0,3 Prozent Wirtschaftswachstum Nur ein Tropfen

Der Schub für die deutsche Wirtschaft könnte nur kurzlebig sein. (Foto)
Der Schub für die deutsche Wirtschaft könnte nur kurzlebig sein. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Deutschland jubelt wegen 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum. Ein Plus, wie klein es auch immer sein mag, ist immer besser als ein Minus. Aber ein Plus lässt sich auch leicht zurechtrechnen. Deutschland steckt noch immer in einer tiefen Krise. Eine Einschätzung.

Die schwerste Rezession scheint überstanden. Die deutsche Wirtschaftsleistung gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent. Die Betonung liegt an dieser Stelle aber auf Vorquartal. Denn im Vergleich zum Vorjahr sieht die Sache schon ganz anders aus.

Wie stark die Wirtschaft wirklich unter den Folgen der weltweiten Finanzkrise leidet, zeigt der Vergleich mit dem zweiten Quartal des Vorjahres: Und danach brach das BIP um 7,1 Prozent ein. «Einen stärkeren Rückgang gab es noch nie in der Nachkriegszeit», sagte ein Mitarbeiter des Bundesamtes für Statistik.

Demnach müssen diese 0,3 Prozent schon umfassend interpretiert werden, bevor Deutschland zu einer Jubelfeier wie bei der Fußballweltmeisterschaft startet. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass es sich zu einem bedeutenden Teil um einen gestützten Aufschwung handelt. So ließ ein Experte des Statistischen Bundesamtes am Vormittag verlauten: «Es sind Spuren der Konjunkturprogramme in den Zahlen zu erkennen. Das gilt sowohl für den Konsum wie auch für das Steueraufkommen und die Bauinvestitionen.»

Der private Konsum ist auch deshalb stabil geblieben, weil die staatlich finanzierte Kurzarbeit als Alternative zur Arbeitslosigkeit den Betroffenen zumindest eins gibt - Hoffnung. Hoffnung, dass es bald wieder mehr Aufträge in ihren Unternehmen gibt. Auch dadurch werden die Menschen bei Kauflaune gehalten.

Der für Deutschland so entscheidende Außenhandel stärkte das Wachstum dagegen nur minimal. Denn aufgrund der Flaute der Weltwirtschaft sank die Nachfrage nach deutschen Exportgütern weiter. Nur dadurch, dass die Importe noch stärker zurückgingen als die Exporte, ist der positive Beitrag des Außenhandels zu erklären.

Sicher kann man davon ausgehen, dass Deutschland als führender Hersteller von Investitionsgütern stark davon profitieren wird, wenn sich die Weltwirtschaft wieder erholt. Die Betriebe an vielen Orten der Welt müssen ihre Maschinenparks erneuern. Diese Investition haben viele wegen der Wirtschaftskrise verschoben.

Doch die Frage ist, wie lange die Deutschen in dieser exportabhängigen Branche als Hochpreisland noch ganz vorne mitspielen können. Denn die künftig wichtigen Exportmärkte sind Schwellenländer wie China und Indien. Und dort herrscht im Gegensatz zu Frankreich und den USA ein starker Wille, alles selbst herstellen zu wollen anstatt es zu importieren.

Apropos USA. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten steckte und steckt noch ganz tief in der Wirtschaftskrise, könnte aber auch schneller als Deutschland wieder herauskommen. Es klingt zwar hart, aber das amerikanische Wirtschaftsmodell mit seiner Hire-and-Fire-Politik scheint sich einmal mehr zu bewähren. So schreibt die Financial Times Deutschland: Durch die Kündigung vieler Mitarbeiter - Ökonomen nennen diese Radikalkur gern Verschlankung - habe sich die Leistung der Beschäftigten pro Arbeitsstunde um mehr als sechs Prozent erhöht; bei gleichzeitig kaum noch steigenden Lohnkosten.

Damit könnten die ersten Unternehmen wieder satte Gewinne einfahren und über Neueinstellungen nachdenken. In Deutschland hätten die Betriebe auf Entlassungen bislang verzichtet, so die Zeitung. Das Ergebnis sei ein drastischer Rückgang der Produktivität und ein enormer Anstieg der Lohnstückkosten. Skeptiker befürchten nun, dass der deutschen Wirtschaft eine ähnliche Radikalkur wie den USA noch bevorsteht.

Und das wird besonders die Automobilindustrie treffen. Die Abwrackprämie hat hier den nötigen Kapazitätsabbau nur verschoben. Experten sprechen seit Jahren davon, dass die europäischen Autobauer 30 Prozent ihrer Fertigungskapazitäten abbauen müssten. Und das müssen sie auch deshalb, weil nach den Japanern und den Südkoreanern in Zukunft auch die Autobauer aus China und Indien verstärkt auf dem Weltmarkt drängen.

Weiterführende Links:

Kommentar zur Abwrackprämie: Die Amis kopieren uns besser
Bedrohungen der Zukunft: Die Krisen nach den Krisen
Prognose: Wo in Zukunft neue Arbeitsplätze entstehen
Der Blick in die Zukunft: Die Wirtschaftsforscher sehen ein «U»
Kommentar zur Wirtschaft 2010: Verschließe nicht die Augen, Deutschland!

Aus dem Netz:

Die Kollegen der «Financial Times Deutschland» haben aufgeschlüsselt, welche Branchen wie stark vom Aufschwung profitieren

seh/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 3
  • 15.08.2009 08:59

Was machen denn die Politiker und die Beamten außer die Steuergelder zu verschwenden die sie ja selber nich mal verdienen. Ihre Bezüge steigen trotz Wirtschaftskriese weiter und jeder Politiker und Beamter versucht doch nur seinen eigenen Ar... zu retten. Wenn ich sehe wieviele Beamte nur auf der Suche sind neuen Bürokratismus aufzubauen um ihre Daseinsberechtigung zu untermauern wird mir schlecht. Und dies wird sich nie ändern denn wie sagt man so schön " Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus " man sollte wiklich mal überlegen NPD zu wählen.

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  • Kommentar 2
  • 14.08.2009 01:46

Tja, typisch neoliberaler globalisierter Kapitalismus: ArbeitnehmerInnen entlassen, dem Rest der Arbeitnehmerschaft mehr aufbürden (ganz abgesehen von deren physischer u. psychischer Belastung), dadurch Produktivität steigern, neuerliche Gewinne einfahren und über Neueinstellungen lediglich nachdenken. Es trifft der Begriff ´Humankapital´ voll ins Schwarze. Abstellbar, abwrackbar wie eine Maschine ... Schöne neue Welt, Du dauerst mich. Schöne neue Welt, Du bist nichts für mich. Schöne neue Welt, läßt die ArbeiterInnen im Stich. Schöne neue Welt, wie inhuman und widerlich.

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  • Kommentar 1
  • 13.08.2009 17:00

Dieses böse Wort: REZESSION. Mit bischen Hirn im Kopf hätten die Politiker und Wirtschaftsmanager doch voraus sehen können, dass das mal in die Hose gehen muss. Es kann nicht auf Biegen und Brechen produziert werden, wenn der Markt übersättigt ist. Beste Beispiel, die Autoindustrie, egal bei welcher Marke, die Halden waren übervoll. Im Stahlbau, die Schrotthändler haben sich goldene Nasen verdient, weil die Preise in astronomische Höhen geschossen sind. Mit einem Mal, SCHLUSS, es werden keine Endprodukte mehr gekauft. Die Banken bekommen die Kredite nicht zurück, weil kein Geld mehr da ist.

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