Nach Porsche-Integration Attacke auf das VW-Gesetz

Bleibt Porsche eigenständig oder bleibt von dem Autobauer nur noch die Marke übrig? Darüber streiten sich die Experten. Autoexperte Dudenhöfer glaubt, das Stuttgarter Traditionsunternehmen wird sich im VW-Konzern auflösen.

Nach der Integration von Porsche ist das VW-Gesetz umstrittener den je. (Foto)
Nach der Integration von Porsche ist das VW-Gesetz umstrittener den je. Bild: ap

Nach dem Übernahmekrimi von Volkswagen und Porsche und dem Aus für Porsche-Chef Wendelin Wiedeking müssen die beiden Autobauer weitere Details beraten und Machtbereiche abstecken. Außerdem deutet sich eine Diskussion um eine Kapital-Beteiligung für die Arbeitnehmer in dem neuen Konzern an, wie die IG Metall sie fordert.

Europas größter Autobauer übernimmt nach der Entscheidung von Donnerstag die hochverschuldete Sportwagenschmiede und strebt an die Weltspitze. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet unterdessen damit, dass Porsche seine Eigenständigkeit verliert. Ledigliche die Marke werde übrig bleiben. Vertrieb und Teile der Entwicklung würden von Volkswagen übernommen, die Porsche-Bank in die VW-Bank integriert und die Produktion an VW-Standards angepasst werde. «In fünf Jahren wird es bei Porsche 10 bis 20 Prozent weniger Mitarbeiter geben», prognostizierte Dudenhöffer.

Der Porsche-Betriebsratsvorsitzende Uwe Hück wies solche Einschätzungen als «Blödsinn» zurück. «Es wird Eigenständigkeit geben», sagte er am Donnerstagabend in den ARD-Tagesthemen. Porsche werde weiter allein über Produktion, Entwicklung und Verkauf entscheiden. Hück kritisierte zugleich den Umgang der Medien mit Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in den vergangenen Wochen. «Er ist ja öffentlich hingerichtet worden», rügte der Betriebsratschef. Wiedeking habe Porsche 17 Jahre lang «groß gemacht». Es sei «unanständig» und «sehr traurig», dass er derart angefeindet worden sei.

Dass Porsche und VW nun miteinander verschmelzen ruft aber auch neue Diskussionen um das VW-Gesetz, das Niedersachsen einen Einfluss auf das Unternehmen sichert, auf den Plan. «Es gibt keinen Grund, ein Unternehmen auf diese Weise zu privilegieren», sagte der CDU-Europaabgeordnete Klaus-Heiner Lehne der Berliner Zeitung. Bislang werde eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof verschleppt.

Der EuGH hatte 2007 das VW-Gesetz für unvereinbar mit EU-Recht erklärt, da es den freien Kapitalverkehr einschränke und eine feindliche Übernahme unmöglich mache. Die Bundesregierung überarbeitete 2008 das Gesetz, behielt aber die 20-prozentige Sperrminorität Niedersachsens bei. Das hatte auch Folgen für den Übernahmepoker zwischen Volkswagen und Porsche, in den Niedersachsens Regierung massiv eingriff. Lehne sagte der Zeitung: «Ohne das VW-Gesetz wäre dieser Streit anders ausgegangen.»

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der ursprünglich VW schlucken wollte und zum Abschied von der Belegschaft gefeiert wurde, trat nach der Niederlage gegen VW-Patriarch Ferdinand Piëch zurück. Der Wolfsburger Konzern will Porsche bis Mitte 2011 schrittweise als zehnte Marke in das neue Autoimperium einbauen. Neuer milliardenschwerer Großaktionär wird das Wüstenemirat Katar.

Der neue starke Mann im VW/Porsche-Konzern dürfte VW-Vorstandschef Martin Winterkorn werden. Die Familien Porsche und Piëch werden mit mehr als 50 Prozent der Aktien Mehrheitseigner des künftigen Konzerns. Danach folgt Niedersachsen mit 20 Prozent. Das Emirat Katar werde zunächst 17 Prozent aus den Optionen von Porsche an VW erwerben.

Die Konkurrenz dürfte diese Wandlung zum Markt-Giganten aufmerksam verfolgen: Denn nach Ansicht des Branchenexperten Willi Diez könnte das Zusammengehen von VW mit Porsche für die deutschen Autobauer Daimler und BMW gravierende Folgen haben. «Daimler und BMW wissen hoffentlich, was auf sie zukommt», sagte der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen/Steige dem Bremer Weser-Kurier. Der Experte empfahl den beiden Premiumherstellern, ihre alten Kooperationspläne wieder zu intensivieren.

Weiterführende Links:

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ham/news.de/dpa/ddp

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