Investoren Die Russendisko ist vorbei

Russische Investoren sind derzeit auf der Suche nach Land. (Foto)
Russische Investoren sind derzeit auf der Suche nach Land. Bild: ddp

Von news.de-Redakteuren Konrad Rüdiger und Christian Mathea
In mehreren deutschen Wirtschaftskrimis mischen russische Finanziers mit. Ob bei Opel oder Wadan, Investoren aus Russland sind präsent. Doch sie können den schwer reichen arabischen Investmentfonds nicht mehr das Wasser reichen.

Was waren das für überschwängliche Zeiten. Befeuert von einer Rally an den Rohstoffmärkten verdiente der russische Staat und die von ihm abhängigen Oligarchen Milliarden. Auch nach Deutschland schwappte eine große Welle an Kapital zurück. Das Wachstum russischer Direktinvestitionen verdreifachte sich nach Angaben der Bundesbank von 1,03 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 3,5 Milliarden Euro in 2007.

Die Euphorie kannte kaum Grenzen. So sagte der Finanzanalyst Martin Beier damals während eines Interviews im WDR: «Die Russen können alles kaufen. Alleine mit den Einnahmen von sieben Tagesförderungen Gas könnten sie RWE aufkaufen. Mit dem Wert einer Jahresförderung Gas wäre es sogar möglich, alle 30 wichtigen deutschen Konzerne an der Börse aufzukaufen und dabei den doppelten Kurs zu bezahlen.» Ähnlichkeiten mit arabischen Investoren, deren Budgets von stetig sprudelnden Petrodollars leben, waren nicht zufällig.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Der Ölpreis hat sich im Vergleich zum Vorjahr halbiert, was sich auch auf den Gaspreis ausgewirkt hat. Somit fehlt den Russen schlichtweg das Geld für neue Einkaufstouren im Westen. Das bestätigt auch Andreas Metz vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft. Die für russische Verhältnisse hohen Direktinvestitionen in Deutschland bis zum vergangenen Jahr seien durch die hohen Rohstoffpreise und die gute Konjunktur zu erklären. Dagegen hätten Energiekonzerne wie Gazprom heute aufgrund des sinkenden Gaspreises Probleme, überhaupt die Erschließung neuer Felder finanzieren zu können.

Auch die beiden russischen Staatsfonds - der Wohlstandsfonds und der Reservefonds - hätten gegenwärtig nicht genügend Kapital für Investitionen im Ausland, schätzt Metz. Diese Gelder (zusammen etwa 180 Milliarden Euro) seien derzeit vor allem dafür vorgesehen, den russischen Staatshaushalt zu stabilisieren. Das geplante Investment an Opel ist nach Einschätzung von Metz nur eine Ausnahme, die nur durch die Hilfe der halb staatlichen Sberbank möglich sei.

Dass die Handelsströme, wenn überhaupt, eher in Richtung Russland tendieren, ist kein Wunder. Die derzeitige Schwäche des Rubel gegenüber dem Euro macht es Unternehmern aus dem Riesenreich schwer. Ende vergangenen Jahres verlor der Rubel gegenüber dem Euro rund 20 Prozent an Wert. In diesem Zeitraum beendete beispielsweise der Milliardär Leonard Blavatnik sein Engagement bei der Fluggesellschaft Air Berlin.

Doch noch immer sind russische Investoren in deutschen Unternehmen präsent. Der russische Milliardär Alexej Mordaschow hat erst im vergangenen Jahr seinen Anteil am deutschen Touristikkonzern Tui ausgeweitet. Rustam Aksenenko ist derweil mit gut 20 Prozent am schlingernden Modekonzern Escada beteiligt.

Für Aufsehen sorgte zuletzt die Meldung, dass die russische Staatsbahn RZD bei der Privatisierung der Deutschen Bahn mitmischen möchte. Über die deutsche Eisenbahnindustrie mit Unternehmen wie Siemens und Bombardier sind die beiden Unternehmen seit vielen Jahren eng verbunden. Ob der Deal nun zustande kommt, ist fraglich. Unwägbar sind die Finanzierungsprobleme bei RZD, die selber auf Finanzspritzen des Staates angewiesen sind als auch die Vorbehalte in der Konzernspitze der Deutschen Bahn, die eine direkte Beteiligung ablehnt.

Vergeblich dürften auch die Hoffnungen der Arbeiter der Wadan-Werften in Wismar und Rostock sein. Miteigentümer von Wadan war bis zum Insolvenzverfahren die russische Investmentgesellschaft FLC West, die wie viele ähnliche Firmen von Zypern aus agiert. Sie und ihr Miteigentümer Andrej Burlakow werden nun von der Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern für die Pleite der Werft verantwortlich gemacht, da sie angekündigte Zahlungen nicht geleistet hätten.

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