Wütende Proteste Isländer stürmen Zentralbank

ICELAND FINANCE MELTDOWN (Foto)
Die Isländer sind sauer auf ihre Regierung und machen sie für die dramatischen Folgen der Finanzkrise verantwortlich. Bild: ap

Die Isländer sind stinksauer, seit Wochen demonstrieren sie öffentlich gegen die dramatischen Folgen der Finanzkrise und fordern den Rücktritt ihrer Regierung. Heute eskalierte die Lage, mehrere hundert Isländer haben den Eingang zur Zentralbank in der Hauptstadt Reykjavik gestürmt.

Sie verlangten im Foyer lautstark den Rücktritt von Nationalbankchef David Oddsson. Am Wochenende hatten tausende Demonstranten vor dem Parlament auch den Rücktritt von Ministerpräsident Geir Haarde gefordert. Beide werden dafür mitverantwortlich gemacht, dass die zusammengebrochenen größten Banken den 320.000 Bürgern der Atlantikinsel eine gigantische Schuldenlast aufbürden konnten.

Die isländische Krone hat innerhalb von zwölf Monaten drei Viertel ihres Wertes verloren, die Arbeitslosigkeit steigt. Alleine im Oktober hat sich die Quote annähernd verdoppelt. Nach den zunehmenden Protesten jeweils am Samstag entwickelten sich heute auch Veranstaltungen zum 90. Jahrestag von Islands Staatsgründung 1918 zu Protesten gegen die Urheber der akuten Banken- und Finanzkrise. Die Regierung in Reykjavik konnte den drohenden Staatsbankrott nur durch Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie mehrerer Staaten abwenden.

Ministerpräsident Geir Haarde lehnte die Forderung nach Rücktritt in Interviews ab. Das Parlament Althing hatte neue scharfe Devisenbestimmungen beschlossen, wonach die Bürger für private Zwecke nur noch maximal 500.000 Kronen (1750 Euro) pro Monat in Devisen umtauschen können. Aktienkäufe in ausländischer Währung sind verboten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat bei der Gewährung von Hilfskrediten gegen einen drohenden Staatsbankrott von der Regierung die völlige Freigabe des Kronenkurses verlangt. Danach wird mit einem Anstieg der Inflation auf über 20 Prozent gerechnet.

Haarde hatte am Wochenende gesagt, er könne sich als Ausweg unter anderem die einseitige Einführung des Euro vorstellen. Während die sozialdemokratische Außenministerin Ingibjörg Sólrún Gísladóttir einen schnellen Aufnahmeantrag für die Europäische Union verlangt, sperrt sich Haardes konservative Unabhängigkeitspartei noch dagegen. Die drei größten isländischen Banken waren im Oktober wegen ihrer extrem aggressiven Kreditpolitik zusammengebrochen.

Haarde sagte auch, er fühle sich nicht persönlich verantwortlich für die Folgen der Krise. Vielmehr sei die unbesonnene Expansion der Banken schuld. Strafrechtliche Ermittlungen seien im Gange. Für das kommende Jahr erwartet der Regierungschef keine Verbesserung der Lage, im Gegenteil: 2009 werde «ein sehr schwieriges Jahr», prophezeite Haarde. Deutlich besser seien dagegen die Aussichten für 2010 - «mit positivem Wirtschaftswachstum und weniger Arbeitslosigkeit».

Zu dem gigantischen Schuldenberg des Landes gehören auch Forderungen deutscher Banken über etwa 20 Milliarden Dollar (15,8 Milliarden Euro). 30.000 deutsche Privatkunden bei der Kaupthing-Bank warten seit Oktober auf die Rückerstattung gesperrter Einlagen über 300 Millionen Euro.

bla

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 1
  • 02.12.2008 22:12

Richtig so!!!Am besten die Regierung aus dem Staatshaus jagen!!! Die meisten Deutschen sind dagegen Jammerlappen und stecken feige den Kopf in den Sand.Die deutsche Revolution von1848 wird wohl nicht wieder kehren. Frau Merkel+Co.darf mit unterlassenen Handlungen per Gesetz gegen die Bankcasinos so weiter machen und die Deutschen weiter"verarschen"!Egoistischer Kapitalismus herrscht in Deutschland! Wo ist der Mut und die Tapferkeit der deutschen Volksmasse geblieben der großen Koalition den Laufpass zu geben oder aus dem Bundestag 2009 zu jagen!!Scheiß feige Deutsche,ich schäme mich über sie!

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