Feste Christopher Street Day: Über 100 000 in Hamburg

Hamburg - Mit einer bunten Parade haben Lesben und Schwule in Hamburg den 32. Christopher Street Day (CSD) gefeiert. Tausende Teilnehmer zogen am Samstag in teils schrillen Kostümen zu Fuß oder auf rund 40 geschmückten Lastwagen durch die Innenstadt.

Christopher Street Day: Über 100 000 in Hamburg (Foto)
Christopher Street Day: Über 100 000 in Hamburg Bild: dpa

Das diesjährige Motto lautete: «Ehe 2.0 - Nach den Pflichten jetzt die Rechte.» Mit Parolen wie «Liebe ist mehr als Mann und Frau» und «Für eine Homogenisierung der Gesellschaft» demonstrierten die Teilnehmer für die rechtliche Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Die Polizei sprach von einem friedlichen und fröhlichen Umzug. Insgesamt seien 120 000 Teilnehmer und Zuschauer unterwegs gewesen.

«Wir freuen uns sehr, dass wir zum diesjährigen Hamburg Pride so viele Menschen dazu bewegen konnten, für die Rechte von Homo-, Bi- und Transsexuellen auf die Straße zu gehen», sagte Ingo Bertram vom Veranstalter Hamburg Pride. Die hohe Zahl der Teilnehmer und Besucher habe die Erwartungen übertroffen. Zu Beginn und zum Abschluss der Parade durchnässten heftige Wolkenbrüche die Anwesenden.

Bei dem rund zwei Kilometer langen Wagenzug waren auch Vertreter von CDU und FDP dabei, der Wagen der Liberalen wurde allerdings vereinzelt mit Buhrufen und Pfiffen bedacht. Vor dem Event hatte es zwischen den Parteien und den Veranstaltern Unstimmigkeiten gegeben.

Am 28. Juni hatte der Bundestag auf Antrag der Grünen erstmals namentlich über die Öffnung der Ehe für Homo-Paare abgestimmt. CDU/CSU und die FDP stimmten dagegen. Wobei es sowohl in der FDP als auch bei der Union Abweichler gab, die sich enthielten. Hamburg Pride forderte die beiden Parteien anschließend in einem offenen Brief auf, ihre Teilnahme an der Demonstration zu überdenken.

In einigen europäischen Ländern, darunter Spanien und Schweden, ist die Ehe auch für homosexuelle Paare möglich. In Deutschland verweigert derzeit das Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft die komplette rechtliche Gleichstellung: Lesben und Schwule dürfen zum Beispiel nicht gemeinsam Kinder adoptieren und sind auch steuerlich schlechter gestellt. Im Anschluss an die Hamburger CSD-Parade diskutierten Vertreter sämtlicher Bundestagsparteien über das Thema. «Wir sind froh, dass wir den diesjährigen CSD politisieren konnten», sagte Hamburg-Pride-Sprecher Bertram. In den vergangenen Jahren habe meist die bunte Party im Zentrum der Aufmerksamkeit gestanden.

Etliche Paraden-Teilnehmer machten mit Slogans wie «Fußball ist alles - auch schwul» und «Fußballfans gegen Homophobie» zudem darauf aufmerksam, dass Homosexualität in einigen Gesellschaftsbereichen noch immer ein Tabu-Thema ist.

Der Christopher Street Day geht auf Vorfälle um den 28. Juni 1969 in New York zurück. Nach einer Polizeirazzia in einer Bar kam es zum Aufstand von Schwulen und Lesben mit Straßenschlachten in der Christopher Street. Jahrelang gipfelten die schrillen Partys in gewalttätige Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten. Inzwischen findet der Protesttag auch viel offizielle Unterstützung. So hissten bereits am Mittwoch Gleichstellungssenatorin Jana Schiedek (SPD), US-Generalkonsulin Inmi Patterson und Hamburg-Pride-Chef Lars Peters die Regenbogenflagge am Hamburger Rathaus. Auch am US-Generalkonsulat der Hansestadt wehte erstmals die bunte Flagge der Homosexuellenbewegung.

news.de/dpa

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