Alter Schwede Luxusschmiede will Saab übernehmen

Der Autohersteller Koenigsegg greift nach Saab. (Foto)
Der schwedische Autohersteller Koenigsegg greift mit Hilfe eines Investors nach Saab. Bild: dpa

Saab hat 3500 Mitarbeiter und schreibt riesige Verluste. Die General-Motors-Tochter soll nun wie Opel von Investoren übernommen werden. Erster Anwärter ist ein Hersteller von Luxusautos mit 45 Mitarbeitern gemeinsam mit einem unbekannten Finanzier.

Ungläubiges Staunen und massive Skepsis in Schweden: Der geradezu winzige heimische Luxus-Sportwagenbauer Koenigsegg soll den angeschlagenen Autohersteller Saab von der insolventen US-Mutter General Motors (GM) übernehmen und trotz chronisch hoher Verluste retten. Die offiziell noch unbestätigte Nachricht von der Unterschrift unter einer entsprechenden Absichtserklärung hat die Skandinavier völlig überrascht.

In Stockholm kam es zu überwiegend skeptischen Reaktionen. «Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll», meinte ein Branchenbeobachter. Die Zeitung Svenska Dagbladet kommentierte: «Das klingt ein bisschen verrückt.»

Gerade einmal 20 extrem teure Sportwagen für extrem reiche Kunden hat das kleine Unternehmen aus dem südschwedischen Ängelholm im vergangenen Jahr abgesetzt. Weil hier die Größenverhältnisse zwischen Käufer und Gekauftem noch viel extremer ausfallen als in Deutschland beim gescheiterten Porsche-Anlauf zur Übernahme von VW, richtet sich die Aufmerksamkeit auf die dahinterstehenden Geldgeber: Als wichtiger Finanzier gilt der norwegischer Designer, Unternehmer und Koenigsegg-Miteigner Bård Eker, der aber auch bei weitem nicht über die Mittel zur Rettung von Saab verfügt.

Wer mit den nötigen Milliarden hinter Eker steht, blieb bei allen Medienspekulationen noch völlig im Dunkeln. Der Kapitalbedarf für ein Überleben der schwedischen Traditionsmarke für den gehobenen Geschmack ist gigantisch: Saab mit noch knapp 3500 Beschäftigten schuldet seiner bisherigen Mutter GM neun Milliarden Kronen (840 Millionen Euro). Für die Fortsetzung der seit 20 Jahren fast chronisch Verlust bringenden Produktion müssen 7,5 Milliarden Kronen aufgebracht werden.

Koenigsegg selber baut mit 45 Mitarbeitern jährlich 15 bis 20 Autos, die auf die persönlichen Wünsche der Kunden zugeschnitten sind. Das Unternehmen veröffentlicht zwar keine Preise. Brancheninsider schätzen aber, dass ein Auto zwischen 1,0 bis 2,3 Millionen Dollar kostet.

Saab hatte am 20. Februar Gläubigerschutz angemeldet, um als eigenständiger Hersteller verkauft werden zu können. Der Mutterkonzern GM hat Anfang Juni Insolvenz angemeldet.

Der kommende Mittwoch werde entscheidend für die Zukunft von Saab sein, sagte Insolvenzverwalter Guy Lofalk. Dann müssen die Gläubiger, darunter vor allem GM, vor dem Konkursgericht mitteilen, ob sie zu einem Schuldenerlass bereit sind. Schwedens Regierung hat bisher alle Bitten um Bürgschaften für Saab abgewiesen, will nun aber einlenken. Man bereite ein Paket vor, hieß es in Stockholm. Dies halten Beobachter immerhin für ein positives Indiz, dass hinter dem norwegischen Investor seriöse und potente weitere Geldgeber stehen.

Auch mit einer Staatsbürgschaft und Krediten der Europäischen Investitionsbank (EIB) aber bleibt völlig unklar, wie Saab angesichts weltweiter Überkapazitäten überleben will. Die Schweden liegen auch absolut nicht im Trend zu kleineren, benzinsparenden Autos. 150.000 Wagen pro Jahr müsse man bauen können, um zu überleben, war in den vergangenen Jahren immer wieder aus der Konzernzentrale Trollhättan zu hören. 2008 sank der Absatz auf 93.000 Autos. Und seit dem Jahresbeginn noch einmal auf weniger als die Hälfte.

ruk/hav/news.de/ap/dpa

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