Wahlen Weltmusiker Youssou N'Dour wird Kulturminister

Addis Abeba/Dakar - Von Kultur versteht Youssou N'Dour etwas. Ebenso von sozialer Gerechtigkeit und internationaler Entwicklungspolitik, ist er doch schon seit Jahren als Botschafter der Vereinten Nationen und Aktivist für Amnesty International tätig.

Weltmusiker Youssou N'Dour wird Kulturminister (Foto)
Weltmusiker Youssou N'Dour wird Kulturminister Bild: dpa

Der Entschluss des neuen senegalesischen Präsidenten Macky Sall, den populären Weltmusikstar zum Minister für Kultur und Tourismus zu ernennen, ist also keineswegs eine Verlegenheitsentscheidung. N'Dour hat immer wieder bewiesen, dass er durch Kreativität, Kampagnen und neue Konzepte etwas in seinem Heimatland und in Afrika im allgemeinen bewegen kann.

Bereits 2004 beschrieb das renommierte Musikmagazin «Rolling Stone» das Multitalent als «den vielleicht bekanntesten lebenden Sänger aus Senegal und dem Großteil Afrikas». Seit dem Ende der 70er Jahre hat sich der heute 52-Jährige nicht nur durch seine Stimme, die laut Peter Gabriel klingt wie «flüssiges Silber», sondern auch als Perkussionist, Komponist, Liedermacher und sporadisch als Schauspieler einen Namen gemacht. Seinen international wohl größten Erfolg feierte der in der Hauptstadt Dakar geborene N'Dour 1994 mit dem Hit «7 Seconds», einem Duett mit der schwedischen Hip-Hop-Sängerin Neneh Cherry.

Bereits 1985 organisierte er ein Konzert für die Freilassung des damals noch inhaftierten südafrikanischen Freiheitskämpfers Nelson Mandela. Zudem ist er Protagonist der Dokumentarfilme «Rückkehr nach Goree» (2007) und «Youssou N'Dour: I Bring What I Love» (2008). In dem Filmprojekt «Amazing Grace» verkörpert er einen Vorkämpfer der Antisklavereibewegung. Auch hat N'Dour sich immer wieder für afrikaweite Anti-Malaria-Kampagnen eingesetzt. «Malaria tötet, und die meisten Opfer sind Kinder und Frauen. Wir können diese Geißel stoppen, so dass Menschen würdig leben, arbeiten und zur Schule gehen können», hat er einmal gesagt.

Der Musiker, der 1995 sein eigenes Musiklabel gegründet hatte, war maßgeblich an der Entstehung der senegalesischen Populärmusik «Mbalax» beteiligt. Was N'Dour einzigartig und auch in Europa bekannt gemacht hat, ist die Art, wie er die traditionellen Elemente mit Einflüssen kubanischer Rhythmen, Hip-Hop, Jazz und Soul mischt. «Meine Musik ist wie ein Ball, der sich dreht: Er kann in eine Richtung wenden und kehrt dann zu seinen Ursprüngen zurück», beschreibt der Künstler sein musikalisches Credo.

Seinen Ursprüngen ist N'Dour tatsächlich immer treu geblieben. Zwar gab er schon in den 80er Jahren mit seiner damaligen Band «Super Étoile de Dakar» zahlreiche Konzerte in Europa und arbeitete in seiner langen Karriere mit internationalen Größen wie Sting, Paul Simon, Bruce Springsteen und Ryuichi Sakamoto zusammen - aber die Liebe zu seiner Heimat war bei all seinen musikalischen Ausflügen und Experimenten stets unüberhörbar.

N'Dour hat auch mit dem haitianischen Musiker Wyclef Jean kollaboriert, mit dem er den Song «Diallo» einspielte. Die beiden Männer haben einiges gemeinsam: Jean wollte Ende 2010 bei den Wahlen in seiner Heimat als Präsidentschaftskandidat antreten, N'Dour hatte knapp eineinhalb Jahre später in Senegal die gleiche Absicht. Beide wurden letztlich nicht zu den Wahlen zugelassen - der Haitianer, weil er nie fünf Jahre am Stück in dem Inselstaat wohnhaft war, und der Senegalese, weil er angeblich nicht genügend gültige Unterschriften für eine Kandidatur gesammelt hatte.

Aber N'Dour reagierte: Er ging auf die Straße und nahm an Kundgebungen gegen den 85-jährigen Präsidenten Abdoulaye Wade teil, der zum dritten Mal für das Amt als Staatsoberhaupt kandidierte. In der folgenden Stichwahl unterstützte er offen den 50-jährigen Oppositionspolitiker Macky Sall, der sich schließlich mit zwei Dritteln der Stimmen gegen Wade durchsetzte. Sall macht nun durch die Berufung N'Dours zum Kabinettsmitglied sein Wahlversprechen wahr: Eine «neue Ära» hat er den Senegalesen angekündigt. Der Name Youssou N'Dour scheint ein Garant für soziale Werte, Mut, Sachverständnis und Wandel.

Webseite Youssou N'Dour

news.de/dpa

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