Amgebot für AUA Lufthansa setzt Schnäppchentour fort

Die Deutsche Lufthansa nutzt die globale Finanzkrise: Nach der Fluglinie Swiss will sie sich nun auch die Austrian Airlines kaufen. Die bekommt sie quasi hinterhergeworfen, die österreichische Regierung bezuschusst den Millionendeal.

DEU Luftverkehr Lufthansa AUA (Foto)
Die Maschinen der Austrian Airlines könnten bald zur Lufthansa gehören. Bild: ap

Während andere Airlines im Sommer durch explodierende Ölpreise und nun durch Einbrüche bei den Buchungen an den Rand des Abgrunds gedrückt werden, steht die Lufthansa vergleichsweise gut da. Mit einer prall gefüllten Kriegskasse beschleunigt sie nun ihre Einkaufstour.

Durch die Übernahme der Austrian Airlines (AUA) kann sie ihr Streckennetz vor allem nach Osteuropa weiter ausbauen und ihre Stellung als eine der größten Airlines der Welt festigen. «Unser Angebot ist fair. Es trägt den Interessen aller Beteiligten Rechnung», warb Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber für das Kaufangebot.

Der Lufthansa-Aufsichtsrat stimmte zu, bis zu 100 Prozent der Anteile an der teils staatseigenen Austrian Airlines für maximal 377,4 Millionen Euro zu kaufen. Die österreichische Staatsholding als Großaktionär will morgen über den Vertrag abstimmen. Bedingung der Lufthansa ist aber, dass die Europäische Union einen Restrukturierungsbeitrag der Wiener Regierung für die angeschlagene AUA genehmigt.

Nach der Übernahme der Schweizer Fluglinie Swiss nimmt die Musterschülerin erneut ein Sorgenkind der Branche unter ihre Fittiche. «Die AUA ist ein Problemkind. Die Lufthansa übernimmt zunächst einmal einen Verlustbringer», sagt etwa Branchenexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Die einstige Staatslinie der Alpenrepublik hat einen Schuldenberg von 900 Millionen Euro aufgehäuft, der zudem täglich wächst. Daher wundert es auch nicht, dass die Lufthansa die Übernahme nur bei einem Zuschuss aus der österreichischen Staatskasse stemmen will.

Lesen Sie auf Seite 2, mit welcher Strategie die Lufthansa zur Nummer eins in Europa werden will

Mit dem Zukauf in Österreich würde die Lufthansa zur dominierenden Fluggesellschaft in ganz Mitteleuropa: In Deutschland ist sie mit der Konzernmutter und mehreren Töchtern die unangefochtene Nummer eins. In der Schweiz hat sie die Swiss erfolgreich integriert und kann über das Drehkreuz Zürich auch zahlreiche zusätzliche Verbindungen nach Afrika anbieten. In Belgien war Lufthansa zuletzt bei Brussels Airlines eingestiegen, die nach der Pleite der staatlichen Sabena gegründet worden war. Und in Großbritannien hält Lufthansa Anteile an der Fluggesellschaft bmi, der früheren British Midland.

Viele Spekulationen gab es in den vergangenen Monaten auch über einen Einstieg bei der neugegründeten Alitalia. Allerdings hat die Lufthansa in Italien schon auf eigene Faust kräftige Pfähle eingeschlagen: So arbeitet ihre Tochter Air Dolomiti im Norden Italiens vor allem als Zubringer für die Lufthansa-Drehkreuze Zürich, München und Frankfurt. Zudem geht Lufthansa kommendes Jahr mit ihrer neuen Gesellschaft Lufthansa Italia in Mailand an den Start, um das Mailänder Drehkreuz mit anderen europäischen Städten zu verbinden. Damit könnte sie dann selbst ein mächtiger Gegenspieler der neuen Alitalia werden - selbst wenn diese mit Air France-KLM fusionieren sollte.

Für viele Branchenexperten sind die zunehmenden Fusionen von Airlines in Europa ein längst überfälliger Schritt. Mit nur wenigen Millionen Passagieren im Jahr sind viele der einst staatlichen Fluglinien zu klein, um alleine bestehen zu können. «Es reicht nicht, die Preise zu erhöhen, es muss zu Konsolidierungen kommen», sagt etwa Martin Gaebges, Generalsekretär der Luftfahrtverbandes Barig, der fast alle in Deutschland tätigen Fluggesellschaften vertritt.

Die im Sommer auf fast 150 Dollar angestiegenen Ölpreise hatten den Druck auf die Fluggesellschaft erhöht, Kosten einzusparen. Auch wenn die Ölpreise seitdem um fast zwei Drittel gefallen sind, stehen die Airlines jetzt angesichts der Konjunkturflaute vor neuen Problemen: So ist zum Beispiel in Deutschland der Luftverkehr im dritten Quartal erstmals seit sechs Jahren wieder geschrumpft, wie das Statistische Bundesamt ermittelte. Geschäftsreisende sagen angesichts knapper Kassen die ein oder andere Reise ab, Privatleute verzichten auf Städtetrips mit dem Flugzeug und verbringen das Wochenende lieber in heimischen Regionen.

Eigentlich ist das kein Umfeld, in denen die Luftfahrtbranche expandieren kann. Auch Mayrhuber sagt: «Die Folgen der Finanzmarktkrise und die Wirkungen auf die Realwirtschaft belasten auch den Luftfahrtsektor erheblich.» Allerdings ergänzt er auch: «Strukturelle Veränderungen erhöhen die Chancen für verbesserte Perspektiven.» Und da will Lufthansa kräftig mitmischen.

fme

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