Tiere «So ein Schrecken sitzt» - Postboten üben mit Hunden

Blankenfelde-Mahlow - Egal, wie groß die Angst vor dem Kläffer am Gartenzaun ist - die Post muss in den Briefschlitz. Für manche ihrer Zusteller ist die tägliche Tour eine Tortur.

«So ein Schrecken sitzt» - Postboten üben mit Hunden (Foto)
«So ein Schrecken sitzt» - Postboten üben mit Hunden Bild: dpa

Der Weg zum Briefkasten erscheint elendig weit, weil ein Vierbeiner Herrchens Revier verteidigt.

Jährlich endet nach Angaben der Deutschen Post für rund 1800 Zusteller die Begegnung mit dem Hund schmerzhaft. Solche Erlebnisse will die Deutsche Post vermeiden helfen. Bundesweit bietet sie deshalb spezielle Trainings für ihre Mitarbeiter an.

«Zweimal bin ich schon gebissen worden», erzählt Sabine Tiefenbeck. «So ein Schrecken sitzt. Das bleibt eine Weile - da kann man noch so cool sein», sagt die 52-Jährige. Gemeinsam mit 27 Kollegen lauscht Tiefenbeck am Montag am Zustellstützpunkt Mahlow den Tipps und Tricks von Hundetrainer Jörg Ulbricht aus Freital bei Dresden. Seit mehr als 30 Jahren ist die Postbotin unterwegs, beliefert rund 540 Haushalte in den brandenburgischen Orten Mahlow und Diedersdorf. Egal ob groß oder klein: Sie hat manchen Hund am Gartenzaun gesehen - und besitzt selbst einen West Highland Terrier. Doch der Respekt bleibt: «Ich bin ja der Eindringling», weiß sie.

Genau das ist es: «Das Kernproblem bei Postboten ist, dass sie in das Revier des Hundes eindringen - und sie tun es immer wieder», erklärt Hundetrainer Ulbricht. «Glaubt der Hund nach dem ersten Zusammentreffen noch, er habe den Menschen erfolgreich verjagt, besitzt dieser die Frechheit, am nächsten Tag wiederzukommen.» Seit 1997 schult der 40-Jährige im Auftrag der Post regelmäßig Zusteller in Sachsen und Südbrandenburg, neuerdings auch in Berlin. «Anhand von Statistiken könne wir sehen, dass die Attacken und ihre Folgen rapide zurückgegangen sind», sagt der Sachse.

Per Power-Point-Präsentation gibt der 40-Jährige den Zustellern Regeln mit: Immer ruhige Bewegungen machen, in ruhiger Stimmlage sprechen, Hände und Gegenstände am Körper halten, bei Attacken sofort ruhig stehen bleiben.

Dann geht's raus zur Praxis mit Ulbrichts Vierbeinern, den beiden Schäferhunden Astor und Ziro sowie Collie-Mischling Dolly. Schnell wird der Unterschied deutlich zwischen der nervösen Hündin und dem eher ausgeglichenen Astor. Mit Ziro demonstriert der Trainer, wie ein Hund in bestimmten Situationen nach der Hand oder dem Paket schnappen könnte. Kraftvoll stemmt sich der fast dreijährige Rüde in die Höhe, packt nach dem Stoffknoten. Mit respektvollem Abstand verfolgen die Postboten das Schauspiel.

Mit dem Training will die Post ihren Mitarbeitern die Arbeit erleichtern - und unnötige Krankentage vermeiden. In etwa 500 Fällen jährlich erwischt es der Post zufolge die Zusteller so stark, dass sie mindestens drei Tage krank sind. Durchschnittlich kämen zehn Fehltage zusammen, sagt Postsprecher Rolf Schulz. «Vor allem in ländlichen Regionen sind die Briefzusteller öfter mit Hunden konfrontiert.»

«Bestimmte Sachen habe ich bislang so nicht erkannt», räumt Postbotin Tiefenbeck nach dem Training ein. Auf ihre Leckerlis in der Tasche will sie aber nicht verzichten. «Die geben mir Sicherheit.»

news.de/dpa

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