Überlebenskampf Merckle spielt auf Zeit

Adolf Merckle ist einer der reichsten Deutschen, doch er ringt um die Zukunft seines in Finanznot geratenen Firmenimperiums. Heute hat er weitere Zugeständnisse gemacht. Zur Not will er auch aus einem privaten Vermögen Mittel zur Verfügung stellen.

Merckle-Aktienverluste offenbar höher als bekanntjpeg-2gpn3415-20081117-img_19584082_original.large- (Foto)
Der Unternehmer Adolf Merckle hat sich mit Wetten auf VW-Aktien verspekuliert und hohe Verluste eingefahren. Bild: dpa

In den laufenden Kreditverhandlungen mit den Gläubigerbanken habe der Unternehmer beim Angebot nachgelegt, Sicherheiten und Vermögenswerte aus dem privaten Vermögen zur Verfügung zu stellen, sagte eine Merckle-Sprecherin heute in Ulm. Nähere Angaben dazu machte sie nicht. Die rund 30 Banken hätten positiv reagiert.

Der schwäbische Milliardär sucht seit Wochen unter Hochdruck nach einem Ausweg aus der Finanzmisere und will sich mit dem neuen Angebot wieder Luft verschaffen. Zu seinem Firmenimperium gehören unter anderem der Pharmakonzern Ratiopharm sowie das Unternehmen HeidelbergCement.

«Ziel ist es, das Stillhalteabkommen mit den Banken zu verlängern. Auf Basis der getätigten Zusagen soll dann in den nächsten Wochen ein Überbrückungskredit vereinbart werden», teilte die Sprecherin mit. Merckles Sohn Ludwig sagte laut Mitteilung: «Wir glauben weiterhin, dass wir eine Lösung für die Finanzsituation erreichen können. Wir sind hierbei auf die Mitwirkung der Banken angewiesen.» In Bankenkreisen hatte es zuvor geheißen, Merckle müsse sich stärker bewegen. Ursprünglich sollte das Stillhalteabkommen am Dienstag um 24 Uhr ablaufen.

Der Engpass bei Merckles Vermögensverwaltung VEM war aufgrund massiver Verluste im Wertpapiergeschäft und bei Spekulationen mit VW-Aktien entstanden. Nach Schätzungen aus Bankenkreisen besteht ein Finanzierungsbedarf von 700 Millionen bis eine Milliarde Euro. Weitere Quellen sprechen davon, dass auf VEM mindestens Schulden in Höhe von drei bis fünf Milliarden Euro lasten.

Eine Insolvenz von VEM würde dominoartig zu weiteren Zahlungsengpässen in Merckle-Firmen führen, die mit VEM verschachtelt sind, heißt es in Finanzkreisen. Die Rede ist von einem Geflecht aus rund 100 Unternehmen, in denen die Merckles ihre Aktivitäten jeweils möglichst steuergünstig eingebracht haben. Das Geld des Milliardärs stecke überwiegend in seinen Beteiligungen, so dass er wohl mindestens eine davon verkaufen müsse, um die Bankenforderungen bedienen zu können, hieß es.

Nach Angaben der Muttergesellschaft VEM fordern mehrere Banken den Verkauf des Generika-Herstellers ratiopharm. Wie aus den Kreisen zu hören ist, dürfte jedoch ein alleiniger Verkauf des Ulmer Unternehmens den Liquiditätsengpass nicht lösen. Zuletzt wurde für das Herzstück des Merckle-Imperiums ein möglicher Verkaufserlös von 3 bis 3,5 Milliarden Euro genannt. Ein schneller Verkauf des STADA- Konkurrenten noch in diesem Jahr wurde in den Kreisen als eher unwahrscheinlich erachtet. Ein Verkaufsmandat für ratiopharm wurde bisher noch nicht erteilt.

Die Gläubigerbanken - unter der Führung der Landesbank Baden- Württemberg (LBBW), der Commerzbank, der Royal Bank of Scotland und der Deutschen Bank - hatten Merckle den Geldhahn zugedreht. Das Land Baden-Württemberg lehnte eine Bürgschaft für den Milliardär ab. Die Merckle-Gruppe mit etwa 100.000 Mitarbeitern macht jährlich insgesamt rund 30 Milliarden Euro Umsatz.

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