Weniger Gäste in Deutschland
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Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Artikel vom 10.08.2009Wegen der Wirtschaftskrise sind im ersten Halbjahr weniger Touristen aus dem Ausland nach Deutschland gekommen. Vor allem die Amerikaner blieben aus. Den Einbruch kann auch die zunehmende Liebe der Deutschen zum Urlaub in der Heimat nicht ausgleichen.
Die Zahl der Übernachtungen von ausländischen Gästen sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ganze sieben Prozent. Das berichtete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Insgesamt verbuchten Hotels, Pensionen, Ferienhäuser und Campingplätze von Januar bis Juni nur noch 162,6 Millionen Übernachtungen, das war ein Minus von zwei Prozent. Während vor allem Hotels und Reha-Kliniken Rückgänge meldeten, waren Ferienwohnungen und -häuser stärker gefragt.
Ausländer würden in Deutschland insbesondere große Städte wie Berlin, Hamburg und Köln besuchen, sagt Nicole Habrich vom Deutschen Tourismusverband (DTV). Vor allem die Zahlen der Gäste aus den USA, die in Deutschland nach den Holländern zu den wichtigsten Besuchergruppen zählen, sind zurückgegangen - um 13 Prozent, wie die Statistiker meldeten. Das liege vor allem an der Wirtschaftskrise, erklärt Nicole Habrich.
Während ausländische Touristen im Westen bereits zum Stadtbild dazugehören, seien sie in vielen Regionen Ostdeutschlands unterrepräsentiert, sagt Karl Born, Professor für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Harz in Wernigerode. Das liege unter anderem daran, dass in amerikanischen Reiseführern zum Teil vor Tätlichkeiten gegen Ausländer beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt gewarnt werde.
Obwohl Leipzig und Dresden in den vergangenen Jahren an Bedeutung für den Tourismus aus dem Ausland dazugewonnen haben, seien auch diese Städte im Vergleich zu Städten in Westdeutschland weniger gefragt.
Das starke Wachstum der Besucherzahlen von Dresden in den vergangenen Jahren erklärt Born zum einen damit, dass es von einem niedrigen Niveau gestartet sei. Zum anderen liegt es nach Einschätzung des Professors an dem Interesse für die Eröffnung bestimmter Sehenswürdigkeiten wie der Frauenkirche.
Mittlerweile stagniert aber auch das Wachstum der Besucherzahlen in Dresden. Die regionale Presse wirft der Stadtverwaltung bereits vor, den Bau von viel zu vielen Hotels genehmigt zu haben, obwohl bereits jetzt die Betten nicht ausgelastet seien. Dass die sinkenden Besucherzahlen Dresdens mit dem Streit um das Welterbe zu tun haben könnten, glaubt Karl Born aber nicht: «Ein Großteil der Ausländer will Deutschland insgesamt bereisen. Da zählt der Welterbetitel nicht primär.»
Für Deutschland ist der Tourismus insgesamt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden. Die Bruttoumsätze belaufen sich nach Berechnungen der dwif-Consulting GmbH auf jährlich rund 212,7 Milliarden Euro. «Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus wird im Land der ‹Reiseweltmeister› immer wieder unterschätzt», sagt DTV-Präsident Reinhard Meyer. «Dabei ist und bleibt Deutschland das beliebteste Reiseziel der Deutschen und ist Gastgeber für über 16 Millionen ausländische Urlauber.»
Aber dass der Inlandstourismus die sinkende Nachfrage aus dem Ausland abfedern kann, das glaubt Karl Born nicht. «Wenn man die Medien liest, wollen alle nur noch Urlaub in Deutschland machen. Dieser Boom wird aber überschätzt», so der Professor. Seiner Einschätzung nach war es vor allem die gestiegene Nachfrage aus dem Ausland, die für den Wachstum des Tourismusgeschäfts in den vergangenen Jahren verantwortlich sei. Der Trend der Deutschen, im Haupturlaub ins Ausland verreisen zu wollen, sei ungebrochen. Nur bei den Zweit- und Drittreisen habe es eine Steigerung für deutsche Reiseziele gegeben.
Weiterführende Links:
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