Wiedekings Jobchancen Zwischen Vorträgen und Schuhgeschäften

Porsche wird in Zukunft ohne Wendelin Wiedeking am Steuer weiterfahren. Doch was wird der Manager nun mit seiner Zeit anfangen? News.de hat in der Vergangenheit des Wendelin Wiedeking geforscht und seine Jobchancen ausgelotet.

Ob er bereits über neue Herausforderungen nachdenkt? (Foto)
Ob er bereits über neue Herausforderungen nachdenkt? Bild: dpa

Wiedeking selbst hält sich bisher zu langfristigen Plänen für seine Zukunft bedeckt. Zuerst will der 56-Jährige wohl sein Image ein wenig aufpolieren. Einen ersten Schritt hat er gemacht: Am Vormittag kündigte er an, die Hälfte seiner 50-Millionen-Euro-Abfindung in eine wohltätige Stiftung zu stecken: «Persönliche Gründe, aber auch meine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, veranlassen mich, einen erheblichen Betrag für soziale Zwecke zur Verfügung zu stellen», erklärte er.

Auch wird er in Zuffenhausen nicht plötzlich von der Bildfläche verschwinden. Wiedeking darf trotz seines Abgangs weiter beratend für den Sportwagenbauer aktiv werden.

Aber diese Engagement wird einen ehemaligen Top-Manager wohl eher nicht reichen, den Tag zu füllen. Ob Wiedeking deshalb bereits zu Hause fleißig Bewerbungen schreibt? Einen vorzeigbaren Lebenslauf hätte er jedenfalls. Und bei einigen Unternehmen, bei denen er früher Station gemacht hat, könnte er erneut versuchen, unterzukommen.

Den Chefposten der Glyko Metallwerke KG, in der Wendelin Wiedeking im Jahr 1988 begann und ein Jahr später die Geschäftsführung übernahm, kann er heute allerdings nicht mehr übernehmen. Denn Glyko wurde im Jahr 1990 von General Mogul geschluckt - einem der größten Automobilzulieferer der Welt mit Stammsitz in den USA. Zwar sei man bei General Mogul gegenüber deutschen Spitzenmanager nicht abgeneigt, sagte ein Sprecher des Konzerns auf news.de-Anfrage. Jedoch sei ihm nicht bekannt, dass es gegenwärtig vakante Stellen in der höheren Führungsebene gebe.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Wiedeking demnächst ins Schuhgeschäft einsteigt. Ganz neu wäre auch das für ihn nicht. Bereits seit dem Jahr 2005 hält der ehemalige «Europas Manager des Jahres» 30 Prozent der Anteile an der Schuhmanufaktur Heinrich Dinkelacker in Bietigheim-Bissingen.

Dass sich Wiedeking in Zukunft noch stärker bei Dinkelacker engagiert, ist nach Unternehmensangaben aber noch nicht geplant. Auf Anfrage hieß es dazu: «Für eine derartige Entscheidung ist es noch zu früh.» Falls der ehemalige Porschechef in Zukunft die Geschäfte der Firma übernehmen sollte, könnten regelmäßige Flüge Wiedekings nach Budapest ein Indiz sein. Denn die Werkstätten von Dinkelacker sind in der ungarischen Hauptstadt.

Und auch als Ausbilder junger Menschen könnte Wiedeking sich in den nächsten Jahren engagieren. Denn als Ausbilder hat Wiedeking bereits bei seinem Nachfolger Michael Macht ein gutes Händchen bewiesen. Es wird angenommen, dass der die Ideen Wiedekings bei Porsche weiterentwickeln wird. Wiedeking selbst könnte sein Wissen problemlos an einen noch viel größeren Kreis von jungen Menschen weitergeben.

An der Handelshochschule Leipzig, an der Wiedeking seit dem Jahr 2005 Ehrendoktor ist, würde er jedenfalls mit Kusshand für mindestens zwei feste Vorlesungsreihen genommen werden, sagt Sprecher Volker Stoessel. Wegen der starken Marke Porsche denke er an eine Vorlesung über Marketing-Management. Außerdem, so Stoessel, könne er sich eine Vorlesungsreihe über strategisches Management mit Wendelin Wiedeking vorstellen.

Nicht zuletzt in der Automobilbranche sollte Wiedeking durchaus noch Chancen haben. «Grundsätzlich ist Wendelin Wiedeking ein sehr fähiger Automobilmanager», lobt ihn beispielsweise Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. «Er hat sehr gute Fähigkeiten, was die Sanierung eines Unternehmens betrifft», sagt Bratzel. Zudem habe er sehr gute Kenntnisse im Sportwagengeschäft.

Bevor der Ex-Porschechef aber zu neuen Herausforderungen greift, empfiehlt Bratzel dem Manager eine «Denkpause». «Wiedeking hat eine sehr exponierte Stellung gehabt, aber die Art und Weise seines Vorgehens war sehr umstritten», meint der Professor und gesteht ihm zu, dass Wiedeking zwar frühzeitig erkannt habe, dass ein kleiner Automobilhersteller keine Chance ohne einen größeren Autobauer habe. Jedoch sei die David-gegen-Goliath-Strategie der falsche Weg gewesen.


Weiterführende Links:

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seh/news.de

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