Luftfahrtmesse in Le Bourget Extreme Auftragseinbrüche für Boeing und Airbus

Früher kamen die Hersteller Boeing und Airbus stets mit vollen Auftragsbüchern von der Luftfahrtmesse in Le Bourget zurück. In diesem Jahr ist alles anders. Die Flugzeugbauer stecken tief in der Krise, ein Ende ist bisher nicht in Sicht.

Aussteller und Besucher sind mit Sorgen zur Luftfahrtmesse nach Le Bourget gekommen. (Foto)
xAussteller und Besucher sind mit Sorgen zur Luftfahrtmesse nach Le Bourget gekommen. Bild: dpa

Überschattet von dem Absturz des Air-France-Airbus vor zwei Wochen und der tiefen Wirtschaftskrise hat am Vormittag die Luftfahrtmesse von Le Bourget bei Paris begonnen. Louis Gallois, Chef des Rüstungskonzerns European Aeronautic Defence and Space Company (EADS), kündigte an, Airbus werde seine Produktion weiter flexibel anpassen, «so wie das in den vergangenen Monaten bereits mit der Reduzierung der Produktionsraten für den A320 und den A380 sowie dem Einfrieren der Raten für den A330 geschehen ist».

Airbus hatte bislang in diesem Jahr lediglich elf Nettobestellungen in den Büchern stehen. Nun ein kleiner Lichtblick: Die Qatar Airways kauft 24 Airbusse für 1,9 Milliarden US-Dollar. Es gehe um Mittelstreckenflugzeuge der A320-Klasse, sagte Qatar-Chef Akbar Al Baker auf der Luftfahrtmesse. «Dieser Auftrag stellt sicher, dass unsere Flotte die jüngste und effizienteste im Mittleren Osten ist.» Der Vertrag schließt einen vorläufigen Auftrag für vier A321 vom Juli 2008 ein.

Beim Rivalen Boeing, der 10.000 Stellen streichen will, gingen unter dem Strich nur sieben Flugzeugbestellungen ein. 2008 hatte das US-Unternehmen noch 662 Nettobestellungen eingefahren, bei Airbus waren es 777. Airbus-Chef Tom Enders sagte nun, Ziel dieses Jahres seien 300 Bestellungen, aber es könnte auch «eine deutlich niedrigere Zahl sein».

Der Branchenverband IATA rechnet damit, dass die Fluggesellschaften 2009 weltweit Verluste von insgesamt neun Milliarden Dollar (6,4 Milliarden Euro) einfliegen. Gallois sagte der Süddeutschen Zeitung, er wisse nicht, ob ein Ende der Krise in Sicht sei. «Wir gehen immer noch davon aus, dass wir 2009 die gleiche Zahl von Flugzeugen ausliefern werden wie 2008. Für 2010 sehen wir noch nicht klar.» Im vergangenen Jahr hatte Airbus 483 Flugzeuge gebaut, so viele wie nie zuvor.

Der europäische Flugzeugbauer hat mittlerweile die Produktionsraten für Kurz- und Mittelstreckenjets der A320-Familie von 40 auf 36 Maschinen pro Monat gekürzt. Im Herbst steht eine weitere Senkung auf 34 an, wie Airbus-Chef Tom Enders jüngst der Bild-Zeitung sagte. Zudem sollen in diesem Jahr nur 14 statt der zunächst geplanten 21 Exemplare des Flaggschiffs A380 gebaut werden. «Wir wollen nicht auf Halde produzieren», sagte Gallois der SZ.

Sowohl Airbus als auch Boeing haben noch einen Auftragsüberhang von je 3500 Flugzeugen in den Büchern. Die Flut auf der Luftfahrtshow Le Bourget von 2007, als Airbus 425 Bestellungen vermelden konnte, dürfte nach Einschätzung von Analysten in diesem Jahr aber zu einem Rinnsal verkümmern.

An der Branchenshow nördlich von Paris nehmen mehr als 2000 Aussteller teil, die Businessjet-Produzenten wie Gulfstream und Cessna bleiben diesmal aber fern. Der viertgrößte Flugzeugbauer Embraer ist nur mit einer «minimalen Präsenz» vertreten. Auf der Jubiläumsmesse - Le Bourget feiert 100-jähriges Bestehen - bekommen die erwarteten 300.000 Besucher historische Flugzeuge zu sehen und nur wenig Neues: Russland zeigt den Superjet 100 von Suchoi.

Der Militär-Airbus A400M und die B787 werden erneut nicht zu sehen sein. Gallois sagte, er hoffe auf einen ersten Testflug gegen Jahresende. Airbus wolle mit den Bestellerstaaten neue Bedingungen aushandeln und den finanziellen Aderlass stoppen, sagte er dem französischen RTL-Radio. Mit den ersten 180 Maschinen habe Airbus bereits 2,3 Milliarden Euro verloren. Boeing plant den mehrfach verschobenen Erstflug seines «Dreamliners» für Ende des Monats.

Weiterführende Links:

Medienberichte: Boeing muss «Dreamliner» erneut verschieben

mat/mas/news.de/ap

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