Hintergrund zum Gasstreit Deutsche Heizungen werden nicht über Nacht kalt

Russland Ukraine DEU Gas Energie Reserve (Foto)
Deutsche Versorger sind für kurzfristige Lieferausfälle bei Gas und Öl gerüstet. Bild: ap

Selbst bei einem totalen Ausfall der russischen Gaslieferungen nach Europa bleiben die Heizungen in Deutschland warm. Die Energieunternehmen sind auf Lieferausfälle vorbereitet - für eine gewisse Zeit.

Sollte es zu drastischen Ausfällen von Gaslieferungen kommen, halten die deutschen Erdgasunternehmen nach Angaben des Außenhandelsverbandes für Mineralöl und Energie (AVME) Reserven für rund 40 Wintertage vor. Aufbewahrt wird das Gas unter anderem in 46 Untertage-Gasspeichern. Sie sind den Angaben zufolge gut gefüllt.

Außerdem kommt längst nicht alles Gas der deutschen Verbraucher aus Russland. Nach Zahlen des AVME aus dem letzten Jahr stammen nur 35 Prozent von dort; aus Norwegen kommen 26 Prozent, aus den Niederlanden 19 Prozent und aus Großbritannien und Dänemark fünf Prozent. Zusätzlich kommen circa 15 Prozent des deutschen Verbrauchs von inländischen Produzenten. Jan Ulland, Sprecher des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft erklärte heute in Berlin, bei Bedarf könnten die Lieferungen aus den Niederlanden oder Norwegen erhöht werden.

Das russische Gas gelangt über ein weit verzweigtes Netz von Versorgungsleitungen, so genannte Pipelines, nach Deutschland. Diese führen nicht nur durch die Ukraine. Trotzdem ist der Weg durch deren Territorium wichtig: Nach Angaben von Gazprom laufen mehr als 80 Prozent der Gesamtexporte nach Europa über diese Strecke.

Angesichts der wiederkehrenden Probleme mit der Ukraine gewinnen allerdings andere Wege an Bedeutung: Die über 2000 Kilometer lange Yamal-Europa-Pipeline führt über Weißrussland und Polen nach Deutschland. Ihr Bau hatte 1994 begonnen, 2006 erreichte sie ihre volle Kapazität. Für Deutschland besonders wichtig dürfte in Zukunft die Nordstrom-Leitung werden. Sie soll 1200 Kilometer vom russischen Wyborg durch die Ostsee in die Nähe von Greifswald führen. Das 2005 gestartete Projekt, an dem auch die Unternehmen BASF und Eon beteiligt sind, soll nach Angaben von Gazprom 2010 den Betrieb aufnehmen und 2016 volle Kapazität erreichen.

Lesen Sie auf Seite 2, welche Reserven es in Deutschland für Öl gibt.

Zusätzlich zu den Gasreserven gibt es in Deutschland auch Notfallkapazitäten für den wichtigsten Energieträger der Bundesrepublik noch vor dem Erdgas: Mineralöl. Laut Erdölbevorratungsgesetz hat der Erdölbevorratungsverband (EBV) in Hamburg die Pflicht, Motorenbenzine, Mitteldestillate wie Flugbenzin und Diesel sowie schwere Heizöle in einer Menge vorzuhalten, die dem bundesdeutschen Verbrauch von 90 Tagen entspricht. Die Gesamtbestände sind allerdings regelmäßig erheblich höher. Zurzeit werden vom EBV circa 25 Millionen Tonnen Rohöl und Erdölfertigprodukte bevorratet. Ein Großteil der Vorräte lagert in alten Salzlagern im Norden Deutschlands.

Um Teile der Ölreserve entnehmen zu können, ist eine Verordnung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit erforderlich. Das geht laut Gesetz nur, wenn die Entnahme der «Verhütung unmittelbar drohender oder zur Behebung eingetretener Störungen in der Energieversorgung oder zur Erfüllung von Verpflichtungen gegenüber der EU oder der IEA» dient.

Eine Störung der Energieversorgung liegt beispielsweise dann vor, wenn auf dem Weltmarkt Öl und Öl-Produkte nicht mehr in einem ausreichenden Maße beschafft werden können.

seh

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
partnerangebot
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige