«Finanzkrisen wird es immer wieder geben»
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Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Artikel vom 15.08.2009
Konjunkturforscher sind derzeit gefragte Menschen. Ein junger Vertreter seines Fachs, Professor Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle, verrät im news.de-Gespräch, welche Krisentipps er privat parat hat.
Was finden Sie denn leichter? Das Wetter in einer Woche vorherzusagen oder die Entwicklung der Konjunktur für das nächste Jahr zu prognostizieren?
Holtemöller: Das ist eine schwierige Frage. Der Wettermann kann jederzeit aus dem Fenster gucken und sieht, wie das Wetter im Moment ist. Wir Konjunkturforscher bekommen unsere Daten dagegen mit einer Verzögerung von sechs Wochen, wenn es gut läuft. Aber seit Herr Kachelmann sein dichtes Netz an Wetterstationen aufgebaut hat, ist auch die Wettervorhersage genauer geworden. Und wir versuchen eben, möglichst viele Daten möglichst präzise auszuwerten. Aber ich denke schon, dass die Meteorologen von den Voraussetzungen einen etwas einfacheren Job haben.
Wie unterscheidet sich denn die Wettervorhersage von der Konjunkturforschung?
Holtemöller: Aus technischer Sicht sind die Unterschiede gar nicht mal so groß. Allerdings fehlen uns für die derzeitigen Verhältnisse einer umfassenden Wirtschaftskrise die Vergleichsdaten. Wir haben zwar das historische Ereignis der Weltwirtschaftskrise von 1930, aber die Erkenntnisse daraus kann man nicht eins zu eins auf die heutige Zeit übertragen.
Zwischen den Wirtschaftsforschungsinstituten herrscht ein harter Wettbewerb. Haben Sie in Halle im Vergleich die besseren Menschen oder die besseren Maschinen?
Holtemöller: Bei den computergestützten Systemen herrscht de facto ein Gleichstand. Da gibt es einen Wissensstand, den nutzen alle Institute. In Bezug auf unsere Mitarbeiter haben wir den Vorteil, dass wir eine relativ große makroökonomische Abteilung haben und daher unsere Analysen sehr detailliert ausführen können. Und wir haben mit unserem Schwerpunkt auf Integration und Transformation sowie einem genauen Blick auf die Entwicklungen in Ostdeutschland und Osteuropa sicher nicht die schlechtesten Karten.
Sie stellen im Oktober gemeinsam mit Ihren Kollegen der Bundesregierung das sogenannte Herbstgutachten vor. Denken Sie jetzt schon daran?
Holtemöller: Ja klar. Ich bin sehr gespannt. Ich werde mich besser vorbereiten müssen als die anderen, die das alles schon öfter gemacht haben. Respekt habe ich vor dem Termin, aber keine Angst.
Die Bundesregierung lässt neuerdings Sprachexperten komplexe Gesetze vereinfachen. Wäre das auch eine Option für die Konjunkturberichte?
Holtemöller: Jein. Dabei muss man genau unterscheiden, an wen die Ergebnisse gehen. Es ist klar, dass wir unsere Berichte in erster Linie an Experten richten. Die Pressemitteilungen sind dann schon verständlicher. Aber generell können wir in den Instituten sehr wohl sehr gut an einer verständlicheren Sprache arbeiten. Das gilt auch für grafische Darstellungen, die wiederum den Vergleich zu den anschaulichen Trichtergrafiken von Herrn Kachelmann nahe legen.
Deutschland ist immer als Exportweltmeister wahrgenommen worden. Hat die Exportorientierung überhaupt eine Zukunft?
Holtemöller: Der Begriff des Exportweltmeisters kommt mir immer etwas komisch vor. Absolut gesehen exportiert Deutschland sehr viel. Aber in der Relation zur Wirtschaftsleistung sind auch kleinere Länder sehr exportorientiert. Aber die deutsche Wirtschaft ist nun einmal gut darin, Produkte zu veredeln und mit dem Label «Made in Germany» zu exportieren. Das wird auch weiterhin so bleiben. Es ist allerdings kein Selbstläufer. Deswegen muss immer großer Wert auf die Ausbildung gelegt werden. Clevere Ingenieure werden hierzulande immer gefragt sein.
Hinter dem Titel «Exportnation» steht der Leitgedanke «Globalisierung». Sehen Sie Tendenzen, dass die wieder auf dem Rückzug ist und die Wirtschaft wieder kleinteiliger organisiert werden wird?
Holtemöller: Nein. Wenn, dann sind das eher kurzfristige Phänomene, wie die Protektionismusideen à la «Buy American». Mittel- und langfristig wird die Verflechtung eher noch größer werden. Allerdings wird es immer wieder Globalisierungsverlierer geben. Derzeit sind es wohl männliche Arbeitnehmer mit vergleichsweise geringer Qualifikation in Deutschland. Da wird man darüber nachdenken müssen, wie man gegen solche Probleme vorgeht.
Vor kurzem gab es eine neuerliche Debatte, ob in Deutschland Vollbeschäftigung möglich ist. Reden wir im Jahr 2020 denn überhaupt noch über die gleichen Probleme auf dem Arbeitsmarkt wie heute?
