Börsengang verschoben Die Bahn steht

Es war eine Vollbremsung mit Ansage, und doch dürfte der harte Aufprall bei Bahn-Chef Hartmut Mehdorn für Kopfschmerzen sorgen. Der Börsengang seines Unternehmens wurde heute vorläufig gestoppt.

Vollbremsung Bahn (Foto)
Eingequetscht und zu Boden geschleudert - nun sind auch die Nahverkehrszüge der Deutschen Bahn nicht mehr sicher. Bild: ddp

Bereits Anfang der Woche hatte sich das Szenario angekündigt, als Bundesfinanzminister Peer Steinbrück Zweifel am bisherigen Zeitplan geäußert und einen Plan B in Betracht gezogen hatte. Mit der heutigen Entscheidung der Bundesregierung, den Börsengang zwei Wochen vor dem entscheidenden Datum zu stoppen, ist die Bahn ein weiteres Opfer der weltweiten Finanzkrise. Denn die, so hieß es, schlage offenbar auch auf die Bewertung dieser Teilprivatisierung durch.

Man habe «kein Geld zu verschenken» und werde voraussichtlich einige Wochen bis zum neuen Anlauf für den Börsengang warten, hatte die Nachrichtenagentur dpa aus Regierungskreisen erfahren. Der Lenkungsausschuss des Eigentümers Bundesregierung, dem Bahn-Vorstandsmitglieder und hohe Beamte aus den Ministerien für Wirtschaft, Finanzen und Verkehr angehören, wollte heute verschiedene Szenarios für eine Wiederaufnahme des Börsengang-Zeitplans diskutieren.

Ursprünglich sollte am kommenden Montag die Zeichnungsfrist für Privatanleger beginnen, Mehdorn wollte einen Tag später mit einer Werbetour bei institutionellen Investoren im Ausland starten. Beides ist jetzt abgesagt. Trotz der Zweifel des Finanzministers hatte die Bahn bis zuletzt an ihrem Vorhaben festgehalten, 24,9 Prozent ihrer Anteile am Personenverkehr, Güterverkehr sowie der Logistiksparte an die Börse zu bringen, was dem Unternehmen einen Erlös von rund 4,5 Milliarden Euro gebracht hätte. Und schon diese erwartete Summe hätte deutlich unter dem gelegen, was sich die Regierung noch im Frühjahr erhofft hatte.

Der Börsengang war nach jahrelangem Hin und Her über Art und Umfang das Schlüsselelement der Teilprivatisierung des letzten deutschen Staatskonzerns. Der Mutterkonzern Deutsche Bahn mit dem 34.000 Kilometer langen Gleisnetz und den Bahnhöfen sollte weiterhin beim Bund bleiben. Nun aber hat der Staat Hartmut Mehdorn einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mehdorn hatte immer wieder damit geworben, dass die Aktie für Anleger «ein sicherer Wert» sein werde und auf «erfreuliche Rückmeldungen» bei bisherigen Gesprächen mit Investoren verwiesen.

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