Porsche und die Personalie Wiedeking Von Spekulationen und Dementis

Offenbar ist die Ära Wiedeking sehr bald Geschichte. Nach Medienberichten soll Michael Macht sein Nachfolger auf dem Chefsessel von Porsche werden. Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche bezeichnete die Meldungen jedoch als falsch.

Hält offenbar noch an Wendelin Wiedeking (r.) fest: Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche. (Foto)
Hält offenbar noch an Wendelin Wiedeking (r.) fest: Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche. Bild: ap

Wendelin Wiedeking galt lange als Retter von Porsche und cleverster Stratege unter den deutschen Top-Managern. Als er 1992 das Ruder bei dem Sportwagenbauer übernahm, lag das renommierte Stuttgarter Unternehmen so sehr am Boden, dass sogar eine Übernahme möglich erschien. Mittlerweile ist Porsche erneut ein Übernahmekandidat und Wiedeking?

Nach übereinstimmenden Medienberichten vom Nachmittag haben sich die Eigentümerfamilien auf eine Absetzung des sturköpfigen Westfalen geeinigt. Damit schien der Manager die Dauerfehde mit VW-Patriarch Ferdinand Piëch um die Macht im künftigen Großkonzern VW/Porsche verloren zu haben. Am Abend dementierten dann Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche und sein Stellvertreter, Betriebsratschef Uwe Hück: Wiedeking bleibt im Amt.

Seit Wochen musste Wiedeking in regelmäßigen Abständen immer wieder deftige Attacken aus Niedersachsen über sich ergehen lassen. Mal wurde der Vorstandschef offen von seinem Intimfeind Piëch angezählt, oft wurden aber Gerüchte über sein Aus auch gezielt aus dem Umfeld von Volkswagen und der niedersächsischen Staatskanzlei gestreut.

Der 56-Jährige hielt zwar seinem Naturell entsprechend eisenhart dagegen und beteuerte, sich pudelwohl in seinem Job zu fühlen und natürlich seinen Vertrag bis 2012 zu erfüllen. Gleichwohl hatte sich Wiedeking bereits vor einiger Zeit juristischen Beistand geholt, um sein Abfindungsangebot durchrechnen zu lassen.

Nach den Meldungen über das Aus von Wiedeking schickte ihm Niedersachsen Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) am süffisante Lobesworte nach Stuttgart hinterher: Wiedeking habe bei dem Versuch, Volkswagen zu übernehmen, die richtige industrielle Logik erkannt, dass man gemeinsam mehr erreicht als alleine und dass Porsche einen industriellen Partner brauche, erklärte der Regierungschef in der WirtschaftsWoche. Wiedeking könne sich deshalb als Vater dieses integrierten Konzerns sehen.

Mehr als 100 Millionen Euro könnten für den Manager rausspringen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Dies wäre die höchste Abschiedszahlung, die es in Deutschland jemals gegeben hat. Mit einem geschätzten Einkommen von 80 Millionen Euro für das vergangene Geschäftsjahr gilt der mit «summa cum laude» promovierte Wiedeking derzeit als der Manager in Deutschland, der am besten verdient.

Wiedeking hatte als absoluter Machtmensch die Verantwortlichen und Mitarbeiter in Wolfsburg früh spüren lassen, dass nur er das Heft des Handelns in der Hand halten will. Bei VW dürfe es keine «heiligen Kühe» geben, lautete nach dem Einstieg bei Europas größtem Autobauer die erste deutliche Kampfansage in Richtung Niedersachsen, In Wolfsburg ein nicht vergessener Angriff auf die bei VW herrschende Konsens-Kultur, mit einer starken Mitbestimmung, Haustarif und einer traditionell mächtigen IG Metall. In der Folge gingen zehntausende VW-Beschäftigte gegen Wiedeking auf die Straße, das Feindbild aus Stuttgart hatte ein Gesicht.

Bislang konnte Wiedeking auf den Rückhalt der Familie Porsche zählen. Vor allem sein Verhältnis zu Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche gilt als extrem eng und vertrauensvoll. Selbst nach den schärfsten Angriff aus Wolfsburg hielt der Clan-Chef eisern an seinem obersten Angestellten fest und verteidigte ihn auch innerhalb der Familie. In jüngster Zeit hielt sich der Cousin von Ferdinand Piëch jedoch auffallend mit Äußerungen über seinen Vorstandschef zurück.

Bislang war es in der Karriere des Westfalen steil nach oben gegangen. Wiedeking wurde von verschiedenen Zeitschriften und Institutionen zum «Manager des Jahres» gekürt und ist Träger des «Ordens wider den tierischen Ernst». Bevor er selber Zielscheibe massiver Kritik wurde, äußerte sich der streitbare Porsche-Chef wiederholt kritisch zu politischen Themen, wie zum Beispiel Subventionen, Quartalsberichte oder Fusionen und wurde auch Buchautor.

Der Manager ist Jazz-Fan und sammelt Modellautos. Auf seinem eigenen Grundstück bastelt er und baut mit Hilfe eines alten Porsche-Traktors Kartoffeln an. Er ist verheiratet, hat einen Sohn, der ebenfalls Wendelin heißt, und eine Tochter. Gerade in den schwierigen Zeiten hätten sie ihm Halt gegeben, erzählte der gebürtige Westfale jüngst: «Meine Familie steht voll hinter mir. Das ist ein gutes Gefühl.»

Weiterführende Links:

Machtkampf um Porsche: Die delikate Millionenfrage
Machtkampf in der Autobranche: Porsche-Eigner angeblich über VW-Einstieg einig

hav/news.de/dpa

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