Zehn Jahre Euro Gefühlter Teuro

Leberwurst (Foto)
Vor Euro-Einführung kostete eine Leberwurst noch 89 Pfennig - mittlerweile muss man 79 Cent dafür berappen. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Nadine Faßhauer
Seit knapp zehn Jahren wird in Euro gezahlt. Und seitdem werden viele Verbraucher den Eindruck nicht los: Verdammt, alles wird teurer! Viele werden rührselig und wünschen sich die D-Mark zurück. Aber gibt es überhaupt eine Verteuerung? Oder empfinden wir sie nur?

Wer im Supermarkt unterwegs ist, staunt oft nicht schlecht: Hat zum Beispiel eine Leberwurst früher noch 89 Pfennig gekostet, muss man heute an der Kasse 79 Cent dafür berappen.

Da schleicht sich beim Verbraucher das Gefühl ein: Früher war alles billiger. Torsten Schmidt vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung erklärt dieses Phänomen: «Klar, wenn man den Preis von 89 Pfennig in Euro umrechnet, kommt man auf 46 Cent. Gleichzeitig muss aber die normale Teuerung berücksichtigt werden, die in der Zwischenzeit stattgefunden hat.» Zudem zeige der Preisindex für Leber- und Blutwurst des Statistischen Bundesamtes, dass es im Jahr vor der Euro-Bargeldeinführung zu erheblichen Preisanstiegen gekommen sei. «Diese ist aber in den folgenden Jahren wieder zurückgenommen wurden.»

Das bedeutet, die Leberwurst ist zwar teurer geworden – allerdings bereits vor der Einführung des Euros. Den Rest verschuldet die normale Verteuerung. Diese wird von Experten häufig als Grund für höhere Produktpreise genannt. Schmidt: «Die Preissteigerungen, die mit der Euro-Einführung in direktem Zusammenhang stehen, sind relativ gering. Lediglich in einzelnen Bereichen, zum Beispiel in der Gastronomie und bei Friseurdienstleistungen, konnte man deutliche Preissteigerungen beobachten.»

Tiefer in die Tasche greifen müssen wir seit Euro-Einführung beim Restaurantbesuch, einer Hotelübernachtung oder für einen Handwerker. Wer sich einen Fernseher kauft, spart dafür – die sind in den letzten zehn Jahren erheblich günstiger geworden. Das Gleiche gilt für viele Produkte aus dem Supermarkt – zum Beispiel Kaffee oder Butter.

Warum hat der Verbraucher dennoch den Eindruck, alles würde teurer werden, wenn es eigentlich gar nicht so ist? Ein Erklärungsversuch des Wirtschaftsexperten. «Für den Eindruck der Verbraucher sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Zum einen sind einige Produkte und Dienstleistungen wirklich teurer geworden. Zudem führte der Umrechnungskurs von 1,95583 D-Mark pro Euro dazu, dass die Verbraucher viele Preise bei der Umrechnung aufgerundet haben.» Und durch diese Aufrundung entstand der Eindruck einer Verteuerung - die allerdings gar nicht stattgefunden hat. «Schließlich wird gelegentlich vergessen, dass die Preise seit 2001 auch ohne die Einführung des Euro gestiegen wären», so Schmidt.

Schuld an den teureren Preisen ist auch die Inflationsrate. Diese beträgt im Schnitt seit der Einführung des Euro 2,2 Prozent. Damit war sie höher als die von der Europäischen Zentralbank (EZB) festgelegte Obergrenze von zwei Prozent. Torsten Schmidt erklärt die Überschreitung:« Man muss bedenken, dass in dieser Zeit mehrere Preisschocks aufgetreten sind. Nicht zuletzt ist an den starken Anstieg der Preise für Rohöl und anderer Rohstoffe der vergangenen Jahre zu denken. Der EZB ist es trotzdem gelungen, die Inflationsrate niedrig zu halten.»

Für den Handel war die Einführung des Euro unabdingbar. Auch in der aktuellen Finanzkrise zeigen sich die Vorteile der Europäischen Währungsunion. Die EZB konnte schneller auf die Liquiditätskrise im gesamten Euroraum reagieren. Zudem hat sich gar nicht soviel geändert, wie viele denken. Schmidt: «Die Bankensektoren in Europa wären heute auch ohne die Einführung des Euro stark verflochten. Ein gemeinsames Vorgehen der wirtschaftspolitischen Akteure wäre daher auch in diesem Fall notwendig gewesen.»

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