatischen Namen ist heute unter anderem bei der Mittelstandsförderung, beim Umweltschutz und in der Entwicklungshilfe aktiv.

Mit 25 Prozent und einer Aktie sitzt der Bund nun auch bei der Commerzbank auf der Anteilseignerseite, als Gegenleistung für frisches Kapital, das der Bank über die Finanzkrise helfen soll.

Zu den weiteren Beteiligungen gehört beispielsweise der Duisburger Hafen (33,33 Prozent), der Flughafen Köln (knapp 31 Prozent), der Flughafen München (26 Prozent), letzterer wurde 2008 vollständig privatisiert. An mehreren Großforschungseinrichtungen wie den Forschungszentren in Jülich und in Karlsruhe ist der Bund zu jeweils 90 Prozent beteiligt, bei den Entwicklungshilfeeinrichtungen DEG und GTZ jeweils zu 100 Prozent. Am High-Tech Gründerfonds in Bonn hält der Bund über 88 Prozent der Anteile am Nennkapital von immerhin fast 262 Millionen Euro.

Der Bund ist aber auch an Grundstücksgesellschaften beteiligt, teils zur Verwertung von Immobilien, die im Zuge der deutschen Einheit auf den Staat übergingen. Und so gehören ihm beispielsweise auch 94 Prozent am Steigenberger Hotel de Saxe an der Frauenkirche in Dresden.

seh

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