Integrierter Konzern Porsche wird Teil von Volkswagen

Mit dem Abgang Wendelin Wiedekings bei Porsche geht auch die Zeit der uneingeschränkten Eigenständigkeit des Sportwagenbauers zu Ende. Porsche wird Teil von VW, soll aber als eigene Marke weitergeführt werden.

Porsche wird in absehbarer Zeit Teil von VW sein. (Foto)
Porsche wird in absehbarer Zeit Teil von VW sein. Bild: dpa

Der Weg für einen neuen VW/Porsche-Konzern ist nach den Worten von VW-Vorstandschef Martin Winterkorn frei. Der VW-Aufsichtsrat habe einem entsprechenden Konzept zugestimmt, sagte Winterkorn nach einer Sitzung des Kontrollgremiums in Stuttgart. Dieses Konzept solle nun ausgearbeitet werden. Der neue Großkonzern solle zu einem «Kraftfeld» in der weltweiten Automobilindustrie werden, so Winterkorn. Porsche solle aber ein «eigenständiges Label» bleiben.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) gab als Ziel für den neuen Konzern die internationale Weltspitze der Automobilbranche aus. VW/Porsche solle zum weltgrößten Autobauer werden, sagte er.

Nur kurz vor dem Statement Winterkorns hatte der abgesetzte Wiedeking bei einer Betriebsversammlung in Zuffenhausen erklärt, die Arbeitsplätze der Porsche-Mitarbeiter seien nicht in Gefahr. «Ihr habt sichere Arbeitsplätze», sagte er. Auch zu seinem Rücktritt äußerte sich Wiedeking: «Es tut mir in der Seele weh.» Die Entscheidung habe er bereits am vergangenen Wochenende getroffen.

Grund sei gewesen, dass der Stuttgarter Autobauer zunehmend unter dem Konflikt mit VW gelitten habe: «Es muss aufhören mit der Beschädigung von Porsche.» Die Entscheidung für einen integrierten Konzern sei daher richtig.

An den neuen Konzern wird das Emirat Katar neuer Großaktionär. Katar soll den Plänen nach in einem ersten Schritt etwa 17 Prozent an Volkswagen übernehmen. Der Anteil solle nach der Verschmelzung von Porsche mit VW auf 19 Prozent erhöht werden.

Katar gelangt an die VW-Beteiligung durch den Kauf von Aktienoptionen, die derzeit noch Porsche hält. Das Emirat räume Porsche zudem einen Kredit in Höhe von 750 Millionen Euro ein, damit der Stuttgarter Sportwagenbauer einen VW-Kredit in gleicher Höhe zurückzahlen kann.

Katar bezahle für die VW-Optionen von Porsche fünf Milliarden Euro. Das Geld fließe an Banken. Porsche hatte sich bei den beteiligten Banken zwar Optionen auf VW-Aktien gesichert, diese aber angesichts der enorm hohen Verschuldung nicht wie geplant in Aktien umwandeln können. Für Porsche verringerten sich aber mit dem Verkauf der Optionen an Katar die Verpflichtungen. Das Emirat Katar habe den Schwerpunkt darauf gelegt, sich an einem integrierten VW/Porsche-Konzern zu beteiligen, hieß es.

Katar soll sich 2011 unmittelbar vor der Verschmelzung noch einmal mit bis zu zehn Prozent an der Porsche Holding beteiligen, um nach der Verschmelzung den VW-Anteil von 17 Prozent auf 19 Prozent zu erhöhen. Dann würden die Familien Porsche und Piëch unter 50 Prozent an Volkswagen halten, das Land Niedersachsen knapp über 20 Prozent und Katar 19 Prozent.

Der Porsche-Aufsichtsrat hatte nach einer Marathonsitzung zur Zukunft des hoch verschuldeten Sportwagenbauers am Donnerstagmorgen mitgeteilt, der Vorstand sei beauftragt worden, den Einstieg von Katar abschließend zu verhandeln.

Weiterführende Links:

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seh/ruk/news.de/dpa/ap

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