Leute Die Promi-Geburtstage vom 06. Juli 2012: Vladimir Ashkenazy

Berlin - Wie so oft in einem Musikerleben, spielte auch bei Vladimir Ashkenazy neben dem Können auch ein Quäntchen Glück eine Rolle. Als für ein Konzert Anfang der 1970er Jahre der Dirigent überraschend ausfiel, übernahm Ashkenazy, damals noch Vollzeit- Pianist, die Leitung - und startete so seine Laufbahn am Pult.

Die Promi-Geburtstage vom 06. Juli 2012: Vladimir Ashkenazy (Foto)
Die Promi-Geburtstage vom 06. Juli 2012: Vladimir Ashkenazy Bild: dpa

Helfer war Daniel Barenboim, der sich als Ersatzmann ans Klavier setzte. Obwohl die ersten Kritiken «miserabel» ausfielen, wie Ashkenazy später bekannte, ließ der Russe nicht locker und stieg in die Liga der weltweit gefragten Dirigenten auf.

Dabei wollte Ashkenazy, der an diesem Freitag (6. Juli) 75 Jahre alt wird, nicht von Anfang an dirigieren - das Klavier war seine Passion. Vor allem in den Kinder- und Jugendjahren bot das Musizieren in der Wohnung und später am Moskauer Zentralkonservatorium die Chance der Gedankenflucht aus den bedrückenden Verhältnissen der Stalin-Ära. Eine Wohnung von nicht mehr als acht Quadratmetern stand der Familie in den 40er Jahren zu, nachdem sie vom damaligen Gorki (heute: Nischnij Nowgord) in die sowjetische Hauptstadt zog.

Ashkenazys Eltern waren zwar Pianisten, doch dem jungen Vladimir fiel das Klavierspiel nicht auf Anhieb leicht. Viel zu kleine Hände habe er gehabt, um irgend einmal ein Rachmaninow-Konzert zu meistern, sagte er der Wochenzeitung «Die Zeit» vor vielen Jahren. «Aber der Gedanke, irgendwann an Grenzen zu stoppen, lag mir fern.»

Mit 18 Jahren gewann Ashkenazy den zweiten Preis im Warschauer Chopin-Wettbewerb, seine Sehnsucht nach dem Westen wurde geweckt. Als der mittlerweile mit dem Privileg eines Reisepasses ausgestattete Musiker auf Konzertreise in Großbritannien war, entschied er sich, nicht mehr nach Moskau zurückzukehren. Bestraft wurde er mit der Ausbürgerung. Im Juni 1963 besuchte er wieder Moskau, wurde aber mehrere Wochen festgehalten. Nur durch Intervention von Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow durfte er wieder ausreisen.

Im Westen wurde der Pianist schnell bekannt. Vor allem Ashkenazys Technik und Musikalität sowie sein vielseitiges Repertoire wurden gerühmt. Kritiker schrieben über «messerscharfe Artikulation» und «beklemmend-nüchterne» Spielweise. Mit der Kammermusik von Beethoven und Schubert löste der Russe Begeisterung aus. Nach seinem nicht ganz freiwilligen Pultdebüt in Island - auch seine Ehefrau stammt von der nordischen Insel - sammelte er erste Dirigiererfahrungen. So leitete er mit dem Londoner Royal Philharmonic Orchestra, das ihn 1987 zum musikalischen Direktor ernannte, seine ersten Mozart-Konzerte vom Flügel aus.

Im selben Jahr wurde er Chefdirigent des Radio-Symphonieorchesters Berlin, dem heutigem Deutschen Symphonie-Orchester (DSO). Im Sommer 1989 trat er dort die Nachfolge von Ricardo Chailly an. Der Mauerfall und Michail Gorbatschows «Glasnost»-Politik waren auch für Ashkenazy persönlich ein großes Glück. Im November 1989 durfte er nach mehr als einem Vierteljahrhundert erstmals wieder in Moskau auftreten. Überraschend erklärte er im Dezember 1994 seinen Rücktritt in London, nachdem das Orchester Gespräche mit dem Dirigenten Daniele Gatti aufgenommen hatte, ohne ihn zu konsultieren.

Ashkenazy, der seit 1972 isländischer Staatsbürger ist und in der Schweiz lebt, zelebrierte den 50-jährigen Geburtstag des Berliner Orchesters 1996 mit einem dichten Programm mit zeitgenössischer Musik. In der Hauptstadt wurde er schnell Publikumsliebling. Doch aus Ärger über die Berliner Kulturpolitik erklärte 1998 seinen Rücktritt.

Es folgte eine fast fünfjährige Station bei der Tschechischen Philharmonie in Prag, danach wechselte er zum NHK Symphony Orchestra in Tokio. Mit seinen Plattenaufnahmen und als Chef des European Union Youth Orchestra hat Ashkenazy in den vergangenen Jahren große Erfolge gefeiert. 1999 gewann er einen Grammy für die beste Solo-Einspielung. Und immer wieder hat der Vater von fünf Kindern Zeit für Fernsehdokumentationen, eigene Musikbearbeitungen und eine Autobiografie gefunden.

NAMEBERUFALTERGEBURTSDATUMGEBURTSORTGEBURTSLAND
CICERO, Rogerdeutscher Jazzmusiker4206.07.1970BerlinDeutschland
NOVA, Heatherbritische Sängerin und Songschreiberin4506.07.1967BermudaGroßbritannien
KLEINERT, Petradeutsche Schauspielerin4506.07.1967JenaDDR

news.de/dpa

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