Finanzkrise Lettland verstaatlicht Parex-Bank

Die Finanzkrise ist noch längst nicht vorbei: Jetzt hat es mit der Parex die zweitgrößte lettische Bank erwischt. Lettlands Regierung hat am Wochenende die angeschlagene Bank übernommen - für symbolische drei Euro.

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Gerade noch gerettet: Lettland kauft Parex-Bank. Bild: dpa

Ministerpräsident Ivars Godmanis verteidigte heute die Übernahme von 51 Prozent der Anteile. Nur so könne die Stabilität des lettischen Finanzsystems gesichert werden. Den bisherigen zwei Haupteignern zahlt die Regierung für die Aktien einen symbolischen Betrag von je einem Lat (1,4 Euro).

Die Banken in den drei baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen gelten schon längere Zeit als akut gefährdet. Sie haben ihr Wachstum in den letzten Jahren größtenteils durch fremde Gelder erzielt. Das ging bis zur Finanzkrise gut, doch seit sich die Banken misstrauen und gegenseitig keine Kredite mehr geben, hat sich die Lage immer weiter verschärft. Die so genannte Eigenkapitaldecke, also die Rücklagen der Bank für schlechtere Zeiten, ist zu niedrig.

Zuletzt haben sogar die Kunden ihrer Bank das Vertrauen entzogen, Ende vergangener Woche räumten sie aus Angst vor einem Zusammenbruch ihre Konten leer. Godmanis erklärte, dass Lettland nach derzeitigem Stand keine Hilfe beim Internationalen Währungsfonds (IWF) erbitten müsse. Man werde dies im Bedarfsfall aber tun. Als erste besonders hart von der Finanzkrise betroffene Länder haben Island und Ungarn IWF-Kredite beantragt.

Die Parex-Gründer und bisherigen Haupteigner Valery Kargin and Viktor Krasovitsky hatte die Lage ihrer Bank noch Ende Oktober als gesund bezeichnet und für die ersten drei Quartale des Jahres einen Gewinn von zwölf Millionen Lat ausgewiesen.

Der lettische Bankensektor wird mit dem landesweit größten Geldinstitut Swedbank und weiteren Banken von schwedischen Eignern dominiert. In Stockholm hieß heute aus mehreren Bankzentralen, dass keine Zusammenbrüche der führenden Banken zu befürchten seien. Allerdings stellt man sich darauf ein, dass auch hier zu Wochenbeginn verängstigte Kunden ihr Erspartes abheben.

Die baltischen Länder gehören seit 2004 der EU an. Sie erregten seit Ende der 1990er Jahre mit überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten internationales Aufsehen. Lettlands Regierung hält trotz der auf 15 Prozent gestiegenen Inflationsrate, eines gigantisch gewachsenen Zahlungsbilanzdefizits und der Erwartung von Minuswachstums am Plan fest, 2011 den Euro einzuführen.

fme

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