Kriminalität Organspenden: Justiz ermittelt wegen fahrlässiger Tötung

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Organspenden: Justiz ermittelt wegen fahrlässiger Tötung Bild: dpa

Göttingen/Braunschweig - Eine Woche nach Bekanntwerden eines möglichen Handels mit Organen an der Göttinger Uniklinik wird gegen zwei Ärzte nun auch wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt.Wenn die Mediziner ihre Patienten mit manipulierten Daten auf der Warteliste für Spenderlebern nach oben gemogelt hätten, seien dadurch möglicherweise andere Kranke gestorben, sagte der Göttinger Staatsanwalt Andreas Buick am Freitag.

Die für Korruption zuständige Braunschweiger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Ärzte bereits wegen möglicher Bestechung. Ob tatsächlich Geld von Patienten an die Ärzte floss, steht aber noch nicht fest.

Eine anonyme Anzeige bei der Deutschen Stiftung für Organtransplantation mit einem Hinweis auf möglichen Organhandel an der Göttinger Klinik habe die Ermittlungen Anfang des Jahres ins Rollen gebracht, sagte die Braunschweiger Staatsanwältin Serena Stamer am Freitag. Überprüfungen der Bundesärztekammer und der Klinik waren dann die Grundlage für Durchsuchungen bei den beiden verdächtigten leitenden Medizinern. Ende Mai klingelten die Fahnder bei dem ersten, Mitte dieser Woche bei dem zweiten, sagte Stamer. Die Auswertung sichergestellter Unterlagen auf Manipulationen hin erfordere erhebliche Arbeit und Sachverstand. «Das wird eine Sache von Monaten sein.»

Im Zuge des Skandals sprach sich die Leber-Kommission der Deutschen Transplantationsgesellschaft für unangemeldete Stichproben in Transplantationszentren aus. Das sagte ihr Vorsitzender Prof. Christian Strassburg von der Universitätsklinik Bonn dem WDR-Fernsehen am Freitag. Solche «Audits» könnten von einem Gremium erfahrener Mediziner vorgenommen werden. Die Umsetzung könnte bei der Bundesärztekammer liegen.

Bekannt ist inzwischen auch, dass einer der Göttinger Mediziner an seiner vorherigen Arbeitsstätte an der Uniklinik Regensburg schon 2005 für Missstände bei Transplantationen gesorgt hatte, weil dort Patienten aus Jordanien verbotenerweise auf eine Warteliste gesetzt wurden. Der bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) will daher die internen Regularien an den Transplantationszentren in Bayern prüfen lassen. «Spender und Patienten müssen sich hier bedingungslos auf unsere Ärzte und Einrichtungen verlassen können», sagte Heubisch nach Ministeriumsangaben am Freitag in München.

Zwar sei Göttingen im Moment Ausgangspunkt der Ermittlungen, hieß es bei der Staatsanwaltschaft in Braunschweig. Sollten sich Hinweise auf die Beteiligung anderer Kliniken ergeben, müssten die Ermittlungen aber ausgedehnt werden. Geprüft werde, ob weitere Mitarbeiter in den Skandal verwickelt sind. Ermittelt wird auch gegen eine Firma aus Nordrhein-Westfalen, die mindestens einen Patienten mit finanziellem Profit nach Göttingen vermittelt haben soll.

Bislang gebe es noch keine Hinweise auf weitere deutschlandweite Verflechtungen in dem Fall, sagte Staatsanwalt Buick. «Wir stehen erst ganz am Anfang.» Insgesamt werden 23 Fälle aus den Jahren 2010 und 2011 untersucht. Die Mediziner könnten, was den Verdacht der fahrlässigen Tötung angeht, fahrlässig oder bedingt vorsätzlich gehandelt haben. Bislang wurden die Ärzte noch nicht befragt, so Buick. «Wir haben noch keinen direkten ganz konkreten Hinweis auf einen Geldfluss, der eine Bestechung belegt», sagte Stamer.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat unterdessen erneut Konsequenzen gefordert. «Manipulationen müssen ausgeschlossen werden. Ich habe die Ärzteschaft aufgefordert, die Vorgänge aufzuklären und Lösungsvorschläge zu machen», sagte Bahr der «Bild am Sonntag».

news.de/dpa

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