Porsche Wirbel um Offerte aus Katar

Irritationen um die Offerte für Porsche. (Foto)
Irritationen um die Offerte für Porsche. Bild: dpa

Neben politischen Querelen um die Offerte des Emirats Katar für Porsche sorgen fehlende Informationen für zusätzliche Irritationen. Spätestens Ende nächster Woche wird sich der Nebel jedoch lichten müssen.

Porsche hat Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) vorgeworfen, die Verhandlungen über den Einstieg des Golfemirates Katar bei dem Sportwagenbauer zu torpedieren. «Herr Wulff kann nicht beurteilen, ob Porsche ein Angebot von Katar vorliegt, da er in die Verhandlungen nicht mit eingebunden war», erklärte ein Sprecher des Autobauers in Stuttgart. Er reagierte damit auf Äußerungen des Regierungschefs, Berichte über das Milliardenangebot aus Katar seien Unsinn.

Derweil rätseln Experten über die angebliche Offerte des Wüstenstaates: Sieben Milliarden Euro sollen nach Zuffenhausen fließen für ein Viertel der Aktien des Sportwagenbauers sowie die Optionen auf VW-Aktien. Die Katar-Offerte würde Porsche zwar auf einen Schlag nahezu entschulden, Analysten bemängeln allerdings zahllose ungeklärte Fragen. So sei unklar, was genau Porsche für die Geldspritze abgeben muss. Die Skepsis wird am Markt aber nicht einhellig geteilt. Die Aktie stieg am Montagnachmittag um knapp 9 Prozent auf 46,11 Euro.

Der Machtkampf mit VW tobt indes weiter. Laut Presseberichten stockt VW die Offerte für 49 Prozent an Porsches Autogeschäft von drei bis vier auf mehr als vier Milliarden Euro auf. Sollte VW die Zuffenhausener schlucken, soll Porsche als zehnte Konzernmarke unabhängig wie Audi geführt werden.

Eine Entscheidung über die Angebote wird der Porsche-Aufsichtsrat dem Vernehmen nach in seiner Sitzung am 23. Juli treffen. Eine Einigung der beiden Eigentümerfamilien Porsche und Piech vor diesem Datum gilt als wahrscheinlich, da beide Familien im Aufsichtsrat laut Verabredung mit einer Stimme sprechen. Bereits am Donnerstag steht die Jubiläumsfeier von Audi an, zu der alle Beteiligten eingeladen sind. Eine kurzfristige Einigung vor diesem Anlass könnte die Stimmung deutlich heben.

DZ-Bank-Analyst Michael Punzet zeigte sich wenig überzeugt von den jüngsten Nachrichten. Er hob hervor, dass weiterhin unklar sei, wie hoch der tatsächliche Mittelzufluss ausfalle. Details zum Volumen und Ausübungspreis der VW-Optionen fehlten ebenfalls. Das alternative VW-Angebot wertete er als tendenziell eher negativ für Porsche.

«Lediglich das mögliche Ende der ‹Autonovela› könnte sich positiv auf das Sentiment gegenüber der Porsche-Aktie auswirken», schrieb der Experte in einer aktuellen Studie. Die Vorzugsaktien von VW könnten hingegen positiv auf eine mögliche Aufnahme in den Dax als Folge der Übernahme der VW-Optionen beziehungsweise der zugrunde liegenden Aktien durch Katar profitieren.

Analysten sind sich über die wichtigsten Fragen einig: Welchen Betrag will Katar für den direkten Einstieg bei Porsche zahlen? Welcher Betrag entfällt auf die Optionen und die Aktien? Laut der Commerzbank bemisst sich der Wert der Offerte daran, was Katar für die sieben Milliarden Euro bekommt. Wandern lediglich ein Viertel von Porsche sowie die VW-Optionen über den Tisch, wäre die Aktie mit 240 Euro bewertet. Allerdings glaube er, dass die gebotenen sieben Milliarden Euro auch Aktien beinhalten, die Porsche möglicherweise wegen Short-Positionen auf VW-Titel sonst selbst kaufen müsse. In diesem Falle wäre der faire Wert der Titel negativ.

Die Analysten von Sal. Oppenheim zeigen sich zwar skeptisch wegen des nebulösen Angebots aus Katar, sehen allerdings Positives für den Machtkampf zwischen den Autokonzernen: Die Offerte aus Katar stärke die Verhandlungsposition Porsches im Ringen mit VW um einen Schulterschluss.

Die Experten von Equinet zweifeln daran, dass für sieben Milliarden Euro nur der Porsche-Anteil sowie die VW-Optionen die Besitzer wechseln. Nach der gegenwärtigen Marktkapitalisierung von Porsche sind 25 Prozent nur zwei Milliarden Euro wert. Sollte Katar nur Stämme kaufen, müsse dieser Betrag sogar halbiert werden.

Wie viel Geld aus Katar nach Zuffenhausen fließt, wird wiederum die Höhe der zu erwartenden Kapitalerhöhung Porsches bestimmen. Allgemein wird davon ausgegangen, dass sich Porsche vier Milliarden Euro an frischem Geld holen will. Seit Monaten ringen Porsche und VW darum, wer die Oberhand hat. Porsche besitzt zwar knapp 51 Prozent der Anteile an Europas größtem Autobauer VW und hält mit Hilfe der Banken Aktienoptionen über weitere bis zu 24 Prozent. Doch wurde Porsche durch das VW-Gesetz ausgebremst, welches die Stimmrechte eines Großaktionärs auf 20 Prozent beschränkt. VW-Patriarch Ferdinand Piëch will nun den Spieß umdrehen und Porsche in einen Gesamtkonzern integrieren.

ruk/car/news.de/dpa

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