Kommentar zu Opel und Arcandor Neuanfang ohne riskante Staatshilfen

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Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Die Rettung von Opel wird teurer als bisher zugegeben. Auch bei Arcandor ist die Lage bedeutend schlechter als bisher angenommen. Diese zwei Beispiele zeigen: auf Zusicherungen von Unternehmen, die gerettet werden wollen, ist kein Verlass.

Die Gefahr ist deshalb groß, dass Unternehmen, die um Staatshilfe betteln, ihre Probleme so gut es geht verstecken. Stattdessen betonen sie gebetsmühlenartig die Zukunftsfähigkeit ihres Geschäftsmodells. Das ist ja auch durchaus nachvollziehbar. Staatshilfen sind eben eine bessere Alternative als das Aus.

Doch wenn auch Politiker behaupten, dass es langfristig besser sei, die jetzt angeschlagenen Betriebe zu retten, dann überschätzen sie sich ein wenig. Derartige Aussagen kann man frühestens in zehn Jahren geben, wenn überhaupt. Denn wäre es wirklich so sicher, wie sie sagen, dann würden Investoren – die oft mehr Expertise in diesen Fragen haben - Schlange stehen, um kräftig mitzuretten.

Die Experten, die jetzt im Deutschlandfonds über die Rettungswünsche entscheiden, müssen die von den Unternehmen eingereichten Unterlagen deshalb scharf prüfen. Denn sie bestimmen über Milliarden an Steuergeldern. Entscheiden sie falsch, dann retten sie Betriebe, die auch noch Jahre nach der Krise am Staatstropf hängen und der Gründung und dem Wachstum anderer, gesunder Unternehmen im Wege stehen.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass bei einer Insolvenz von Konzernen wie Arcandor und Opel Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Die leer gefegten Innenstädte sind auch kein unbedeutendes Problem, wenn große Kaufhäuser verschwinden. Doch trotzdem kann es nicht sein, dass die einzige Lösung immer die Hilfe vom Staat sein muss.

In manchen Fällen sollte man besser einen Neuanfang wagen - zur Not auch über die Insolvenz. Denn das ist am Ende besser kalkulierbar als sich jetzt auf die Versprechen von Verzweifelten zu verlassen, die glauben, nach dem letzten Strohhalm zu greifen.

Eine Insolvenz bietet auch die Möglichkeit, einen Riesenkonzern aufzuspalten und die Teile an ernst zu nehmende Investoren zu überführen. Und den vielen (Ex)-Mitarbeiten bietet sie die Chance, sich für wirklich zukunftsfähige Branchen weiterzubilden.

Doch die Politik bietet für solche Fälle keine wirkliche Hilfe. Sie befasst sich lieber damit, kränkelnde Unternehmen zu retten anstatt Deutschland und seine Menschen für den Weg in die Zukunft fit zu machen.

mik/news.de

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