Raus aus dem Paradies
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 10.11.2008
Wie schützt man Inseln vor dem steigenden Meeresspiegel, wie vor dem Klimawandel? Weil auch der Präsident der Malediven auf diese Fragen keine Antwort kennt, will er seine Bevölkerung nun komplett umsiedeln. Nur wohin weiß er noch nicht.
Wie der britische Guardian in seiner Onlineausgabe berichtet, will Mohammed Nasheed, 41-jähriger Präsident der Malediven, die gesamte Bevölkerung umziehen lassen. «Wir können nichts tun, um den Klimawandel aufzuhalten und müssen uns daher gegen das Schlimmste wappnen und anderswo Land kaufen», wird das Inseloberhaupt zitiert.
Auf den etwa 1200 Inseln leben knapp 300.000 Menschen, etwa 22.000 von ihnen verdienen ihr Geld durch den Tourismus. Die 500 Meilen südlich Indiens gelegenen Inseln sind für Urlauber vor allem als Tauchparadies bekannt. Laut dem Guardian wird der Meeresspiegel hier bis zum Jahr 2100 um 59 Zentimeter ansteigen. Was nach wenig klingt, würde einer Katastrophe gleichkommen: Ein Großteil der Malediven liegt gerade einmal eineinhalb Meter über dem Meeresspiegel.
Als mögliche Ziele nennt Präsident Nasheed Indien oder Sri Lanka, vor allem aufgrund des ähnlichen Klimas, der vergleichbaren Kultur und Küche seien diese Länder interessant, auch über Australien habe er schon nachgedacht. Eigentlich aber wolle er seine Heimat gar nicht verlassen. «Wir wollen nicht weg von den Malediven, aber wir wollen auch keine Klimaflüchtlinge werden, die über Jahrzehnte in Zelten leben», sagt Nasheed.
Für das fast diktatorische Regime wäre der Umzug jedoch nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich eine Katastrophe. Die Malediven gehören zu den reichsten Ländern Südasiens mit einem jährlichen Durchschnittseinkommen von bis zu 3600 Euro. Doch auch hier wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer. Im Hafen der Hauptstadt Male liegen die Rennbote und Yachten so mancher Multimillionäre, während Schätzungen davon ausgehen, dass die Hälfte der Einwohner mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen muss.
Sollte sich eines der Wunschländer bereit erklären, die Flüchtlinge aufzunehmen, bliebe immer noch die Frage nach der Finanzierung. Doch auch darüber hat Nasheed schon nachgedacht. Er wolle einen «sovereign wealth fund», einen hoheitlich verwalteten Fonds aus den touristischen Einnahmen ins Leben rufen und sparen, so wie das arabische Länder auch getan hätten. «Kuweit investiert in Unternehmen, wir investieren in Land.»
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