Lufthansa kauft Austrian Airlines Aus Rot-Weiß-Rot wird Schwarz-Rot-Gold

Austria Lufthansa AUA (Foto)
Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber und Peter Michaelis von Austrian Airlines wirkten erleichtert. Bild: ap

Wehmut war bei Austrian Airlines (AUA) nach dem Abschluss des Kaufvertrags mit der Lufthansa nicht zu spüren. Die Erleichterung überwog. Mit dem Kauf hat der jahrelange Streit um die defizitäre Fluglinie ein Ende.

Sollte die EU keine unüberwindlichen Einwände erheben, hat die «Austrian Airlines», Österreichs angesehenes Flaggschiff heute aufgehört, «österreichisch» zu sein. Dass die Flugzeuge mit der rot-weiß-roten Heckflosse künftig - zumindest auf dem Papier schwarz-rot-gold werden, stört dabei die wenigsten «Austrianer»: Die Mehrheit der Österreicher hält die Kranich-Airline nach einer repräsentativen Umfrage trotz der traditionellen Rivalität für den besten Partner der angeschlagenen AUA.

Jahrelang stritten Politiker über die Zukunft der zunehmend defizitären Fluglinie. Was für die einen eine Frage der ökonomischen Vernunft, war für die anderen eine Sache des Patriotismus. «Die AUA muss rot-weiß-rot bleiben» tönten Volkspartei und Sozialdemokraten jahrelang unisono, wenn der Verkauf der 50 Jahre alten Airline auch nur erwähnt wurde. Selbst als für viele schon abzusehen war, dass die AUA ohne «strategischen Partner» aus dem Trudeln direkt in den Sturzflug übergehen würde, mochten heimische Politiker den nötigen Schritt nicht gehen. Dabei hatte die Unternehmensberatung Roland Berger der Austrian bereits vor zwei Jahren einen «strategischen Partner» empfohlen.

Doch selbst der AUA-Vorstandsvorsitzende Alfred Ötsch tat noch in diesem Frühjahr mit der Bemerkung, «die AUA ist saniert», das Unternehmen könne auch allein bestehen, alles, um den angekratzten Nationalstolz österreichischer Politiker und die Sorgen der um ihre Jobs fürchtenden Mitarbeiter zu besänftigen. Ötschs Versuch, den saudischen Geschäftsmann Mohammed al Jaber für eine Einlage von 125 Millionen Euro zum Anteilseigner zu machen, um die Firma abzusichern, scheiterten jämmerlich. Jaber bekam kalte Füße. Als er hörte, dass die AUA-Verluste allein in diesem Jahr auf über 100 Millionen Euro steigen würden, zog er sich zurück. Inzwischen steckt die AUA mit rund einer Milliarde Euro in den roten Zahlen, und sowohl Jaber als auch die AUA haben die Gerichte angerufen.

Tatsächlich gab es für die kleine aber propere Gesellschaft, die in den vergangenen Jahren selbst zwei kleinere Regional-Airlines geschluckt hatte, zu diesem Zeitpunkt keine Alternative mehr. Experten haben berechnet, dass die AUA bei einem weiteren Alleingang - auch personell - um die Hälfte schrumpfen müsste, um auch nur eine Überlebenschance zu haben. Eine radikale Kürzung ihres ehrgeizigen Streckennetzes und vermutlich die Entlassung mehrerer Tausend ihrer 8000 Mitarbeiter wären die Folge.

Sprecher der Oppositionsparteien kümmerte das heute allerdings wenig. Sie warfen der großen Koalition und der AUA-Führung vor, zu lange mit der Privatisierung gezögert zu haben. Jetzt werde die AUA an die Lufthansa verschenkt und dieser «noch eine halbe Milliarde Euro» gegeben, kritisiert etwa die Grünen-Politikerin Gabriela Moser. Doch Experten sehen das anders. Sollte etwa Brüssel den Vertrag zwischen Lufthansa und AUA ablehnen, dann sehe es um das rot-weiß-rote Flaggschiff Österreichs düster aus, meinte etwa der leiter des ORF-Wirtschaftsressorts, Michael Csolick, heute vor der Unterzeichnung: «Dieses Szenario mag ich mir im Augenblick gar nicht vorstellen».

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