General Motors Mit Wagoner durch die Krise

Congress Autos (Foto)
Rick Wagoner ist für viele der Sündenbock in der US-Autobranche. Bild: ap

Von Tom Krisher
Der Mann an der Spitze der Opel-Mutter General Motors steht gewaltig unter Druck. Rick Wagoner soll weg. Das fordert vor allem die Politik. Und sie darf nun mitreden, weil sie wohl Milliarden für die US-Autobauer zur Verfügung stellen wird.

Der Vorsitzende des Bankenausschusses im US-Senat, der Demokrat Chris Dodd, hat die Bewilligung von Notkrediten für GM mehr oder weniger direkt an die Ablösung von Wagoner gebunden.

Keine Namen genannt hat Barack Obama. Aber auch der künftige Präsident forderte die Erneuerung des Managements der Automobilhersteller, wenn sich dieses der Notwendigkeit von Änderungen entgegenstellen sollte. Auch bei dem Versicherungskonzern AIG und den Hypothekenfirmen Fannie Mae und Freddie Mac wurden im Zuge von staatlichen Rettungsmaßnahmen die Vorstandschefs ausgetauscht.

Gestern kamen die Vorstandsmitglieder von GM zu einer Telefonkonferenz zusammen. Ob dabei auch über die Zukunft von Wagoner gesprochen wurde, mochte Vorstandsmitglied Kent Kresa aber nicht sagen. Er glaube nicht, dass der Kongress den Rücktritt Wagoners verlangen werde, sagte Kresa. Da dieser bereits erhebliche Fortschritte bei der Umstrukturierung des Konzerns erzielt habe, wäre dies auch keine sinnvolle Maßnahme. Aber wenn der Vorstand zwischen der rettenden Finanzhilfe des Staates und Wagoner zu wählen gezwungen wäre, müsste er auch einen Rauswurf des CEO in Erwägung ziehen.

GM hat seinen akuten Finanzbedarf mit bis zu 18 Milliarden Dollar beziffert, Chrysler wünscht sich 7 Milliarden. Bei Ford heißt es, dass 9 Milliarden erforderlich sein könnten. Das Unternehmen verfüge aber noch über genügend Barmittel, um möglicherweise auch aus eigener Kraft bestehen zu können. Das jetzt von Kongress und Regierung ins Auge gefasste Rettungspaket hat statt der insgesamt 34 Milliarden aber nur einen Umfang von zunächst 15 Milliarden für staatliche Notkredite.

Selbst der Wirtschaftswissenschaftler und entschiedene Branchenkritiker Peter Morici zweifelt am Sinn einer Ablösung des Vorstandschefs. «Ich habe mich vor ein paar Jahren für einen Abschied von Wagoner eingesetzt», sagt der Professor der Universität von Maryland. «Aber zu dieser kritischen Zeit ist es falsch, die Steuermänner zu wechseln.» Nicht der Kongress, sondern GM, Ford und Chrysler sollten entscheiden, wer für die Geschäfte verantwortlich ist.

Auch der Branchenexperte Kevin Tynan von Argus Research in New York zweifelt am Zeitpunkt eines Chef-Wechsels. Schließlich müsse dann auch die Frage beantwortet werden, wer es besser machen könnte, sagte Tynan, der sich in der Vergangenheit wiederholt kritisch über das GM-Management geäußert hat. Gerade bei den anstehenden Verhandlungen mit Gewerkschaften oder Vertragshändlern sei es wichtig, einen erfahrenen Mann an der Spitze zu haben.

Lesen Sie auf Seite 2, wer schon jetzt als Nachfolger von Wagoner gehandelt wird

Anders als Ford-Chef Alan Mulally oder Bob Nardelli von Chrysler ist Wagoner nach Darstellung Tynans schon lange genug dabei, um für die gegenwärtige Situation verantwortlich gemacht werden zu können. Der 55-Jährige begann seine Karriere bei GM 1977 in der Finanzabteilung. Im Jahr 2000 übernahm er den Vorstandsvorsitz, drei Jahre später wurde er auch zum Chairman berufen. Mulally ist erst seit 2006 Vorstandschef von Ford, Nardelli seit 2007 an der Chrysler-Spitze.

Der stellvertretende Chairman bei General Motors, Bob Lutz, würdigt es als Leistung Wagoners, dass dieser die Bürokratie und sonstige Kosten gekürzt, die Produktivität erhöht und Geld in die Erforschung kraftstoffeffizienter Techniken gesteckt habe. Es wäre nicht nur ungerecht, sondern auch schädlich, «diesen Manager jetzt an eine lächerliche Opferlamm-Bewegung zu verlieren», sagt Lutz.

Kritiker gibt es aber in den Gewerkschaften. Der ehemalige GM-Arbeiter und örtliche Gewerkschafter Frank Hammer sagt, Wagoner solle abtreten, weil er das Unternehmen zu zögerlich auf die neuen Anforderungen vorbereitet habe. «In welchem Grad Wagoner auch dafür verantwortlich gewesen sein mag, er sollte die Konsequenzen tragen», fordert der 65-Jährige.

Und was sagt der Betroffene selbst? In einem Interview in der vergangenen Woche meinte Wagoner zur Frage nach einer möglichen Rücktrittsforderung des Kongresses: «Es ist mir nicht klar, warum Erfahrung in dieser Industrie als etwas Negative betrachtet werden sollte. Aber ich werde tun, was für das Unternehmen richtig ist, und ich werde das in Abstimmung mit dem Vorstand tun.»

Für eine mögliche Nachfolge sind zwei Namen im Gespräch. Am meisten genannt wird GM-Manager Frederick «Fritz» Henderson, der im März zum President und Chief Operating Officer ernannt wurde, nachdem er seit 2006 Finanzchef war. Als ernsthafte Möglichkeit wird auch der Vorstandschef von Renault/Nissan, Carlos Ghosn, genannt. Diese Personalie weist Renault/Nissan aber bislang als reine Spekulation zurück.

mik

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