Holtemöller: Ich hoffe nicht. Es wird sicher andere Probleme geben. Es wird weiterhin eine Frage der Anreize sein, arbeiten zu gehen, das wird auch 2020 nicht gelöst sein. Möglich wäre es, diese Anreize zu verbessern, doch realistisch ist es nicht. Und im Hinblick auf die Altersstruktur wird es auf regionaler Ebene verschärfte Probleme geben. So wird es zum Beispiel in ländlichen Regionen in Ostdeutschland schwerfallen, Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage in Einklang zu bringen.
Wird die Krise eigentlich zum Dauerzustand?
Holtemöller: Naja, sagen wir es so: Es wird immer wieder Krisen geben und insbesondere wird es immer wieder Finanzkrisen geben. Derzeit erleben wir, dass es keinen Katastrophenplan für das Finanzsystem gibt. Wenn ein Zug entgleist, haben die Rettungskräfte das im besten Fall vorher schon einmal geprobt. Beispielsweise wurden beim Verkauf der SachsenLB die Entscheidungen in einer Wochenendsitzung getroffen. An einem Wochenende kann man die nötigen Informationen gar nicht zusammentragen und Ad-hoc-Entscheidungen sind selten optimal.
Können Sie das Wort Wirtschaftskrise eigentlich noch hören?
Holtemöller: Ja, ich kann es noch hören. Meine Frau hingegen kann es aber sicher nicht mehr hören. Aber ehrlich gesagt, ist es für mich persönlich gar nicht mal so schlecht. Ich werde in meinem Freundeskreis häufiger nach Rat gefragt, als je zuvor.
Welche Hinweise geben sie denn denen, die Ihren Rat brauchen?
Holtemöller: Vor allem: Passt auf, wo ihr euer Geld anlegt. Man sollte nie ein Produkt kaufen, von dem man nicht versteht, warum der Gegenüber einem das verkaufen will. Klassische Beispiele waren die Anlagen bei isländischen Banken oder in Lehman-Zertifikaten. Das waren natürlich auch teils eklatante Beratungsfehler von Seiten der Banken. Aber die Intention, jedem Prozentpunkt hinterher zu rennen, ist auch fragwürdig. Und wenn es um berufliche Probleme geht: Achte auf die Ausbildung. Wer gut ausgebildet ist, hat jederzeit Chancen.
Professor Oliver Holtemöller (38) leitet seit 1. August die Abteilung Makroökonomik am Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Damit ist er auch für die Gemeinschaftsdiagnose, das sogenannte Frühjahrs- und Herbstgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute mitverantwortlich. Holtemöller war zuvor Juniorprofessor für Allgemeine Volkswirtschaftslehre an der RWTH Aachen.
seh/news.de
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Kriege kosten nun mal Geld und von Jaffa Apfelsienen kann man sich keine hochmoderne Armee mit A-Waffen leisten.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Armen werden immer ärmer, die Reichen werden immer reicher. Dieses uralte Prinzip des Kapitalismus wird derzeit besonders deutlich, sieht man sich Kursschwankungen an der Börse an. "Experten" reden die Krise zwar bis jetzt noch schön, aber irgendjemand muss am Ende zahlen.
jetzt antwortenKommentar meldenHallo Ich stimme mit dem Beitrag von Herrn Peter Fischer VOLL ÜBEREIN . Ich brauche keine Regierung wen Banken u. Großkonzerne tun und lassen können wie sie es WOLLEN. Die Krise ist dan das RESULTAT !!!!!!!!!!!!!!!!
jetzt antwortenKommentar meldenSolange die Banken ungestraft und sogar noch mit Belohnung, schon wieder wertloses Zeug versuchen an den Mann zu bringen, um Ihren Aktionären wieder tolle Zahlen vorweisen zu können und nur Abzocken, wird sich die bewußt von den Banken herbeigeführte Wirstschaftskrise immer wieder einmal wiederholen. Aus diesem Grund sind diese sogannten Konjunktur- forscher so überflüssig wie der Dreck auf der Straße.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Aussagen von Herrn Holtemöller machen im wesentlichen deutlich das es viele überflüssig bezahlte Einrichtungen gibt die sich überwissenschaftlich mit den Problemen der Gegenwart befassen man kann sie analog den klugen Ranking Agenturen einordnen. Jeder einigermassen gut ausgebildete Mensch mit allgemeinwissen kann analoge Antworten geben -das praktische Leben reagiert anders.Das Problem der Krisen ist Systembedingt -dem Staat käme und kommt die Verantwortung zu zu steuern und schnell zu reagieren auch mit Gesetzen die zb Reglungen für Banken festlegen u.vieles mehr.Das beste Beispiel ist doch das Banken schon wieder mit Wertpapieren pokern und nicht mit günstigen Firmenkrediten Wirtschaft ankurbeln.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Krise in der Krise es ist doch alles Geschwätz den diese werden von bestimmten Personengruppen herbeigeführt und dann grossmächtig aus- geschlachtet da muss man kein Analyst sein wenn man auf ein wertloses Papier viel setzt hat man schon verloren ich frage mich nur wennn einer verliert muss doch der andere gewinnen wo sitzen die Gewinner habe bis heute in den Medien nichts davon gelesen.
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