Island droht Bankrott
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Ein angeblicher Milliardenkredit aus Russland für das von der Finanzkrise erschütterte Island hat für Verwirrung gesorgt. Das Finanzministerium in Moskau dementierte eine Mitteilung der isländischen Nationalbank über ein Darlehen von vier Milliarden Euro.
«Es gab keine Verhandlungen und keine entsprechende Entscheidung», sagte der stellvertretende Finanzminister Dmitri Pankin nach Angaben der Agentur Interfax. Die isländische Nationalbank hatte zuvor mitgeteilt, Russland gewähre ein Milliarden-Darlehen mit einer Laufzeit von vier Jahren. Die Zentralbank in Reykjavik berief sich dagegen auf eine Zusage des russischen Botschafters in Island, Viktor Tatarinzew. Es hieß auch, der russische Regierungschef Wladimir Putin habe dem Kredit zugestimmt.
Mit einem Notstandsgesetz will die Nordatlantik-Insel einen drohenden Staatsbankrott als Folge der globalen Finanzkrise abwenden. Als Grund gilt die aggressive internationale Expansion der drei größten isländischen Banken. Die isländische Krone verlor seit einer Woche im Verhältnis zum Euro mehr als ein Viertel an Wert. In den vergangenen zwölf Monaten sank der Kurs um mehr als 70 Prozent. Ministerpräsident Geir Haarde sagte vor Verabschiedung des Gesetzes in der vergangenen Nacht, sein Land stehe vor der «reellen Gefahr», derart in die Bankenkrise hineingezogen zu werden, dass am Ende der Staatsbankrott stehe.
Mit dem sofort in Kraft getretenen Gesetz übernimmt die Regierung die totale Kontrolle über die Banken, der angebliche Kredit aus Russland sollte die Staatspleite zusätzlich abwenden helfen. Denn ob nationale staatliche Mittel ausreichen, um den gefährdeten Bankensektor zu stabilisieren, gilt als zweifelhaft. Das Bilanzvolumen der drei führenden Geldhäuser ist zehn Mal so groß wie das jährliche Bruttoinlandsprodukt. Als möglicher Ausweg werden in Reykjavik Mittel aus den nach internationalen Maßstäben sehr großen Pensionsfonds des Landes mit rund 300.000 Einwohnern angesehen.
Haarde kündigte als ersten Schritt den Verkauf von Auslandsaktivitäten der führenden Geldinstitute an. Die Regierung kann Banken umgehend verstaatlichen, zu Fusionen zwingen, Spitzenmanager auswechseln und Grenzen für deren Entlohnung setzen.
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