Leute Die Promi-Geburtstage vom 08. Februar 2012: Manfred Krug

Die Promi-Geburtstage vom 08. Februar 2012: Manfred Krug (Foto)
Die Promi-Geburtstage vom 08. Februar 2012: Manfred Krug Bild: dpa

Der gelernte Stahlschmelzer Manfred Krug ist nach eigenem Bekunden «als Schauspieler auf die Welt gekommen», der schon in frühen Jahren Hollywoods Star-Cowboy Gary Cooper verehrte.

Berlin (dpa) - Der gelernte Stahlschmelzer Manfred Krug ist nach eigenem Bekunden «als Schauspieler auf die Welt gekommen», der schon in frühen Jahren Hollywoods Star-Cowboy Gary Cooper verehrte.

Denn der «hat nie etwas anderes gespielt als sich selbst, und das ist die Hohe Schule», wie Krug in seinen Jugenderinnerungen «Mein schönes Leben» (Econ) schrieb. Heute wird der 1937 in Duisburg geborene Ost-West-Schauspieler, der als Junge mit seinem Vater 1949 in die gerade entstehende DDR übersiedelte und 1977 nach seinem Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns wieder in den Westen ging, 75 Jahre alt.

Aus diesem Anlass blickt er wieder einmal ausführlich auf sein Leben zurück. Mit seinem «Bilderbuch - Ein Sammelsurium» (Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag) machte er sich selbst ein üppiges Geburtstagsgeschenk und öffnete noch einmal die Koffer und Kisten vom Dachboden mit zahlreichen Erinnerungsfotos und Texten, mit denen er sein Leben und seine wechselvolle Karriere Revue passieren lässt. «Ich bin kein Held, ich bin kein Star, ich bin einzigartig MK», meinte Krug bei der Buchvorstellung kurz vor seinem 75. Geburtstag in Berlin.

Auf jeden Fall hat MK aber viel zu erzählen. Immerhin war Krug in der DDR der «Tausendsassa der DEFA-Filme», wo er in den Babelsberger Studios seit 1961 unter Vertrag stand. Da gab es auch mal den einen oder anderen «schrecklichen Film», wie er sich erinnert. Auch im Fernsehen seien es anfangs «oft klägliche agitatorische Ost-West-Stücke» gewesen, wie er in seinem «Bilderbuch» schreibt. «Aber ich wollte lernen, ich wollte spielen, ich wollte mich zeigen.»

Später war er im Westen das liebenswerte und auch manchmal ruppige «Raubein, das von drüben kam», wie ihn Zeitungen nannten. Mit Filmen wie «Mir nach, Canaillen!», «Wege übers Land», «Fünf Patronenhülsen» und «Auf der Sonnenseite» wurde Krug einer der populärsten Kino- und Fernseh-Schauspieler im Osten Deutschlands, der von 1969 bis 1973 mehrmals zum Publikumsliebling gewählt wurde. Später gehörte er zu den Künstlern, die auch in der Bundesrepublik - nach einigen Anlaufschwierigkeiten und Ängsten - den beruflichen Anschluss fanden.

Hier wurde er als brummiger «Tatort»-Kommissar Stoever als der «deutsche Kojak» ein Fernsehstar und hier war er als «Liebling Kreuzberg» auch der populäre Anwalt, der ein Herz für die kleinen Leute hat. Im ARD-Vorabendprogramm war Krug jahrelang der abenteuerlustige Truckerfahrer, der weltweit «Auf Achse» war und damit zu einem TV-Publikumsliebling avancierte.

Vom aktiven Schauspielberuf hat sich «Manne» zwar schon mit dem Eintritt ins offizielle Rentenalter zurückgezogen, ungewöhnlich genug für gefragte Protagonisten seiner Zunft. Aber gesundheitliche «Warnschüsse vor den Bug» wie ein Schlaganfall 1997 in seiner Berliner Wohnung, von dem er sich ironischerweise in einer Rehaklinik auf dem Gelände der einstigen «SED-Bonzensiedlung» Wandlitz erholte, hatte Krug denn doch nicht ganz ignorieren wollen. Aber mit «Jazz und Lyrik» tritt der leidenschaftliche Jazzinterpret und Chansonsänger («Es steht ein Haus in New Orleans») immer noch auf wie mit der Sängerin Uschi Brüning.

Wie vom Donner gerührt war der ansonsten eher unerschrockene Schauspieler, als der 1965 gedrehte Frank-Beyer-Film «Spur der Steine» mit Krug als aufmüpfig-anarchistischer Baubrigadier von der SED verdammt wurde und schnell wieder aus den Kinos verschwand (für über 20 Jahre) bzw. von Stasitrupps gestört wurde. «Meine bis dahin schönste Rolle - futsch.» Der Film habe «zwei Sorten Elend» in der DDR gezeigt, wie Krug in seinen «Bilderbuch»-Erinnerungen schreibt: «Die verheuchelte Parteimoral einerseits und die katastrophalen Arbeitsvoraussetzungen andererseits.»

Das Fass zum Überlaufen brachte dann die Biermann-Ausbürgerung im November 1976. Nach dem massenweisen Künstlerprotest, dem sich auch Krug angeschlossen hatte, wurde der Schauspieler beruflich kaltgestellt und von Stasi-Leuten verfolgt. Zum Thema Stasi hat Krug bis heute eine eindeutige Haltung, er ist gegen einen Schlussstrich unter die Stasi-Akten, auch nach über 20 Jahren nach dem Mauerfall. «Die sollen sich ruhig noch eine Weile gruseln davor, dass da noch was rauskommen kann», meinte er dieser Tage in Berlin vor Journalisten.

Das inzwischen legendäre Protest-Treffen gegen die Biermann-Ausbürgerung 1976 mit Künstlern und Schriftstellern wie Christa Wolf, Stefan Heym, Hilmar Thate und Jurek Becker in Krugs Haus mit dem SED-Politbüromitglied Werner Lamberz nahm der Schauspieler heimlich auf Tonband auf, heute ein einzigartiges Zeitdokument. Krug veröffentlichte das Tonbandprotokoll und seine Erinnerungen daran 1996 unter dem Titel «Abgehauen», was vom Regisseur Frank Beyer später auch verfilmt wurde.

An seine Übersiedlung in den Westen 1977 erinnert sich Krug noch sehr genau: «Ich hatte Angst, die größte Angst in meinem Leben. Nochmal von vorn anfangen? Aber kriech ich zu Kreuze, bin ich kaputt. Kriech ich nicht, machen sie mich kaputt.» Irgendwann war für Krug «der Riemen runter von der Orgel, wie der Berliner sagt». Aber der Neuanfang im Westen gelang, das «zweite Leben» des Schauspielers Manfred Krug begann.

news.de/dpa

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