Fernsehen «Keine Spaßgalerie»: Kunst auf 3,27 Quadratmetern

Regenmantel - Wer hier vom Fahrrad steigt, sieht Feld und Kunst. Das Grün erstreckt sich weit hinauf, die Kunst begnügt sich mit 3,27 Quadratmetern - Michael Pommerening hat nachgemessen.

«Keine Spaßgalerie»: Kunst auf 3,27 Quadratmetern (Foto)
«Keine Spaßgalerie»: Kunst auf 3,27 Quadratmetern Bild: dpa

Dem Mix aus Natur, Kultur und Tourismus begegnet man im Brandenburgischen zwar immer wieder, aber Bilder in einem ehemaligen Trafohaus sind schon ungewöhnlich. Betreiber Pommerening sagt, es sei eine der kleinsten Galerien im Land oder sogar darüber hinaus. An diesem Samstag (15.00) soll sie in dem Ort mit dem schönen Namen Regenmantel (Märkisch-Oderland) eröffnet werden.

Pommerening meint es ernst: «Das ist keine Spaßgalerie und auch nicht temporär.» Der 59-Jährige will wechselnde Ausstellungen im Jahr anbieten, die Besucher 24 Stunden betrachten können - durch ein Schaufenster in dem Trafohaus, in dem von außen Licht angeknipst werden kann. In der Eröffnungsschau stellen drei Künstler aus Deutschland, Russland und Georgien bis zum 20. August zusammen fünf Bilder aus. Vertreten sind Elena Bolschuv, David Apciauri und Harald K. Schulze, rund 20 Kilometer nordwestlich von Frankfurt (Oder).

Dabei soll es nicht bleiben. Pommerening hat eine Vision: drei Galerien an einem Radweg, die im Abstand von etwa eineinhalb Stunden erreichbar sind. Dazwischen können die Besucher über die gesehene Kunst nachdenken, sich freuen oder ärgern. «Vielleicht im nächsten Sommer», sagt Pommerening. Er will anspruchsvolle Kunst in den Osten des Landes holen, die auch gekauft werden kann, zunächst einmal in das mehr als acht Meter hohe Trafohaus. Gekauft hat er das im Jahr 1952 errichtete Gebäude von einem Energieversorger, der es ursprünglich abreißen lassen wollte.

Nach Pommerenings Vorstellungen soll es an diesem Flecken in Regenmantel sinnlich zugehen. Er plant nicht nur, Kunst auszustellen, sondern möchte auch Lesungen veranstalten und Raum für Picknicks anbieten. Dazu passt eine Ankündigung mit Blick auf die ausgestellte Kunst, die auf der Internetseite der noch jungen Kulturinitiative «KunstRegen» steht: «Jetzt wie auch in Zukunft wird das Verhältnis von Mensch und Natur Hauptthema der Arbeiten sein.» Pommerening hat diesen Zusammenschluss mitinitiiert. Falkenhagens Bürgermeister Bernhard Fandrich (parteilos) hofft, dass künftig einige Touristen in dem rund 60 Einwohner zählenden Ortsteil Regenmantel neugierig auf das Trafohaus werden.

Mit «Trafo.1» bekommt Brandenburg nun eine neue Galerie. Wie viele es im Land gibt, wird nicht erfasst. Der Sprecher des Vereins Kulturland Brandenburg, René Granzow, sagt: «Es sind sicherlich über 1500 im ganzen Land.» Allein an den Tagen des Offenen Ateliers am 5. und 6. Mai 2012 hätten sich rund 500 Häuser beteiligt. Nicht für alle Galerien ist es leicht zu überleben, wie Fachleute betonen. Silvia Zörner vom Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler in Berlin sagt jedenfalls mit Blick auf das Regenmanteler Projekt: «Ein Trafohaus ist mit Sicherheit ungewöhnlich und kurios.»

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news.de/dpa

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