Energiepolitik
Gas-Förderländer planen neues Kartell

Ein Dutzend der Gas exportierenden Länder haben sich zu einem neuen Bündnis zusammengeschlossen. Die Ziele sind allerdings noch unklar, denn eine gemeinsame Preispolitik ist Experten zufolge unter derzeitigen Bedingungen gar nicht möglich.

Russlands Premier Wladimir Putin hat die Gründung der Gas-OPEC mit vorangetrieben. Bild: dpa

Trotz milden Winters, fallenden Energiepreisen und voller Speicher sorgt das Thema Gas und Russland auch zu diesem Jahreswechsel im Westen wieder für Aufregung. Erst kündigte der Monopolist Gazprom an, dem Schuldner Ukraine einmal mehr den Hahn abdrehen zu wollen. Dann verkündeten in Moskau gestern die Vertreter von einem guten Dutzend gasexportierenden Nationen wie Russland, Iran und Katar die Gründung eines Gas-Bündnisses.

Im Westen kursiert seit langem die Angst vor einer «Gas-OPEC». Genau so etwas wünschen sich zwar viele Gasexporteure, doch die Möglichkeiten sind im Vergleich zur Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) zurzeit noch äußerst begrenzt.

Im energiepolitischen Dauerbrenner «Gas-Kartell» steckt nach Einschätzung von Experten viel heiße Luft. Seit Jahren streiten die Gas-Scheichs, der russische Monopolist Gazprom, Iraner und Algerier über eine gemeinsame Linie, eventuelle Preisabsprachen und Förderquoten. Technisch macht das zum gegenwärtigen Zeitpunkt wenig Sinn. «In den nächsten zehn Jahren lassen die Marktbedingungen eine Kontrolle der weltweiten Gaspreise nicht zu», kommentieren Analysten der Moskauer Alfa-Bank das Treffen des Forums Gas exportierender Länder (GECF).

Das bedeutet: Eine gemeinsame Preispolitik wie bei der OPEC ist erst möglich, wenn Flüssiggas in großem Umfang über Tanker weltweit verschifft und damit kurzfristig handelbar wird. Bislang fließt das Gas zum allergrößten Teil noch durch feste Pipelines auf der Grundlage langfristiger Verträge. Auch deshalb werden deutsche Energieversorger wie Eon-Ruhrgas oder BASF-Wintershall nicht müde zu betonen, dass die Versorgung mit russischem Gas bis weit in die Zukunft gesichert sei.

In Moskau einigten sich die beteiligten Staaten nach stundenlanger Debatte immerhin auf ein gemeinsames Statut sowie auf Katars Hauptstadt Doha als Sitz der Organisation. Das Streiten hat im Gas-Forum Tradition. So platzte ein früherer Termin für das Moskauer Treffen wohl auch deshalb, weil der Iran offenbar ohne Rücksprache mit dem Kreml schon die Einigung auf eine «Gas-OPEC» verkündet hatte.

Vor allem Russland zuckt bei diesem Schlagwort einstweilen noch zusammen. Das Riesenreich, beim Öl zweitgrößter Exporteur weltweit, beharrt auf seiner Eigenständigkeit und verweigert sich auch deshalb seit Jahrzehnten der OPEC. Der Kreml will im Gasgeschäft in die lukrativen EU-Endverbrauchermärkte einsteigen und muss sich um sein Image sorgen machen. Der Ruf als jahrzehntelang zuverlässiger Energielieferant hatte zuletzt unter dem Gasstreit mit der Ukraine gelitten.

Die Produzenten sehen, dass sich die Konsumenten immer besser vernetzen und ihre Interessen aufeinander abstimmen. Russische Gas-Lobbyisten sprechen längst von einem «Verbraucher-Kartell». So irritiert es den Kreml, dass die EU versucht, gemeinsam mit Anrainern des Kaspischen Meeres eine Nabucco genannte Gaspipeline in Umgehung Russlands zu realisieren.

Einstweilen fällt es den Beteiligten noch schwer, die konkreten Ziele des neuen Bündnisses zu umreißen. Es gehe um «die Untersuchung der Gasmärkte und den Austausch von Informationen», teilte Vize-Energieminister Anatoli Jankowski mit. Präsident Dmitri Medwedew, einst Aufsichtsratsvorsitzender bei Gazprom, hat Gefallen an einer engen Zusammenarbeit der Gasexporteure gefunden. Die Formulierung «Preisabsprachen» steht in Russland zwar noch auf dem Index. Vor einem Empfang für die ausländischen Energieminister kündigte der Kreml aber vielsagend an, man wolle sich auch über «die Problematik der Preisbildung für Erdgas» austauschen.

mas

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