Mo., 13.02.12

Akademikerverdienste «Die Medienbranche trägt die rote Laterne»

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Artikel vom 22.07.2009

Wer studiert hat, will sich nicht mit einem dreistelligen Gehalt zufrieden geben. News.de sprach mit Personalberater Jürgen Bühler über die Schwächen der Hochschüler, Abschlüsse, und darüber, welche Branchen vielversprechend sind.

Herr Bühler, wie finden Studenten nach dem Studium einen gut bezahlten Job?

Bühler: Profilierte Lebensläufe und passende Fachkenntnisse sind entscheidend. Mindestens genauso wichtig ist es aber, persönliche Netzwerke zu nutzen, also Kommilitonen, Professoren oder Vorgesetzte, etwa aus einem früheren Praktikum, auf die Jobsuche anzusprechen.

Wie handelt man als Hochschulabsolvent ein gutes, aber realistisches Gehalt heraus?

Bühler: Man muss seine Fähigkeiten gut einschätzen, vor allem, ob diese einem Unternehmen langfristigen Mehrwert bieten. Ein selbstbewusster, aber mindestens ebenso kritischer Blick auf den eigenen Werdegang ist wichtig. Darüber hinaus lohnt sich ein Blick in Gehaltsstudien und viele Informationen über die Zielbranche und deren Tarifverträge zu sammeln.

Warum fällt es vielen Absolventen schwer, ihren Marktwert einzuschätzen?

Bühler: Es gibt nicht allzu viele Informationen über die Gehälter von Nachwuchskräften, die öffentlich zugänglich sind. Viele Unternehmen, die solche Studien machen, zielen eher auf die Arbeitgeber ab und verkaufen ihre Ergebnisse zu hohen Preisen. Solche Kosten können Absolventen kaum bestreiten. Im angelsächsischen Raum ist das anders. Die Gehälter werden dort in Stellenausschreibungen sogar sehr prominent platziert. In Deutschland wird darum oft ein großes Geheimnis gemacht und erst im Vorstellungsgespräch diskutiert.

Junge Leute studieren meist mit dem Ziel, später gut zu verdienen. Doch woher weiß man, ob die Zielbranche in fünf Jahren gut bezahlt?

Bühler: Zunächst ist es ohnehin schwierig, direkt nach dem Job in einen gut bezahlten Beruf zu rutschen. Optimistisch kann man aber im Ingenieurwesen und der Automotivebranche sein. Obgleich man sich in der aktuellen Krise deutlich mehr anstrengen muss. Nachwuchsingenieure mit guten Noten und vielen Praktika sind immer gefragt, viele haben sogar schon durch von Unternehmen vergebene Abschlussarbeiten einen Fuß in der Jobtür. Wer ein Studium belegt, weil in der Branche gut gezahlt wird, sich damit aber quält, riskiert von vornherein, es nicht zu schaffen.

Müssen Berufsanfänger Abstriche bei der Balance zwischen Arbeiten und Leben machen, um gut zu verdienen?

Bühler: In einigen Bereichen durchaus. Gerade wenn man in der Beraterbranche tätig wird. Das ist aber auch abhängig von der aktuellen Marktlage. Wenn die Auftragslage brummt, muss das Private hinten anstehen. Das ist auch der Fall, wenn man fachliche Defizite hat.

Eine Studie ihres Unternehmens hat gezeigt, dass die Vergütung in der Forschung deutlich höher liegt als in der Medienbranche. Warum ist das so?

Bühler: Das ist eine Frage der Marktknappheit. Im Bereich Forschung und Entwicklung geht es ja nicht nur um wissenschaftliche Forschung, sondern auch um die Entwicklungsbereiche der Unternehmen. Für diese Stellen werden häufig Leute gesucht, die zu fast 100 Prozent der Stellenanforderung entsprechen. Die Firmen tun sich hier schwer, Kompromisse einzugehen. Die Medienbranche trägt hingegen seit Jahren die rote Laterne, weil die Branche Quereinsteiger geradezu anzieht. Die Nachfrage ist so groß, dass die Unternehmen sogar unbezahlte Praktika und Volontariate anbieten können, statt sich Festanstellungen zu leisten. Das drückt das Durchschnittsgehalt natürlich stark.

Gehaltsunterschiede – mitunter sogar starke – gibt es auch zwischen Bachelor- und Masterabsolventen. Was ist dafür ausschlaggebend?

Bühler: Jeder Student weiß, im Studium lernt man manches, dass im Beruf nicht zu gebrauchen ist. Es gibt aber viele Jobs, in die man gut mit einem Bachelorabschluss einsteigen und Berufserfahrung sammeln kann. Dann zeigt sich, welches Fachwissen tatsächlich nötig ist. Und dann kann man gut entscheiden, welcher Master für die persönliche berufliche Weiterentwicklung nützt. Das hat den Vorteil, dass das hier nachgeholte Wissen viel aktueller ist als aus dem Bachelorstudium. Es gibt aber auch viele Zweige, die ein Bachelor mit 21 oder 22 Jahren kaum meistern kann. Das gilt etwa für die Personalentwicklung. Und in technischen Berufen müssen die Firmen für einen Bachelor oft noch viel Geld in die Hand nehmen, um die Leute für sich passgenau zu qualifizieren.

Jürgen Bühler ist Geschäftsführer des Personalvermittlung und Karriereberatung Alma Mater. Das Unternehmen vermittelt im Auftrag verschiedener Unternehmen Praktika, Studentjobs und Festanstellungen an akademische Nachwuchskräfte.

Weiterführende Links:

Gehälter für Hochschulabsolventen: Forschungsjobs machen Portmonees dick

ruk/news.de

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Leserkommentare (2)
  • Kommentar: 2
  • 22.07.2009 21:25
von

Dies Markwertgefasel verstärkt Konkurrenzdenken und ist doch nichts als das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Bereits in den 70er Jahren fuhren die ersten arbeitslosen Akademiker Taxi. Dann kam die Zeit, in der sie noch gutbezahlte ABM Stellen kriegten. Andere, die noch einen Job hatten, machten Studien über die finanzierbare Freizeitgesellschaft, die mit der Automation erwartet wurde. Die Leute flogen raus, die Studien verschwanden. Jetzt bekommen viele HartzIV unteres Existenzminimum. Grundsicherung für alle, Solidarität, und der Nachwuchs könnte aufatmen.

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  • Kommentar: 1
  • 22.07.2009 14:07
von

Viel Gerede um nichts, Wissenwert, Weiterbildungs-wert, Marktwert, Stellenwert, Erfahrungswert, Einstiegswert das einzige was zählt ist der Netzwerk-Wert.

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