Arcandor Middelhoff weist alle Vorwürfe zurück

Glaubt, sich nichts vorwerfen zu müssen: Thomas Middelhoff. (Foto)
Glaubt, sich nichts vorwerfen zu müssen: Thomas Middelhoff. Bild: ap

Der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat alle gegen ihn im Zusammenhang mit der Insolvenz des Unternehmens erhobenen Vorwürfe zurück gewiesen. Indes atmen die Mitarbeiter von Quelle auf - sie können erst einmal weiter arbeiten.

«Im Gegenteil: Viele Stimmen sagen, ohne mich wäre schon 2004 Schluss gewesen», sagte er der Bild am Sonntag. Er habe 2004 Karstadt «kurz vor Toresschluss gerettet». Middelhoff, gegen den die Staatsanwaltschaft Essen wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, fügte hinzu: «Ich bin überzeugt davon, dass wir seit 2004 die richtigen Entscheidungen getroffen haben.»

Arcandor sei Opfer der Finanzmarktkrise geworden: «Deswegen ist es ist es für mich völlig unverständlich, dass dem Unternehmen jede Unterstützung aus dem Deutschlandfonds versagt wurde.» Arcandor hatte - wie auch die Töchter Karstadt und Quelle - am 9. Juni Insolvenzantrag gestellt.

Warum die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittele, wisse er nicht, sagte Middelhoff in dem Interview. Er bestätigte, dass er und seine Frau Anteile an einem Immobilienfonds erworben haben, der Vermieter von Karstadt-Filialen ist. Bereits vor seiner Zeit bei Karstadt seien in den Jahren 2000 und 2001 fünf der damals 200 Karstadt-Filialen an den Immobilienentwickler Josef Esch verkauft worden, der sie in geschlossenen Immobilienfonds zusammengefasst habe. «Wir haben einen niedrigen einstelligen Prozentsatz an diesen Fonds gezeichnet», sagte Middelhoff.

«Das ereignete sich Jahre, bevor ich gebeten wurde, in einer Notsituation die Führung von KarstadtQuelle zu übernehmen», so Middelhoff. Also alle jetzt angesprochenen Verträge seien bereits Jahre vor seinem Eintritt in das Unternehmen abgeschlossen worden. Vor seiner Wahl 2004 habe er den Aufsichtsrat informiert und 2005 die Hauptversammlung. «Beide Gremien hatten kein Problem damit.»

Nach Informationen des Tagesspiegel profitierten auch persönlich haftende Gesellschafter der Privatbank Sal. Oppenheim von den Mieten einzelner Karstadt-Filialen. Sie seien an mindestens zwei von fünf Immobilien beteiligt. Die Oppenheim-Gesellschafter besitzen über eine Beteiligungsgesellschaft knapp 25 Prozent an Arcandor.

Ermittelt wird auch noch in einem zweiten Immobiliengeschäft. Dabei geht es um Projekte mit Karstadt-Immobilien, die Esch mit dem früheren KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban begonnen hatte. Für geplante Großprojekte sollte das Unternehmen 100 Millionen Euro erhalten. 25 Millionen Euro sollen geflossen sein. Zu den offenen 75 Millionen Euro sagte Middelhoff, eine gleich nach seinem Dienstantritt veranlasste Prüfung der Verträge mit Esch habe ergeben, dass die Verträge nicht rechtswirksam zustande gekommen seien. «Ja sie waren noch nicht einmal unterschrieben worden».

Unterdessen atmeten die rund 8000 Beschäftigten des insolventen Versandhauses Quelle auf: Der für die Fortführung des Geschäfts so wichtige Hauptkatalog ist in Druck gegangen, obwohl erst bis Mitte der Woche über eine Bürgschaft zur Finanzierung der Druckkosten entschieden wird. Diesen Termin bestätigte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in der Bild am Sonntag.

Metro-Chef Eckhard Cordes mahnte eine schnelle Entscheidung über sein Angebot zur Übernahme der insolventen Karstadt-Handelskette an. Metro werde dies «nicht um jeden Preis machen», sagte Cordes dem Spiegel. Durch das «Zaudern und Zögern» bei Arcandor werde den Mitarbeitern die Chance auf einen Arbeitsplatz genommen. «Verlierer wären einzig und allein die Mitarbeiter von Karstadt.» Cordes will Filialen der zur Metro gehörenden Kaufhof und von Karstadt zur Deutschen Warenhaus AG verschmelzen.

Weiterführende Links:

Arcandor: Quelle-Katalog im Druck
Karstadt-Rettung: Metro erhöht Druck auf Arcandor
Kaufhausvergleich: Alles, was ich will
Kommentar zu Arcandor: Ein wenig elegantes Taktik-Tänzchen

seh/news.de/dpa

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