«Rezessions-Schick» in New York
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Von Carla S. Reissman
Artikel vom 20.11.2008Seitdem der Pleitegeier tief über Manhattan kreist, müssen auch die sonst so verwöhnten New Yorker zurückstecken. Die Zeiten von ungeniertem Luxus und sorgenfreiem Leben sind erst einmal vorbei.
Keine Trüffel- und Kaviarpizza mehr für 1000 Dollar (791 Euro) bei «Nino's Bellissima», der Krug Brut-Champagner für 1350 Dollar pro Flasche bleibt im Keller, und der teure Privattrainer wird ebenfalls abbestellt. Statt Designer-Kleidchen ist «Rezessions-Schick» angesagt, am besten leihweise für einen Abend. Harte Zeiten für das Luxus-Mekka Manhattan.
Clever sparen wird deshalb groß geschrieben. Für viele Inselbewohner wird es zum Kult herauszufinden, wie sie trotz magerer Zeiten an der Wall Street und steigender Arbeitslosenzahlen ihr Niveau halten können. Die New York Times verpackt Spartipps in ihre wöchentlichen Fashion & Style-Beilagen, das Stadtmagazin Time Out hat immer eine gute Idee für kostenlose Events und New York widmet gar den Titel seiner jüngsten Ausgabe dem Thema «Live Well, Spend Less» (Gut leben, weniger ausgeben). Das Magazin selbst sparte gleich am Titelbild.
Weil das ewige Auf und Ab des Dow Jones an den Nerven der Wall-Street-Broker zerrt, stehen beruhigende Meditationsstunden derzeit hoch im Kurs. Eine Yogastunde am Samstagmorgen um 7 Uhr, die ein Studio für günstige zehn Dollar anbietet, ist seit kurzem restlos überbucht. Fitness-Studios warten mit Sonderkonditionen auf, bis es arbeitslosen Mitgliedern finanziell wieder besser geht. Privattrainer Chris Hall, der auch Stars wie Catherine Zeta-Jones in Form bringt, hat sich den mageren Zeiten schnell angepasst. Er bietet kurze, 30-minütige Power-Trainigseinheiten an - gerne auch im Doppelpack. «Die Leute haben nicht mehr so viel Zeit wie früher, und sie wollen nicht mehr so viel Geld ausgeben», sagte er der New York Times.
«Rezessions-Schick» heißt das neue Zauberwort in der Modewelt. Statt Designer-Handtaschen für vierstellige Dollarbeträge geben stilbewusste Damen höchstens knapp 50 Dollar im Discount-Laden dafür aus - Hauptsache es sieht ähnlich aus. Schönheitssalons in Manhattan locken mit dem Motto «Recessionista Beauty»: Haarschnitte und Augenbrauen zupfen zu Dumping-Preisen. Mit «Luxus zum Leasen» hat sich die Boutique Ilus ein neues Klientel eröffnet. Statt das Kleid von Star-Designerin Nicole Miller für 770 Dollar zu kaufen, kann man es auch für drei Tage mieten, für schlappe 130 Dollar.