Kampf um Firmen-Imperium Merckle droht mit Insolvenz

Adolf Merckle, Milliardär und Chef eines Firmenimperiums steht kurz vor dem Ruin. Um diesem doch noch zu entgehen, macht er nun Druck: Er droht den Banken mit Insolvenz. Und er verteidigt seine Strategie. Die Krise sei nicht vorhersehbar gewesen, sagt der Besitzer von Ratiopharm.

Kreise: Merckle droht Banken mit Insolvenz (Foto)
Der Unternehmer Adolf Merckle hat sich mit Wetten auf VW-Aktien verspekuliert und hohe Verluste eingefahren. Bild: dpa

Der in Finanznöten steckenden Milliardär Adolf Merckle hat den Banken im Kampf um sein Firmenimperium mit der Insolvenz seiner Beteiligungsgesellschaft VEM gedroht. Eine Sprecherin der Merckle-Dachgesellschaft VEM sagte heute, wenn die Institute keinen Kredit einräumten, dann müsse festgestellt werden, ob einer der Insolvenzgründe vorliege. Das seien drohende Zahlungsunfähigkeit, Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung. Über den Stand und die geplante Dauer der Verhandlungen mit den Banken machte sie keine Angaben.

Merckle engagierte unterdessen den auf Insolvenzen und Sanierungen spezialisierten Anwalt Eberhard Braun. Eine Sprecherin der Rechtsanwaltsgesellschaft Schultze & Braun sagte, man habe seit einigen Tagen ein Mandat. Über den genauen Auftrag machte sie keine Angaben.

Der Unternehmer verteidigte unterdessen seine Strategie. Merckle sagte der Südwest Presse: «Vor der Finanzmarktkrise konnten wir nicht vorhersehen, dass der Abschwung an den Weltbörsen die Aktienkurse so drastisch sinken lässt.» Folge sei, dass der Wert der Sicherheiten, welche die Vermögensverwaltung VEM bei den Banken hinterlegt habe, gesunken sei. «Nun fordern die Banken kurzfristig höhere Garantien beziehungsweise Kredittilgungen.» Dadurch sei die Liquiditätskrise bei der VEM ausgelöst worden.

Merckle sagte: «Wir haben nie spekuliert, nie gezockt. Das Wertpapiergeschäft unserer VEM hat jahrelang dazu gedient, das Wachstum der Beteiligungsunternehmen zu ermöglichen.» Der schwäbische Firmenpatriarch betonte: «Seit Jahren belassen wir sämtliche Gewinne in den Unternehmen. So auch bei HeidelbergCement. Dies ist heute ein sehr erfolgreiches Unternehmen mit einem wettbewerbsfähigen Geschäftsmodell.»

Zum Stand der Gespräche mit den Gläubigern meinte der 74-Jährige: «Die Banken haben weitreichende Sicherheiten eingefordert. Wir sind bereit, ihnen alle Anteile an Ratiopharm, HeidelbergCement und dem Pharma-Großhändler Phoenix als Sicherheit zu geben - auch die aus unserem Privatvermögen - wenn sie uns im Gegenzug die notwendigen Kredite zur Verfügung stellen.»

Der 74-Jährige steht unter anderem bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in der Kreide. In mit der Sache vertrauten Kreisen wird der Finanzbedarf von Merckle auf ein Volumen von 700 Millionen bis eine Milliarde Euro geschätzt. Die drei wichtigsten Unternehmen der Merckle-Gruppe haben etwa 100.000 Mitarbeiter und machen jährlich insgesamt 30 Milliarden Euro Umsatz.

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