Freizeit Mit dem Bambusfahrrad um die Welt

Mit dem Bambusfahrrad um die Welt (Foto)
Mit dem Bambusfahrrad um die Welt Bild: dpa

Würzburg - Matthias Kalla hält den Haartrockner nah an ein schmales und langes Stück Bambus. Der flache Halm ist mit einer Schraubzwinge auf der Werkstattbank festgeklemmt und nach oben gebogen.

Er soll das Schutzblech für ein außergewöhnliches Fahrrad werden - ein Bambusfahrrad, das am Sonntag auf eine Reise rund um die Welt geschickt wird. Mit dem rollenden «Staffelstab» soll Geld für ein Trinkwasserprojekt gesammelt werden.

«So viele Menschen reisen allein um die Welt. Nun schicken wir ein Rad allein auf Tour», sagt der Geoinformatik-Student Kalla. Gemeinsam mit seiner Mitbewohnerin Sabine Metzger hat er das Projekt «GlobalBikeTrotting» vor zwei Monaten auf die Beine gestellt.

Entstanden ist die Idee an einem Abend bei einem Glas Wein in der Wohngemeinschaft. «Wir hatten überlegt, dass man in Würzburg umsonst Fahrräder vermieten könnte. Und plötzlich stand die Idee im Raum: Wir schicken einfach eins um die Welt», erinnert sich die 26 Jahre alte Pädagogik-Studentin. Das Rad sollte aus Bambus sein, weil es ein robuster, schnell nachwachsener Rohstoff ist. «Es steht symbolisch für die Rohstoffwende. Außerdem ist es mal etwas anderes. Es ist schön, so ein ungewöhnliches Rad zu haben», sagt Metzger.

Wenig später erhielten sie eine kleine Anschubfinanzierung von der Initiative Think Big, die Jugendprojekte fördert. Schließlich sagte auch Würzburgs Oberbürgermeister Georg Rosenthal (SPD) seine Unterstützung zu und übernahm die Schirmherrschaft für den Auftakt des Projektes. «Die Mission des Bambus-Bikes lautet: Möglichst viele Menschen auf eine spielerische Weise auf die Trinkwasserknappheit und einen verantwortungsvollen Umgang mit weiteren Ressourcen und Rohstoffen aufmerksam zu machen», sagt Rosenthal. Das sei eine unterstützenswerte Botschaft.

Die Idee für die Weltreise des Bambusrads ist denkbar einfach. Wer mit dem Rad fahren will, meldet sich im Internet an und gibt die Strecke an, die er gern fahren möchte. «Es ist egal, ob es die Strecke schon gibt oder ob sie in der Nähe der bisherigen Route liegt. Je mehr mitmachen, desto flexibler können wir planen», sagt Metzger.

Schon jetzt haben sich Interessenten für Strecken in Amerika, Afrika und Australien gemeldet. «Für die Tour durch Deutschland dürfen es gern noch mehr werden», sagt der gebürtige Sachse. Dass dem Projekt die Teilnehmer ausgehen, fürchten die beiden nicht. «Wir sind gut vernetzt. Und selbst, wenn das Rad im Winter länger steht - danach geht es auch wieder weiter.» Mit der Aktion sollen Spenden für das Trinkwasserprojekt «Viva con Agua» gesammelt werden.

Den Bambusrahmen für das Fahrrad haben die beiden Würzburger Studenten in Berlin in einem Workshop selbst gezimmert. «Und in der WG haben wir danach weiter gesägt, gefeilt und lackiert», erinnert sich Kalla. Ein Fahrradladen aus der Region sponserte Reifen, Sattel, Lenker und Zubehör. «Wir bekommen unheimlich viele Sponsoring-Anfragen. An dem Projekt hat mich das Soziale und das Außergewöhnliche gereizt», erklärt Laden-Inhaber Felix Schmitt.

Seine Mechaniker standen wie Kalla und Metzger vor baulichen Herausforderungen. «Für den Bambusrahmen passte nix von der Stange. Alles musste individuell zusammengestellt und verbaut werden.» Aber die Arbeitsstunden hätten sich gelohnt. Das 17 Kilogramm schwere 26-Zoll-Fahrrad sei sehr stabil und ein Hingucker geworden. Auch Kalla und Metzger sind überzeugt von der Qualität des Rades. «Das kann nur ein Feuer oder Panzer zerstören», ist sich Kalla sicher.

Die größte Sorge der beiden ist jedoch, dass jemand das Rad klauen könnte. Es wird mit einem Zahlenschloss gesichert und der Code soll nur den angemeldeten Fahrern gegeben werden. «Aber wir vertrauen den Leuten jetzt einfach mal», sagt Metzger. Die erste fest geplante Etappe ist Indien. «Vielleicht reisen wir sogar dorthin und schauen, wie es dem Rad geht», sagt der Geoinformatik-Student, der jetzt nicht nur Räder bauen und Internetseiten programmieren kann, sondern sich auch mit Rechtsgrundlagen, Öffentlichkeitsarbeit und vielem mehr auskennt. «Das ist besser als jede Vorlesung.»

Wann die beiden das Bambusrad danach wiedersehen werden, steht in den Sternen. «Vielleicht in 20 Jahren? Vielleicht schon eher und dann mit völlig neuen Einzelteilen? Es ist alles möglich.» Zuversichtlich ist Kalla auf jeden Fall: Beim Guinnessbuch der Rekorde in London hat er das reisende Bambusrad schon angemeldet. «Wer weiß, vielleicht wird jeder Fahrer Teil eines gelungenen Weltrekordversuches sein.»

Facebook-Seite des Projektes

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«GlobalBikeTrotting»

news.de/dpa

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